Langeweile droht

Bayern-Dominanz macht andere Themen wichtiger

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Drei Titel in der vergangenen Saison, wqieder drei Titel 2014? Das ist dem FC Bayern durchaus zuzutrauen.

Frankfurt/Main - Die Vorherrschaft des Triple-Gewinners sorgt dafür, dass andere Themen vor dem Rückrundenstart der Bundesliga in den Vordergrund rücken. Andere Themen sind wichtiger.

Selbst der Bundesliga-Boss wollte bei seinem Ausblick auf die Rückrunde nicht auf Spannung machen. „In der Meisterschaft gibt es einen klaren Favoriten. Es geht wohl nur darum, wer Bayern München in die Champions League begleitet“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. Wenn die Eliteklasse am Freitag, 139 Tage vor WM-Beginn, in ihre zweite Saisonhälfte startet, droht aufgrund der Dominanz des Triple-Gewinners an der Spitze die große Langeweile. Deshalb verdrängen Themen wie Sicherheit, WM-Planung, wirtschaftliche Expansion und Torlinentechnik den sportlichen Aspekt.

Selbst der Bundestrainer macht keinen Hehl daraus, dass die Bundesliga für seine WM-Vorbereitung nur eine untergeordnete Rolle spielt. „Für mich ist entscheidend: Was passiert international? Was machen die Mannschaften in der Champions League? Das wird den Spielern vielleicht einen Schub geben, wenn sie sich bei diesen Highlights ihre Erfolgserlebnisse holen und dort eine gute Rolle spielen“, sagte Joachim Löw: „Das ist wichtig.“

Löws Boss sieht das ein wenig anders. „Bis Mitte Mai wird die Bundesliga im Fokus stehen, erst danach rückt die WM in den Vordergrund“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Der Ligachef hört solche Aussagen gerne, schließlich denkt Rauball vor allem an die internationale Positionierung der Marke Bundesliga. „Wir haben zum ersten Mal in der Geschichte vier Mannschaften im Achtelfinale der Champions League“, erklärte der Jurist: „Die Liga hat in hohem Maße Qualität. Die ausländischen Ligen schauen verstärkt auf uns und nehmen uns in vielen Bereichen als Vorbild.“

Vor allem beim Blick auf die Zahlen ist das Eigenlob der Verantwortlichen nicht fehl am Platz. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wird am kommenden Dienstag zum neunten Mal in Folge einen Umsatzrekord (deutlich über zwei Milliarden Euro) vermelden. „Dieser nachhaltige wirtschaftliche Erfolg ist für eine Profiliga ohne Wenn und Aber von eminenter Bedeutung“, sagte DFL-Boss Christian Seifert: „Nur mit diesen wirtschaftlichen Möglichkeiten ist man in der Lage zu investieren.“

Und investieren wird und muss die Liga - in vielen Bereichen. Da ist zunächst das Thema Sicherheit. Einige Millionen werden in die Fanarbeit fließen, um die Gewalt rund um den Fußball einzudämmen. Das wird allerdings nicht reichen, um das Problem kurzfristig zu lösen. „Wir haben eine Schar von Leuten, die ich nicht als Fans bezeichne. Das sind Leute, die die Bühne des Fußballs missbrauchen“, meinte Rauball: „Wir werden mit den politischen Akteuren darüber reden müssen, ob die Mittel, die da sind, ausreichend genutzt werden.“

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Mittel müssen auch für den revolutionären Schritt, den die Klubs im Frühjahr planen, bereitgestellt werden. Als Folge des Phantomtors von Stefan Kießling werden die Profivereine im März eine Grundsatzentscheidung zur Torlinientechnik fällen. Sollten sich die Klubs für den Einsatz der Technologie entscheiden, kann sie schon zu Beginn der nächsten Spielzeit eingeführt werden - ein Jahr früher als ursprünglich geplant.

Früher als von vielen Beobachtern erwartet, nimmt auch ein anderer Akteur richtig Geld in die Hand. Mit den Millionen von VW im Rücken bläst der VfL Wolfsburg zur Attacke auf die Spitze. 22 Millionen Euro gaben die Niedersachsen für Kevin de Bruyne aus, schon im August legte der VfL 20 Millionen für Luiz Gustavo auf den Tisch. Die Konkurrenz aus Dortmund, Leverkusen und Schalke sieht Wolfsburg bereits als kommende Nummer zwei hinter den Bayern.

VfL-Sportchef Klaus Allofs wiegelt aber trotz des bisher spektakulärsten Wintertransfers (noch) ab. „Wir sind noch nicht auf einer Stufe mit Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Schalke. Wir wollen kleine Schritte nach vorne machen, um da hinzukommen“, sagte der Vize-Weltmeister von 1986: „Wenn wir aber unseren Plan von der Rückkehr ins internationale Geschäft beschleunigen können, werden wir uns nicht wehren.“

Lange gewehrt gegen seine Ausmusterung hat sich Tim Wiese. Doch seit Dienstag ist die Trennung des früheren Nationaltorhüters von 1899 Hoffenheim nach einer monatelangen Hängepartie perfekt. Sechs Millionen Euro Abfindung soll der 32-Jährige kassieren. Mit dieser Summe im Rücken dürfte Wiese bei den Überlegungen über eine Fortsetzung oder eine Beendigung seiner Karriere keinen allzu großen Druck verspüren.

Druck aushalten müssen in den kommenden Monaten diejenigen, für die es dann doch sportlich um viel geht. Braunschweig, Nürnberg, Freiburg, Frankfurt und Hamburg werden gegen den Abstieg kämpfen. Leverkusen, Mönchengladbach, Dortmund, Wolfsburg und Schalke wollen in den Europapokal. Und die Schiedsrichter, die wollen unbedingt nicht mehr so viele Fehler wie in der Hinrunde machen.

SID

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