Messi "auf Diät": Barca im Meckermodus

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Beim AC Mailand konnte Lionel Messi nichts ausrichten.

Mailand - Lionel Messi war „auf Diät“, der Titelverteidiger allzu menschlich: Nach dem 0:0 beim AC Mailand im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League haderte Barcelona mit ungünstigen äußeren Einflüssen.

Mit der eigenen dürftigen Leistung wollte sich der FC Barcelona gar nicht lange aufhalten. Stattdessen suchte der Titelverteidiger nach dem Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim AC Mailand nach einem Schuldigen für das magere 0:0 in San Siro - und fand gleich mehrere. Der völlig katastrophale Platz war verantwortlich. Und der miserable Schiedsrichter. Und, ja, auch diese „kriminellen“ Italiener. Eigenes Versagen? ¨Como? Wie bitte?

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„Die UEFA will ein Spektakel - aber wie soll das gehen, wenn man dafür nicht die Bedingungen hat? Wir sind mit großartigen Spielern hergekommen, aber dann kann man hier nicht ordentlich Fußball spielen, weil der Rasen schlecht ist“, meckerte Trainer Pep Guardiola. Am Donnerstag verkündete der Klub, dass er bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) offiziell Beschwerde eingelegt habe.

Mittelfeldmann Xavi monierte, der schwedische Schiedsrichter Jonas Eriksson habe bei einer Attacke des Milan-Torhüters Christian Abbiati an Alexis Sanchez einen „glasklaren Elfmeter“ übersehen; Kapitän Carles Puyol meinte, auch er sei elfmeterreif gefoult worden. Und die Presse, wie etwa das katalanische Blatt Sport, schimpfte über „kriminelle“ Fouls wie das von Alessandro Nesta gegen den erstmals nach neun Pflichtspielen torlosen Lionel Messi. Nur, ach, „der Referee wollte nichts sehen“. Marca schluchzte förmlich: „Wieder die Schiedsrichter!“

Der Klubrekord von 15 Spielen in der Königsklasse ohne Niederlage in Folge konnte bei Barca nach dem ersten Spiel ohne eigenes Tor in der Champions League seit fast zweieinhalb Jahren (29 Spiele) niemanden trösten. Zumal Guardiola vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag graut. „Das wird schrecklich“, fürchtet er, „dass wir kein Tor erzielt haben, werden wir zu spüren bekommen.“ Aber, diesen Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen, „der Platz wird besser, schneller sein. Dann werden wir auch besser spielen.“

Gegen zunächst mutige, aber mit zunehmender Spieldauer nurmehr aggressiv verteidigende Rossoneri hatte Barcelona zwar deutlich mehr gefährliche Aktionen (15:4 Schüsse, 5:2 aufs Tor) und Ballbesitz (62 Prozent). Die Katalanen, vor allem aber Superstar Messi, waren diesmal jedoch „menschlicher als sonst“, wie die Gazzetta dello Sport treffend feststellte. So gelang es Milan, „Messi auf Diät“ zu setzen, wie das Blatt schrieb. In den vier Champions-League-Spielen zuvor hatte der Argentinier zehn Mal getroffen. Derart unbefriedigend war der Abend für ihn, dass er sich mit dem eigensinnigen Nachwuchsmann Cristian Tello ein Wortgefecht lieferte - ungewöhnlich für den sonst so ruhigen „Floh“.

Milan ließ sich indes für seine Defensivkunst feiern - eine Tatsache, die Guardiola zu einer weiteren kleinen Spöttelei motivierte. „Das war doch schon immer so mit Milan, auch unter (Arrigo) Sacchi und (Fabio) Capello. Die sind halt schon mit einem 0:0 zufrieden.“ Für Barca sei das das größte Kompliment.

Mailand träumt nun vom Halbfinale gegen den FC Chelsea, das 1:0 bei Benfica Lissabon gewann. „Unsere Ausgangsposition ist jetzt besser als vor dem Spiel“, sagte Trainer Massimiliano Allegri. Kevin-Prince Boateng trug dazu seinen Teil mit engagierter Arbeit bei, war aber laut Gazzetta nur „ein Tänzer der dritten Reihe“. Nach 67 Minuten musste er angeschlagen vom Platz. Nun hoffe er, dass er seinen Halbbruder, den Bayern-Profi Jerome Boateng, „im Endspiel wiedersehe“.

Die Chancen, zumindest ins Halbfinale einzuziehen, stünden jetzt nicht so schlecht, meinte Clarence Seedorf. „Sie sind die Besten“, sagte er über Barca, „aber für jeden kommt mal die Zeit...“ Der Mann wird übrigens am Sonntag 36.

sid

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