Bayern will Vollgas geben

Guardiola: "Wir müssen das Hinspiel vergessen"

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Pep Guardiola bei der Pressekonferenz.

München - Nur verwalten? Auf keinen Fall! Pep Guardiola will gegen Arsenal nicht nur auf Zeit spielen. Toni Kroos sieht das Rückspiel der Vorsaison als Warnung.

Die Konzentration gilt dem FC Arsenal, die Gedanken sind bei Uli Hoeneß: Die Stars von Bayern München wollen im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) gegen den FC Arsenal auch für ihren Präsidenten spielen, dessen angestammter Platz in der Arena diesmal wohl leer bleiben wird. „Uli Hoeneß ist die wichtigste Person in diesem Verein. Die beste Hilfe für ihn von uns ist, dass wir gewinnen“, sagte Trainer Pep Guardiola am Montag.

Negative Auswirkungen durch den aktuellen Steuerprozess, der den Verein in Atem hält, befürchtet beim Triple-Sieger nach dem 2:0 im Hinspiel bei den Gunners vor drei Wochen niemand - auch wenn Franz Beckenbauer mutmaßte, dass die Partie „zweitrangig“ sei. „Natürlich verfolgen wir das. Aber wir sind alle Profis und können das ausblenden. Das will auch unser Präsident, dass wir uns auf das Spiel konzentrieren“, sagte Nationalspieler Toni Kroos.

Die Mannschaft habe „auch letztes Jahr gezeigt, dass sie sich auf das Wesentliche konzentrieren kann - und das ist der Fußball. Deshalb sehe ich da kein Problem“, betonte Kapitän Philipp Lahm. Und Thomas Müller fügte an: „Wenn der Anpfiff erfolgt, hat man sowieso keine anderen Gedanken, als Tore zu schießen.“

Sportlich hat Guardiola („Uli ist ein Freund und wird es immer bleiben“) ohnehin andere Sorgen - und die sind purer Luxus. Erstmals in dieser Saison kann der Bayern-Coach bis auf den langzeitverletzten Holger Badstuber auf alle Profis zurückgreifen.

Guardiola verteidigt Sammer

Nach den Aufregern vom Wochenende hat Guardiola seinen Sportvorstand Matthias Sammer verteidigt. Dieser hatte jüngst die Trainingsarbeit der nationalen Konkurrenten infrage gestellt und damit für Wirbel in der Bundesliga gesorgt. Dortmunds Coach Jürgen Klopp etwa zweifelte an, dass die Münchner durch Sammer erfolgreicher geworden sind. Guardiola sagte nun am Montag, man könne sich die herausragende Rolle des früheren Nationalspielers gar nicht vorstellen. „Er ist sehr wichtig für mich“, unterstrich der Spanier.

Sammer sei „eine ruhige Person, er analysiert was in den wichtigen Momenten in der Kabine und in der Mannschaft passiert“. Guardiola erinnerte daran, dass der Sportvorstand erst im zweiten Jahr bei den Bayern sei und zugleich an die Erfolge in dieser Zeit.

Härtefälle bei Bayern-Aufstellung

Einige Härtefälle bei 17 Nationalspielern im Kader sind programmiert. So droht Bastian Schweinsteiger, Mario Götze, Javi Martinez und Mario Mandzukic die Bank. Aber auch Toni Kroos, Dante, als einziger Bayern-Profi mit zwei Gelben Karten belastet, Thomas Müller, Rafinha oder Jerome Boateng könnte es treffen. „In solchen Spielen will man unbedingt von Anfang an spielen. Es sind viele Varianten möglich. Lassen wir uns überraschen“, sagte Müller.

Keine Überraschung will der Bundesliga-Dominator dagegen beim Ergebnis erleben. Im vergangenen Jahr hatten die Bayern einen 3: 1-Vorsprung gegen Arsenal beim 0:2 zu Hause fast noch verspielt. „Wir haben eine Lektion gelernt, das ist eine gute Warnung. Ich gehe nicht davon aus, dass wir wieder 2:0 verlieren“, unterstrich Müller.

