Pipi-Probleme: Kuranyi verpasst Heimflug

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Kevin Kuranyi

Stuttgart - Kevin Kuranyi hat nach der 0:2-Niederlage von Dynamo Moskau beim VfB Stuttgart eine zusätzliche Nacht in der alten Heimat verbracht.

Da saßen sie nun, der Europacup-Held Vedad Ibisevic und der traurige Kevin Kuranyi, im Anti-Doping-Raum der Stuttgarter Arena. Das Play-off-Hinspiel in der Europa League, das Ibisevics VfB Stuttgart dank zweier Treffer des Bosniers 2:0 (0:0) gegen Kuranyis Dynamo Moskau gewonnen hatte, war schon seit fast eineinhalb Stunden zu Ende. Doch Ibisevic und Kuranyi konnten einfach nicht.

Nach ein paar Energie-Drinks und ein bisschen Smalltalk hatte Kuranyi sein Ziel erreicht: Der Dynamo-Mannschaftsbus war ohne den Kapitän gestartet. „Ich wollte ein bisschen länger brauchen“, sagte der ehemalige Stuttgarter augenzwinkernd, „jetzt ist die Mannschaft leider ohne mich zurück nach Moskau geflogen.“ Kuranyi durfte in der alten Heimat übernachten und sich „die Wade massieren lassen“, wie er vergnügt erzählte.

Besagte Wade hatte einen Schlag abbekommen, Kuranyi daraufhin Krämpfe erlitten und das Spielfeld vorzeitig (75.) verlassen müssen. Es passte zur schmerzhaften Rückkehr des 30-Jährigen, der aber noch auf die Wende hofft. „Jetzt ruhe ich mich aus, am Wochenende bin ich eh gesperrt. Und dann schieße ich am Dienstag zwei Tore gegen Stuttgart“, sagte er schmunzelnd. Dann gastiert der VfB zum Rückspiel in der russischen Hauptstadt.

Doch dass sich die Schwaben um Doppel-Torschütze Ibisevic den Einzug in die Gruppenphase noch nehmen lassen, glaubt kaum einer. „Das wird noch einmal ein heißer Tanz“, sagte Coach Bruno Labbadia zwar und verwies auf die „Klasse“ des Gegners. Diese hatten Kuranyi und Co. allerdings gegen einen geduldigen und konzentrierten VfB nie gezeigt. „Das war sehr harte Arbeit“, betonte Ibisevic. Grüne und braune Flecken auf seiner weißen Hose bestätigten diese Aussage.

„Leer“ und „kaputt“ fühle er sich nach über 90 kräftezehrenden Minuten, meinte Ibisevic, und dennoch umspielte ein zartes Lächeln seine Mundwinkel, als er auf seine Debüt zu sprechen kam. Für den 28-Jährigen war es tatsächlich das erste Spiel im Europacup, und es war „ein toller Einstand“, wie Labbadia lobte. Dabei fand der Coach, „dass er gar nicht so gut im Spiel war. Es war schwierig für ihn, die Räume waren sehr eng.“

Als Moskau „angeschlagen, aber noch nicht tot“ war, wie es Sportdirektor Fredi Bobic umschrieb, stach Ibisevic zu. Für 4,5 Millionen Euro hat Bobic Ibisevic im Winter aus Hoffenheim geholt. Und nach allem, was sich bisher sagen lässt, könnte der teure Deal für die Schwaben eine Art Königstransfer gewesen sein. „Ich wollte nicht, dass es bei zwei Spielen bleibt“, sagte Ibisevic über seine Europacup-Premiere.

Dank ihm und einer überzeugenden Teamleistung darf Stuttgart mit mindestens sechs weiteren Begegnungen planen. Außerdem machte das Spiel Hoffnung auf einen gelungenen Bundesliga-Auftakt gegen den VfL Wolfsburg am Samstag (20.45 Uhr/Sky und Liga total!), zumal Kapitän Serdar Tasci trotz eines gegen Moskau erlittenen Mittelhandbruchs zur Verfügung steht. „Das wird wieder ein schwieriger Gegner, der sehr hohe Ziele hat. Wir müssen Gas geben“, sagte Ibisevic über den VfL. Bobic aber sieht Stuttgart „auf den Punkt fit“.

Das Gegenteil gilt für Moskau, Tabellenletzter der Premier Liga. „Ich sage schon lange, dass wir in der Vorbereitung nicht hart genug gearbeitet haben“, sagte Kuranyi. Trainer Dan Petrescu, seit Montag im Amt, kritisierte vor allem den ehemaligen Bundesliga-Profi Zvjezdan Misimovic, den er nach 38 Minuten vom Feld genommen hatte. „Er kann mehr. Er muss verstehen: Wenn er Fußball spielen will, muss er härter arbeiten. Tut er es nicht, kann er nicht Fußball spielen.“ Außerdem hoffe er, dass wir schnell neue Spieler dazubekommen.

Der erste „Neue“ wurde noch am Donnerstag aus Stuttgart erwartet: Ein frisch massierter Kevin Kuranyi.

sid

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