Lira Bajramaj war einmal – jetzt ist Celia da Mbabi das WM-Gesicht

Berlin. Bis zum Sonntag sollte Fatmire Bajramaj der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ein Gesicht geben, das jeder kennt. Die 23-Jährige erfüllte so ziemlich alle Kriterien: Sie ist hübsch, sie ist eloquent, sie hat sogar schon ein Buch geschrieben.

Fatmire (genannt Lira) Bajramaj

Bajramajs Buch handelt von ihrer Flucht aus dem Kosovo nach Deutschland, von ihrem Leben, von ihrem Sport. Ganz nebenbei spielt Fatmire Bajramaj auch noch ganz gut Fußball, und so profitierte die Nationalspielerin am meisten vom bevorstehenden Großereignis: Sie schloss Werbeverträge ab, die ihr um die 100.000 Euro einbringen. Sie schaut von großen Reklameflächen auf die Menschen herab; in Illustrierten, die vor der WM erschienen, erzählt sie sogar, wie es in ihrem Schlafzimmer aussieht.

Bajramaj kombinierte das Sportliche mit dem Bunten wie keine Zweite, es war alles bereitet für sie, während dieses Turniers zum Star aufzusteigen. Das Problem bei der ganzen Sache ist nur der Fußball. Denn: Bajramaj hat es nicht zur Stammspielerin im deutschen Team geschafft, zum Auftakt gegen Kanada war sie gerade noch dritte Einwechselspielerin – und musste sich nach einem verkorksten Dribbling heftige Kritik von Bundestrainerin Silvia Neid gefallen lassen.

Große Verliererin

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Bajramaj ist die große Verliererin in Tagen, in denen der deutsche Frauen-Fußball so populär ist wie noch nie. Und sie muss erkennen, dass die Medien sich sehr schnell ein neues Gesicht suchen, wenn das alte nicht die Erwartungen erfüllt. Dieses neue Gesicht war rasch gefunden: Es gehört Celia da Mbabi, die beim 2:1 gegen Kanada das 2:0 für das deutsche Team erzielte und in der nach oben offenen Aufmerksamkeitsskala rasant an allen vorbeigezogen ist.

Jeder, der sich über Frauen-Fußball unterhält, spricht über da Mbabi, die hübsch ist, die eloquent ist, noch kein Buch geschrieben hat, aber derzeit besser Fußball spielt als Bajramaj. Der Boulevard hat sie längst zum Star geadelt und auf Seite eins abgebildet. Deutschland ist jetzt ein bisschen da Mbabi.

Celia Okoyino da Mbabi

Celia Okoyino da Mbabi

Jetzt interessiert alles: 23 ist sie, studiert Kulturwissenschaften in Koblenz, sie spielt für Bad Neuenahr in der Fußball-Bundesliga, hat 56 Länderspiele absolviert, elf Tore geschossen. Ihr Vater kommt aus Kamerun, ihre Mutter aus Frankreich, und sie selbst ist geboren in Bonn. Sie steht also auch noch für das neue, das multi-kulturelle Deutschland. Und obendrein hat sie nun auch noch einen Freund präsentiert, der einen nicht unbekannten Nachnamen in Fußballerkreisen hat: Marko Sasic, den Sohn von Duisburgs Trainer Milan Sasic. Es scheint, als übernehme sie gänzlich den für Bajramaj zugedachten Part.

Ob es ihrer Leistung auf dem Platz schadet? Bundestrainerin Silvia Neid ist weiter von ihr begeistert. Und Neid bezieht in ihr Urteil immer nur das rein Sportliche mit ein. Zweifel? Keine. Okoyino da Mbabi schwebt auf der Wolke, die Fatmire Bajramaj längst verlassen hat.

Von Florian Hagemann

Fatmire Bajramaj: Der Popstar unter den DFB-Spielerinnen

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