"Typisch: Frauen und Fußball"

Kuntz: Peinlicher Spruch wegen Bayern-Los

+
Stefan Kuntz (l.) mit Trainer Kosta Runjaic.

Leverkusen - Erst ein strahlender Sieger, dann ein ganz schlechter Verlierer: Kaiserslauterns Vorstandsboss Stefan Kuntz hat sich am Mittwoch mächtig blamiert.

Nachdem sich der 51-Jährige gerade noch über den überraschenden Halbfinal-Einzug des Pokalsiegers von 1990 und 1996 sowie Zusatzeinnahmen von rund zwei Millionen Euro für den klammen Zweitligisten gefreut hatte, leistete sich der 51-Jährige vor laufenden TV-Kameras einen peinlichen Fauxpas. Minuten zuvor war ausgelost worden, dass der FCK zu Titelverteidiger und Topfavorit Bayern München reisen muss.

Kirsten Bruhn.

„Bei Hansi und Mehmet hatte ich gedacht, da kann nichts schiefgehen“, sagte Kuntz zunächst ganz nüchtern zur Auslosung durch Glücksfee Kirsten Bruhn, ehe er mit Blick auf den mehrfache Paralympics-Siegerin anfügte: „Typisch: Frauen und Fußball. Toll. Wir freuen uns. Schönen Dank.“

Moderator Reinhold Beckmann, Experte Mehmet Scholl und Bundestrainer-Assistent Hansi Flick waren perplex, machten aber gute Miene zum bösen Spiel. Beckmann versuchte, die Wogen zu glätten: „Wer beim Tabellenzweiten gewonnen hat, der kann doch auch beim Ersten...“ Kuntz fand's gar nicht witzig und fragte: „Wie willst du denn bitte aus dem Satz wieder rauskommen?“

Auf dem Rasen waren alle über Ruben Yttergard Jenssen hergefallen: Der kleine Norweger wurde zum großen pfälzischen Cup-Helden. „Unglaublich. Das ist ein super Gefühl“, entfuhr es dem abgezockt-coolen Schützen nach dem Siegtor in der 114. Minute zum 1:0 nach Verlängerung beim hohen Favoriten Bayer Leverkusen. Mit seinem zweiten Pflichtspieltreffer für den FCK machte es der 25-Jährige möglich: Der Underdog steht als einziger Zweitligist in der Vorschlussrunde. Und - logisch: „Wir träumen vom Finale“, ließ Jenssen wissen.

Das dürfen sie auch; sehr wahrscheinlich aber nur bis zum Duell gegen die Bayern am 15. oder 16. April. „Ein tolles Los“, schob Kuntz als Kommentar hinterher, erinnerte aber politisch unkorrekt daran, dass in Bundestrainerin Silvia Neid ebenfalls eine Frau das schwere Leverkusen-Los gezogen hatte. Immerhin ist es schon jetzt ein Trost, dass der Coup von Leverkusen noch einmal mehr als 1,5 Millionen Euro in die nicht sonderlich üppig gefüllte Kasse des Tabellendritten der 2. Liga spülen wird.

Den Profis von FCK-Coach Kosta Runjaic war's erstmal egal. Sie wollten den wunderbaren Abend und die Heimfahrt in die Pfalz einfach nur genießen. Rechtsverteidiger Florian Dick sehnte sich nach einem kräftigen Gewinner-Trunk: „Ein Bier? Ich hoffe, es gibt einen ganzen Kasten.“

Den hatten sie sich verdient. Wie sie vor den 25 244 Besuchern beim Champions-League-Achtelfinalisten auftraten und sogar den von Mohamadou Idrissou verschossenen Foulelfmeter (98.) wegsteckten, nötigte größten Respekt ab und machte Lust auf Mehr. Sogar Matthias Sammer warnte: „Man muss vor dem FCK auf der Hut sein“, sagte der Bayern-Sportvorstand in der ARD.

Runjaic indes machte eines klar: Die „Bonus-Spiele“ im Pokal sind kein Alltag. Priorität hat allein die Erstliga-Rückkehr. „Den Spagat müssen wir hinkriegen“, sagte Kuntz vor der kommenden Zweitliga-Aufgabe bei Erzgebirge Aue am Montag. Aber, so hielt Kuntz es fest: „Wir haben Bundesliga-Charakter gezeigt.“

Die Lauterer waren obenauf, die Bayer-Kicker restlos bedient. „Das war die mit Abstand schlechteste Leistung in dieser Saison. Das war gar nichts. Keine spielerischen Elemente, ich habe keine Erklärung“, meinte Simon Rolfes. Und der Kapitän legte verbal nach: „Die Grundtugenden haben gefehlt. Das hat selbst der Blinde unter den Einäugigen gesehen.“

Jetzt werde es „ganz schwer“ nach der vierten Niederlage in den zurückliegenden sechs Auftritten. Bayer-Geschäftsführer Michael Schade: „Das war miserabel und tut sehr weh für die folgenden Spiele.“ Am Samstag, in der Liga gegen Schalke, und am Dienstag im Königsklassen-Achtelfinalhinspiel gegen Paris St. Germain, droht weiteres Ungemach.

„Das war der richtige Schuss vor den Bug“, sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler und forderte seine Profis ultimativ auf, „schnell die Kurve zu kriegen“. Chefcoach Sami Hyypiä vermutet aktuell psychische Probleme bei den Spielern, die alle Pokaltugenden wie Zweikampfhärte oder restloses Sich-Aufbäumen vermissen ließen. „Ich weiß nur, dass wir es viel besser können. Es muss etwas im mentalen Bereich sein“ - ansonsten hatte der Finne keine Erklärung für die leblose Darbietung seiner Elf.

sid/dpa

Kuschel-Kicker: Erkennen Sie diese Bayern-Stars?

Kuschel-Kicker: Erkennen Sie diese Bayern-Stars?

Kommentare