Leck ärgert Bundestrainer Löw

Philipp Lahm: Maulwurf "hat ein Problem"

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Philipp Lahm

Danzig - Ein Maulwurf sorgt für Unruhe im DFB-Lager. Der Überraschungscoup von Bundestrainer Löw mit Klose, Reus und Schürrle drang über ein internes Leck nach außen - die Griechen waren gewarnt.

Wer ist der Maulwurf? Joachim Löw ärgert sich bei der Fußball-Europameisterschaft über ein Leck im innersten Zirkel der Nationalmannschaft, das seine geheimen Titelpläne gefährden könnte. Sein tagelang unter Verschluss gehaltener Überfallcoup gegen Griechenland mit drei neuen Spielern in der Offensive war nach der Bekanntgabe der Aufstellung in der Teamsitzung nur wenige Stunden vor dem Anpfiff der Viertelfinalpartie nach außen gedrungen.

"Das ist nicht in meinem Sinne, wenn das passiert", sagte Löw nach dem 4:2-Sieg in Danzig und klagte: "Es müssen nicht schon frühzeitig die Karten auf dem Tisch liegen." Einige Medien hatten vorab über die Nominierung von Miroslav Klose, Marco Reus und André Schürrle für die Startformation berichtet, was auch den Gegner freute. "Wir hatten so etwas schon erwartet", sagte Griechenlands Trainer Fernando Santos.

"Es ist natürlich schade, wenn Dinge herauskommen. Die ganze Nation fiebert mit und will, dass wir weiterkommen", erklärte Lahm am Sonntag in Danzig. "Das ist nicht das Problem der Mannschaft. Eher hat der ein Problem, der etwas preisgibt", bemerkte der Münchner. Jedem müsse bewusst sein, was auf dem Spiel steht, wenn er Infos weitergibt, betonte Lahm. Sonst habe er "den Sport nicht ganz verstanden. Aber wir werden jetzt keinen Spion darauf ansetzen".

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Aufgegangen war Löws Griechen-Plan dennoch, Klose und Reus gehörten zu den Torschützen. "In den entscheidenden Spielen ist es wichtig, den Gegner zu überraschen. Wenn die Aufstellung fünf, sechs Stunden vor dem Anpfiff rauskommt, ist das schwer. Wir müssen sehen, dass es diese Löcher nicht mehr gibt", sagte Manager Oliver Bierhoff.

Löw "thematisierte" die Problematik noch vor dem Anpfiff der Partie mit der Mannschaft, stellte sich danach aber demonstrativ vor seine 23 Akteure. "Von den Spielern kommt es auf jeden Fall nicht, diese Rückversicherung habe ich. Es sind andere Kanäle, wo es durchsickert", erklärte Löw.

Der Bundestrainer habe deutliche Worte gewählt, berichtete Schürrle. "Klar ist er nicht erfreut darüber. Irgendwo muss da wohl ein Leck sein. Ich denke, in der Mannschaft ist es nicht zu finden." Auch Torschütze Reus äußerste sich am Wochenende verblüfft und ratlos: "Ich weiß nicht, wer der Maulwurf ist."

Löw weiß, dass es viele Möglichkeiten für undichte Stellen im Umfeld einer Mannschaft gibt. "Klar, dass die Spieler mit ihren Beratern, Freunden oder wem auch immer mittags telefonieren, sei es aus Freude, dass sie spielen, sei es aus Enttäuschung", berichtete der Bundestrainer. "Es ist nicht nachzuvollziehen, wie das passiert ist. Letztendlich wird man das auch nicht herausfinden", stöhnte Löw.

 

dpa

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