Bekanntgabe im FCB-Trainingslager?

Lewandowski-Wechsel wohl in Kürze fix

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Robert Lewandowski (l.).

München - Die fünf Pokale von 2013 stehen längst im Klubmuseum, am Sonntag startet der FC Bayern in Katar die nächste Titeljagd - mit ein paar Fragezeichen. Der Wechsel von Robert Lewandowski rückt derweil näher.

Am Freitagnachmittag traf sich der Vorstand von Fußball-Rekordmeister Bayern München um den Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer an der Säbener Straße zur ersten Besprechung im neuen Jahr. „Wichtigkeit hoch“, stand im Betreff der Einladungs-Mail, das Thema Robert Lewandowski jedoch nicht auf der Tagesordnung. Stattdessen sollte das Trainingslager in Katar besprochen werden, mit dem die Bayern am Sonntag ihre nächste Titeljagd eröffnen.

Der erwartete Wechsel von Dortmunds Topstürmer Robert Lewandowski zum FC Bayern in diesem Sommer steht wohl kurz vor dem Vollzug. Am Samstag absolvierte der polnische Nationalspieler in München die sportmedizinische Untersuchung bei Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Zur neuen Saison soll der polnische Nationalspieler dann ablösefrei von Borussia Dortmund zum deutschen Fußball-Rekordmeister wechseln. Dort dürfte er einen Vertrag für vier oder fünf Jahre unterschreiben.

Mehrere Medienvertreter nahmen am Samstag die Praxis von Müller-Wohlfahrt in Visier, zum Teil wurde im Internet via Liveticker berichtet. Lewandowski, bekleidet mit einer dunklen Jacke, einer dunklen Mütze und einer hellen Hose, kam am frühen Nachmittag. Flugs huschte er durch einen Hintereingang in das Gebäude. Dort stand dann der obligatorische Medizincheck an, knapp fünf Stunden später soll er die Praxis schnell wieder verlassen haben. Sollte bei der Untersuchung alles in Ordnung sein, könnte Lewandowski zeitnah einen Vertrag für mehrere Jahre unterschreiben. Wahrscheinlich ist sogar ein Engagement bis 2019. Eine Ablöse fällt nicht an, dafür dürften die Bezüge des Polen höher ausfallen.

Dass Lewandowski sich dem FC Bayern anschließt, zeichnet sich schon lange ab. Erst seit dem 1. Januar darf der 25-Jährige laut Bestimmungen des Weltverbandes FIFA aber auch offiziell einen Vertrag bei den Münchnern unterzeichnen. Zuletzt soll sich auch Real Madrid noch einmal um den „Torjäger durch und durch“ (Dortmunds Trainer Jürgen Klopp) bemüht haben. Aber ohne Erfolg.

Vertraglich ist Lewandowski, der 2010 für 4,5 Millionen Euro von Lech Posen nach Dortmund wechselte, noch bis zum Saisonende an die Westfalen gebunden. Dort hatten die Verantwortlichen im vergangenen Sommer eine üppige Ablösesumme von geschätzten 25 Millionen Euro ausgeschlagen und dem Angreifer trotz einiger Begehren einen Wechsel kategorisch untersagt. Möglicherweise auch deshalb, weil man dann nach Mario Götze sonst gleich den nächsten Leistungsträger an den FC Bayern verloren hätte. Die kurz vor Saisonbeginn erfolgte üppige Gehaltserhöhung half Lewandowsi, den Frust über den Verbleib beim BVB zu überwinden.

Zur Winterpause führt Lewandowski die Torjägerliste der Bundesliga mit elf Treffern gemeinsam mit dem Berliner Adrián Ramos an. Dahinter rangiert sein künftiger Bayern-Mitspieler - und -Konkurrent - Mario Mandzukic. „So stark Mandzukic auch ist. Lewandowski wäre eine Bereicherung. Vielleicht ist er sogar noch einen Tick stärker und beweglicher“, lobte Franz Beckenbauer wiederholt die Vorzüge des auch international starken BVB-Stürmers. In 25 Spielen traf er 15-mal - alleine vier Treffer steuerte er im April 2013 beim 4:1 gegen Real Madrid bei. Kein Wunder, dass die Königlichen sich auch um Lewandowski bemühten. Seine Bundesliga-Bilanz: 115 Spiele, 65 Tore.

