RB Leipzig strauchelt: "Teamgeist schlägt Geld"

+
Peter Pacult ist Trainer bei RB Leipzig. Der Klub droht die sportlichen Ziele zu verfehlen.

Leipzig - Trotz der Millionen von Red Bull droht RB Leipzig in der 4. Fußball-Liga ein erneutes Fiasko. Der Hallesche FC bringt die Bullen aus dem Tritt.

Die Popularität von Red Bull bekommt Wolfgang Loos zumindest in Leipzig immer besser in den Griff. Neulich an der Waschanlage schwärmte dem RB-Geschäftsführer während der dreiminütigen Reinigung seines Fahrzeugs ein Mitarbeiter der Waschstraße von RB Leipzig vor. Und das, so Loos, „obwohl er früher Lok-Fan war“.

Doch mit der erfolgreichen Abwerbung von Anhängern des Stadtrivalen Lok sind bei Loos nicht alle Sorgen wie weggewaschen. Der Marsch in die 3. Liga will nicht so reibungslos gelingen wie erhofft. Oder wie man früher in der Region sagte: Das Plansoll ist noch nicht erfüllt.

Für Geldgeber Red Bull wäre der erneute Nicht-Aufstieg eine Katastrophe, auch wenn Brause-Milliardär Dietrich Mateschitz deshalb seine Zahlungen nicht einstellen wird. Doch Red Bull öffnet nur deshalb den Geldhahn, weil man schnell auf die große Bühne Bundesliga will. Ob ein Nicht-Aufstieg personelle Konsequenzen haben würde, ließ Loos offen. „Über dieses Thema möchte ich nicht sprechen“, sagte der 56-Jährige - und gab Raum für Spekulationen.

Investoren im Fußball: Wer bei welchem Verein seine Finger im Spiel hat

Investoren im Fußball: Wer bei welchem Verein seine Finger im Spiel hat

Bereits im vergangenen Jahr verpasste der Klub den Sprung in die 3. Liga, weil ihm der Underdog Chemnitzer FC einen Strich durch die Rechnung machte. Chemnitz spielte bewusst die Nummer vom kleinen David, der dem mächtigen Goliath eins auswischen will. Eine ähnliche Rolle nimmt in dieser Spielzeit der Hallesche FC ein. „Wir steigen auf, weil wir eine Mannschaft sind und nicht nur Einzelspieler. Teamgeist schlägt Geld“, sagt Halles Vize-Präsident Peter Sitte und liegt damit im Trend. Sollte der Traditionsklub aus der Saale-Stadt am Donnerstag beim VfB Lübeck (18.00 Uhr) gewinnen, hätte er die Roten Bullen von der Spitze verdrängt.

Sitte ist davon überzeugt, dass sein Klub dem Konkurrenten aus Leipzig in der Gunst der Fußball-Fans um Längen voraus ist. Regelmäßig bekommt er Mails aus allen Ecken der Republik, die ihm dazu gratulieren, dass die „Chemiker“ aus Halle dem Super-Favoriten die Suppe versalzen. Trainer anderer Klubs schicken ihm nach den Spieltagen regelmäßig eine SMS. „Da weiß man, wie die Stimmungslage im Lande ist“, behauptet Sitte.

Dass der Hallesche FC den Neureichen aus Leipzig das Wasser reichen kann, grenzt schon ein wenig an ein Wunder. Der Etat des ehemaligen Vereins von Dariusz Wosz, Rene Tretschok oder Christian Tiffert liegt bei 2,2 Millionen Euro. RasenBallsport soll schätzungsweise sechs bis sieben Millionen Euro aufbringen und sprengt alle Dimensionen der Liga. Angeblich sollen Viertligaspieler dort bis zu 300.000 Euro im Jahr verdienen. Kürzlich wurde ein neues Trainingszentrum für 30 Millionen Euro errichtet.

Doch trotz des vielen Geldes wird es eng mit dem Aufstieg. Für das Saisonfinale hat Red Bull daher einen Aufruf an die Fans zur Unterstützung gestartet. „Noch acht Schritte bis zum Saisonfinale“, heißt es da. Kapitän Daniel Frahn, umworbener Top-Torjäger der Leipziger, fordert die Hilfe der Anhänger vor allem für die vielen Auswärtsspiele. Fünf der acht Partien muss RB auf Gegners Plätzen bestreiten. Und am 19. Mai geht es zum Saisonfinale nach Halle - besser hätte es der Spielplan nicht richten können.

SID

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare