Mateschitz: "Kein Wettlauf"

RB Leipzig startet Abenteuer Profi-Fußball

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Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz

Leipzig - Das erste Spiel des umstrittenen „Projekts“ RB Leipzig im deutschen Profifußball steht bevor. Zum Auftakt der 3. Liga treten die Leipziger beim Halleschen FC an.

Für RB Leipzig ist der Traum vom Profi-Fußball endlich Realität, die Konkurrenz hätte aber wohl gerne noch länger auf den reichen Emporkömmling verzichtet. Mit dem Derby beim Halleschen FC startet das „Projekt“ RasenBallsport am Freitag (20.30 Uhr/MDR) in seine erste Drittligasaison. Der direkte Durchmarsch in die 2. Bundesliga gilt als durchaus wahrscheinlich, doch die Sachsen setzen (noch) auf Zurückhaltung.

„Es geht nicht um einen Wettlauf, mit möglichst vielen Söldnern möglichst rasch in die Bundesliga zu kommen, sondern es geht um eine gesunde Entwicklung und gesundes Wachstum. Und das mit möglichst vielen eigenen Spielern“, sagte Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, der seit 2009 Millionen Euro in den Verein gepumpt hat, der Leipziger Volkszeitung. Man müsse dem Klub „genug Zeit zum Wachsen geben“, betonte der Milliardär.

Der vom österreichischen Getränke-Giganten gesponserte Klub sieht sich seit der Gründung vor vier Jahren permanenten Anfeindungen gegenüber. Vor allem die Traditionsvereine gehen auf Distanz, Gegenwind ist an der Tagesordnung. „Konstruktive und fundierte Kritik ist uns wichtig, abwertende Kritik nehmen wir ehrlich gesagt nicht ernst und ist uns ziemlich egal“, sagte Mateschitz: „Wenn wir an ein Projekt und ein Ziel glauben, dann lassen wir uns bei dessen Erreichung eigentlich nicht beirren.“

Und der Erfolg scheint ihm recht zu geben. 2600 Dauerkarten wurden in dieser Saison verkauft, fünfstellige Zuschauerzahlen werden bei den Heimspielen erwartet - die sächsische Messestadt lechzt nach Jahren ohne Profifußball wieder nach hochklassigem Sport. „Leipzig hat sich das verdient“, sagte Kapitän Daniel Frahn. Der Top-Torschütze der Vorsaison glaubt an ein weiteres erfolgreiches Jahr mit den „Roten Bullen“. Ob es mit dem dritten Aufstieg in fünf Jahren endet, sei dabei nicht vordergründig.

„Unser großes Ziel ist es, irgendwann einmal in der Bundesliga zu spielen“, sagte Sportdirektor Ralf Rangnick dem SID. Spätestens 2017 soll es so weit sein. Dann sollen Bayern München und Borussia Dortmund in die WM-Arena von 2006 kommen, nicht mehr Holstein Kiel oder die Stuttgarter Kickers. „Der einzige Unterschied zwischen dem FC Barcelona, Bayern München und RB Leipzig ist in 500 Jahren der, dass diese Clubs 600 Jahre alt sind und wir 500 Jahre“, sagte Mateschitz: „Warum sich manche Leute echauffieren und dafür sind, dass sie dagegen sind, weiß ich nicht.“

Schon von der Bundesliga zu träumen, ist derweil nicht die Sache von Trainer Alexander Zorniger. Der Schwabe will sein Team erst mal in der 3. Liga etablieren. „Wir müssen mehr investieren, die Ausgeglichenheit in der Liga ist extrem. Man muss nicht jedes Spiel gewinnen, aber die Konstanz ist entscheidend“, sagte der 45-Jährige, dessen Vertrag sich durch den Aufstieg im Sommer vorzeitig bis 2015 verlängert hatte.

Ausgerechnet zum Auftakt geht es für den Aufsteiger zum brisanten Lokalderby ins 40 Kilometer entfernte Halle. Dass RB mit seinen etwa 1200 Fans dort nicht freundlich empfangen wird, ist klar. „Wir möchten ihre Schmähgesänge und Hassrufe mit unserer guten Leistung irgendwann verstummen lassen“, sagte Frahn. Bis es wirklich so weit ist, könnte es allerdings noch etwas dauern.

sid

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