In Dortmund sah man den nahenden Wechsel trotz der tollen Quoten zuletzt entspannt. „Da mache ich mir gar keine Sorgen. Im Gegenteil, Robert will sich garantiert mit Top-Leistungen aus Dortmund verabschieden!“, sagte Manager Michael Zorc. „Wir sind mit Robert völlig im Reinen. Was er macht, ist seine Sache. Entscheidend ist für uns, dass er immer 100 Prozent Leistung gebracht hat - und das auch weiter tun wird“, betonte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in der „Bild“.

Doch weitere Bayern-Fragen für das WM-Jahr 2014 bleiben offen. Zum Beispiel: Was wird aus Präsident Uli Hoeneß? Es sei sein sehnlichster Wunsch fürs neue Jahr, hatte Rummenigge nach dem Triumph bei der Klub-WM kurz vor Weihnachten gesagt, „dass die Sache für Uli gut ausgeht“. Die Sache - der Steuerprozess im März gegen den Bayern-Macher, der am Sonntag seinen 62. Geburtstag feiert. Im Flieger nach Doha wird die Mannschaft auf Hoeneß anstoßen, ihm viel Glück wünschen - und sich dann wieder den sportlichen Fragen widmen.

Die dringendste: Ist die Titel-Sause von 2013 mit fünf von sechs möglichen Trophäen zu wiederholen? „Das ist nicht zu toppen“, schwant Rummenigge. Doch die Gier der Mannschaft ist nach wie vor groß. Kapitän Philipp Lahm betonte auf der vereinseigenen Internetseite: „Natürlich ist es eigentlich fast unmöglich (...), aber wir streben danach. Wir wollen wieder da hin, wo wir waren. Wir wollen wieder in die Finals, wollen wieder Trophäen!“

Die Grundlagen dafür sollen zum vierten Mal hintereinander in Katar gelegt werden. Ab Sonntag werden Lahm und Co. in der Trainingswelt der „Aspire Academy“ im Land des umstrittenen Gastgebers der WM 2022 „hart dafür arbeiten, dass das Momentum positiv bleibt“, wie Rummenigge bereits forderte. Sammer gab als Auftrag für 2014 aus: „Es heißt immer, man könne nicht jedes Spiel gewinnen. Warum nicht? Für uns muss Weltspitze Normalität werden.“

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Dazu soll möglichst schnell auch wieder Bastian Schweinsteiger beitragen. Der Vize-Kapitän soll nach seiner Knöchel-OP in Katar wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Auch Arjen Robben (Knieverletzung) reist mit in die Sonne, wird dort aber wohl nur individuell arbeiten können. Ebenfalls weiter dabei ist Stürmer Mario Mandzukic. Doch angesichts der bevorstehenden Verpflichtung von Lewandowski wird in Italien erneut über einen Wechsel des Kroaten zu Juventus Turin spekuliert. Als Zugang wird indes weiter der brasilianische Verteidiger David Luiz vom FC Chelsea gehandelt.

Noch ohne Lewandowski und Luiz bestreiten die Bayern vor dem Rückrundenstart am 24. Januar bei Borussia Mönchengladbach drei Testspiele: Am 9. Januar in Doha gegen den sudanesischen Meister Al-Merrikh SC (18 Uhr/MEZ) und am 13. Januar (16 Uhr/MEZ) in Kuwait beim dortigen Landesmeister Kuwait SC. Nach der Rückreise nach München (14. Januar) treten die Münchner am 18. Januar (16 Uhr) bei Österreichs Vize-Meister Red Bull Salzburg an. „Man hetzt ein bisschen um die Weltgeschichte“, sagte Rummenigge dazu. Aber das sind die Titel-Sammler ja gewohnt.

sid/dpa

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