Die Schwere der Aufgabe in der Fußball-Königsklasse, als erstes Team überhaupt seinen Titel zu verteidigen, ist dem Stürmer bewusst. Auf die Frage nach einen Angstgegner meinte er in typischer Müller-Art: „Respekt haben wir vor jedem Gegner, der noch in der Champions League ist. Ich bin gut erzogen, ich habe Respekt gelernt“.

So gefällt das Guardiola, der vor dem Spiel um den Viertelfinaleinzug und damit verbunden weitere 3,9 Millionen Euro Einnahmen durch die UEFA die gegnerische Elf von Trainer Arséne Wenger überschwänglich lobte - verbunden mit der Warnung an seine Schützlinge, den Gästen auf keinen Fall die Kontrolle über das Spiel zu überlassen. „Wenn die den Ball haben, kann mit diesen Mittelfeldspielern alles passieren!“

Guardiola kam regelrecht ins Schwärmen, als er die Kreativabteilung der Gunners um Mikel Arteta, Santi Cazorla und auch Mesut Özil aufzählte. Der Deutsche war vor drei Wochen zur tragischen Figur geworden, als er einen Foulelfmeter verschoss und zum Gespött in England wurde. „Aber er ist immer in der Lage, irgendwo eine entscheidende Aktion zu haben“, erinnerte DFB-Auswahlkollege Kroos. „Wichtig für uns ist, ihn und auch andere individuell starke Spieler in den Griff zu bekommen, so wie im Hinspiel. Das ist unser Ziel.“

Die Engländer reisen zwar gestärkt durch einen 4:1-Sieg im FA Cup gegen Everton, zugleich aber mit personellen Sorgen nach Bayern: Torhüter Wojciech Szczesny ist nach seiner Roten Karte gesperrt und wird von Lukasz Fabianski ersetzt. Jack Wilshere verletzte sich jüngst bei der Nationalmannschaft, Theo Walcott fehlt schon länger. Bei den Bayern ist nur Dante gelb-vorbelastet.

Das Selbstvertrauen in London hält sich in Grenzen. Verteidiger Per Mertesacker sprach von einem „ganz brutalen Programm“, das Arsenal derzeit durchlaufe. Die Münchner Rekordtruppe, die in der Champions League daheim noch nie mit mehr als zwei Toren Differenz verloren hat, kommt ungelegen. „Wir haben keine andere Wahl, wir müssen uns den Bayern stellen. Die Frage ist, ob sich die Bayern nach unserem 2:0 im vergangenen Jahr noch einmal von uns überraschen lassen.“

Guardiola warnte eindringlich vor Arsenal. „Wir müssen dieses Spiel gewinnen, wir müssen das Hinspiel vergessen. Wenn wir das Ergebnis verwalten wollen und Arsenal ins Spiel kommen lassen, werden wir große Probleme bekommen und scheitern“, sagte der Spanier.

Doch daran denkt in München keiner. „Wir haben ein Selbstverständnis entwickelt. Wir werden uns auch nicht aufhalten lassen“, betonte Kroos. Müller sprach von „großem Selbstvertrauen“. Dennoch zeichne es den FC Bayern momentan aus, „dass wir nicht leichtfertig sind. Dies widerspricht dem Charakter der Mannschaft“.

Derweil hofft Arsenals Teammanager Arsene Wenger auf eine Sensation. Die Gunners seien „bereit zu kämpfen. Wir brauchen drei Tore, aber auch wenn sie ein Tor erzielen, ändert das nichts. Wir müssen die Initiative ergreifen - und Tore schießen wollen“, sagte er.

Verzichten muss Wenger auf Jack Wilshere und auf den nach überstandener Verletzung noch nicht spielbereiten Aaron Ramsey. Zudem fehlt der gesperrte Torhüter Wojciech Szczesny.

sid/dpa

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