Lahm: Barça und Real immer noch Topfavoriten

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Trotz der Glanzleistung gegen Basel sehen sich die Bayern nicht in der Favoritenrolle.

München - Der FC Bayern sieht sich auch nach der Gala gegen den FC Basel nicht als ersten Anwärter auf den Champions-League-Titel.

Favorit? Bayern München? Uli Hoeneß wurde fast ein bisschen sauer. „Schauen sie mal auf die Liste der Mannschaften, die noch kommen. Da kann man doch nicht vom Endspiel sprechen“, sagte der Präsident nach der 7:0 (3:0)-Gala des Fußball-Rekordmeisters im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Basel. Und überhaupt: „14 Tage lang waren die Spieler Bratwürste, jetzt sollen sie Superstars sein!“ Hoeneß ging das alles viel zu schnell.

Sieben Tore als Kampfansage an Europas Spitzenteams, spielerische Brillanz a la FC Barcelona und mit Vierfach-Torschütze Mario Gomez einen Top-Torjäger auf den Spuren von Lionel Messi: Das sollten eigentlich genug Argumente für den FC Bayern sein, um offen vom Triumph im Heim-Finale in der Champions League am 19. Mai zu träumen. Zumal bei der Auslosung der Viertel- und Halbfinals am Freitag in Nyon mit etwas Losglück Außenseiter wie APOEL Nikosia, Benfica Lissabon oder Olympique Marseille gezogen werden könnten.

„Man hat gesehen, dass wir eine Mannschaft auseinandernehmen können“, sagte Philipp Lahm nach dem höchsten Sieg der Bayern in der Champions League zwar stolz. Aber auch der Kapitän betonte, „dass die Top-Favoriten immer noch Barcelona und Real Madrid sind. Es wäre schön, wenn wir denen aus dem Weg gehen könnten.“

Auch Hoeneß stapelte tief: „Da kommt Barcelona, da kommt Real, vielleicht der AC Mailand. Da sind Mannschaften dabei, die sind allererste Sahne. Und wenn du denen nicht in Topform begegnest, hast du keine Chance. Die haben jetzt keine Angst vor uns.“

Einmal in Fahrt, griff der Ober-Bayer erneut die an, die er für die seiner Meinung nach voreiligen Hymnen verantwortlich machte - die Medien. Nach guten Spielen rückten die den FC Bayern in die Nähe von Europas Fußball-Krone, schimpfte er, nach schlechten forderten sie den Kopf von Trainer Jupp Heynckes. „Dieses Auf und Ab, das kotzt mich an. Den Trainer habt ihr fertiggemacht, jetzt könnt ihr euch bei ihm entschuldigen!“, warf er Reportern an den Kopf. Heynckes selbst wollte davon nichts wissen. Ob er nach Wochen der Kritik Genugtuung verspürt? „Sowas liegt mir vollständig fern! „, sagte er kopfschüttelnd.

Bayern-Trauma: Das Finale der Champions League 1999

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Der Trainer lenkte den Fokus lieber auf die Mannschaft. „Sehr clever, sehr ruhig, sehr geschickt und durchdacht“ habe diese Fußball zelebriert. Vier der teils überragend herausgespielten Angriffe schloss Gomez ab (44./50./61./67.), der als erster Deutscher vier Tore in einem Champions-League-Spiel schoss. Nur Messi mit seinem Fünferpack gegen Leverkusen steht noch über Gomez, der zudem den Rekord des schnellsten Vierers in der Königsklasse (24 Minuten) einstellte. „Das waren Treffer, die macht nicht jeder“, lobte Heynckes, „da waren zum Teil sehr schwere Situationen dabei. Er hat das super gemacht.“

Gomez ließ das Schwere einfach aussehen, ragte aus einem starken Quartett im Angriff mit Doppel-Torschütze Arjen Robben (10./81.), dem einmal erfolgreichen Thomas Müller (42.) und dem dreimaligen Gomez-Assistenten Franck Ribery heraus. Gomez nahm die Elogen duldsam hin.

„Dafür kriege ich wieder um die Ohren, wenn ich mal nicht treffe“, sagte er. Einer müsse die Dribblings von „Robbery“ halt abschließen, dafür werde er bezahlt. „Das sind Weltklassespieler. Wenn sie so spielen wie heute, kann sie kein Spieler der Welt stoppen.“ Also auch nicht die Außenverteidiger von Barca oder Real, Herr Hoeneß.

Doch auch Gomez stellte sich in die Reihe der Tiefstapler. „Wir haben noch nichts erreicht“, sagte er. In der Bundesliga hinkt der FC Bayern nicht nur eigenen Ansprüchen, sondern auch Borussia Dortmund hinterher, weshalb der Torjäger für die nächste Aufgabe bei Hertha BSC Berlin forderte, „dass wir da so weitermachen. Unser großes Ziel ist es, das auf auswärts zu übertragen. Da haben wir schon viel zu viele Punkte liegen lassen.“ Auch Hoeneß hofft, dass der „Rausch“, wie er es nannte, möglichst in die Hauptstadt mitgenommen wird.

Ein bisschen ärgerte sich der Präsident aber auch über die Mannschaft. Die müsse wohl erst „mit dem Rücken zur Wand stehen“, um Leistungen wie gegen den Schweizer Meister und beim 7:1 gegen 1899 Hoffenheim zu zeigen, monierte er: „Sie sind endlich mal wieder gelaufen, vorher hat jeder einen Schritt weniger gemacht.“

Wegen der andauernden Leistungsschwankungen sind sie sich in München noch immer nicht sicher, wo ihre Mannschaft im Vergleich mit der Spitze steht. Deshalb, meinte Hoeneß, sei es das Gebot der Stunde, „realistisch“ zu sein. Der Euphorie könne er „nicht viel abgewinnen“.

Heiko Vogel , gedemütigter Trainer des FC Basel, fand das etwas albern. Wenn der FC Bayern „seine Offensiv-Power“ so einsetze wie gegen seine Mannschaft, betonte er, „kann er sich seinen Traum erfüllen, den Champions-League-Titel im eigenen Stadion zu holen.“ In der aktuellen Form, meinte Vogel wie zahlreiche Experten an diesem denkwürdigen Abend, und „mit dieser Brillanz“ brauche der FC Bayern „keinen Gegner fürchten“. Auch nicht Madrid. Und nicht einmal Barcelona.

SID

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