Lahm: "Nach so vielen Jahren noch Gänsehaut"

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Philipp Lahm hat 2006 bei der Heim-WM der Männer eine tragende Rolle gespielt

München - Eine Weltmeisterschaft vor heimischer Kulisse ist nicht jedem Sportler vergönnt. Philipp Lahm hat's erlebt und erklärt im Interview, wann er immer noch Gänsehaut bekommt.

Umso beeindruckender sind die Erfahrungen, die jeder Athlet dort macht und auch für seine weitere Karriere, ja für sein weiteres Leben mitnimmt. Vor der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland schildern schildert Philipp Lahm seine Eindrücke. 

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Herr Lahm, Sie haben den Mythos Heim-WM am eigenen Leib erfahren dürfen. Was waren für Sie erhebliche Vor- und was erhebliche Nachteile?

Philipp Lahm: Aus meiner Sicht gab es nur Vorteile. Ich spürte die Begeisterung und die Euphorie der Fans hautnah. Viele Erlebnisse konnte ich mit meiner Familie und Freunden teilen. Die überragende Stimmung in den Stadien und auf den Straßen gab uns als Mannschaft auch noch einmal einen zusätzlichen Schub.

Kann die Vorfreude auf die WM im eigenen Land den von außen geschürten Druck übertreffen? Gibt es die Angst, zu versagen?

Lahm: Mit der Angst zu versagen, beschäftige ich mich nicht. Als Sportler und als Profi will ich jedes Spiel gewinnen. Ich konzentriere mich darauf, meine Leistung abzurufen. Ich spiele beim FC Bayern und in der deutschen Nationalmannschaft, da ist die Erwartungshaltung immer hoch und ich habe früh gelernt, damit umzugehen.

Beschreiben Sie das Gefühl, das man hat, wenn man vom Spielergang in die volle Arena geht, in der die Zuschauermassen auf einen fokussiert sind. Wie stark ist der Unterschied zu einem normalen Bundesliga-Spiel?

Lahm: Es gibt natürlich einen Unterschied. Eine WM ist immer etwas Besonderes. Sie findet nur alle vier Jahre statt. Das ganze Land steht hinter dir und fiebert mit. Millionen von Zuschauern auf der ganzen Welt verfolgen die Spiele am Fernseher. Da bekommt man nach so vielen Jahren im Geschäft auch noch eine Gänsehaut. Sobald das Spiel aber läuft, ist das vorbei. Da haben selbst die Vuvuzelas in Südafrika nichts ausrichten können.

War es für Sie und damit auch für die deutschen Fußball-Frauen als Teamsportlerinnen ein Vorteil, dass der Druck - und auch die Favoritenrolle - auf elf Sportlerinnen verteilt ist?

Lahm: Bei der WM 2006 sind wir sicherlich nicht als Favorit ins Turnier gegangen. Nur wenige trauten uns zu, soweit zu kommen und eine solche WM zu spielen. Als Fußballer gibst du dein Bestes, erfüllst deine Aufgabe und die Rolle, die der Trainer zugeteilt hat. Wichtig ist, dass man immer mit Leidenschaft und Spaß bei der Sache ist und es ist sicher von Vorteil, sich einer Aufgabe als Gruppe zu stellen.

Verfolgen Sie die Frauen-WM? Trauen Sie der deutschen Mannschaft die Titelverteidigung zu?

Lahm: Ich habe jetzt nicht geplant, dass ich ins Stadion gehe. Es ist zeitlich schwierig aufgrund von Urlaub und Saisonvorbereitung. Aber natürlich verfolge ich die WM und ich traue dem deutschen Team den Titel zu.

Glauben Sie an einen ähnlichen Hype wie 2006, an ein zweites Sommermärchen?

Lahm: So etwas ist nur schwierig zu wiederholen, daher glaube ich nicht, dass der Hype so ausfallen wird wie damals bei der WM 2006. Ich bin aber überzeugt davon, dass der Frauenfußball sehr stark davon profitieren wird.

dapd

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