Krisenherd Borussia: Jetzt auch Zoff im Team

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Havard Nordveit vergrub sein Gesicht nach dem Spiel unter seinem Trikot.

Mönchengladbach  - Borussia Mönchengladbach kommt einfach nicht in Tritt. Sieben Pflichtspiele ohne Sieg, neun Gegentore in fünf Tagen - Trainer Favre steht vor der Partie gegen Frankfurt enorm unter Druck.

Mit leerem Blick und leiser Stimme rang Marc-Andre ter Stegen um Worte. „Das war eine Demütigung. Ich kann das nicht erklären“, sagte der Torhüter von Borussia Mönchengladbach nach der 2:4 (1:2)-Pleite gegen Fenerbahce Istanbul bei der Europa-League-Heimpremiere. Mehr als eine Stunde zuvor war der Schlussmann mit weit aufgerissenen Augen auf Granit Xhaka zugelaufen und hatte seinen Mitspieler angeschrien. Der Zwist hatte sich auf dem Weg in die Halbzeitpause fortgesetzt. Sportdirektor Max Eberl musste schlichten. Neben der sportlichen Krise mit sieben sieglosen Spielen in Serie ist auch die Harmonie in Gladbach dahin.

„Natürlich sollte ein Konflikt nicht auf dem Platz, sondern in der Kabine ausgetragen werden. Aber ich habe lieber eine Mannschaft, die lebt, als einen toten Haufen“, kommentierte Eberl die Auseinandersetzung seiner beiden jüngsten Profis. Trainer Lucien Favre fand das „nicht ungesund“. Doch im Team regten sich auch kritische Stimmen. „Das muss man abstellen. Das bringt nur noch Unruhe rein“, sagte Abwehrchef Martin Stranzl. Die beiden Spieler wollten sich nicht weiter äußern. Ter Stegen war offensichtlich sauer, weil Xhaka einen Freistoß verursacht hatte. „Wir haben das ausgeräumt“, erklärte der Schweizer später.

Diese ungewohnte Auseinandersetzung in einem Team, das in der Vorsaison von mannschaftlicher Geschlossenheit lebte, zeigt die derzeitige Verunsicherung und Unzufriedenheit. Neun Gegentreffer innerhalb von fünf Tagen haben auch am Nervenkostüm des jungen Gladbacher Torhüters gezerrt. Dabei starteten die Gastgeber nach dem Führungstreffer von Luuk de Jong (18.) eigentlich gut, fielen aber nach zwei Standardsituationen wieder auseinander. Erst traf Cristian per Freistoß zum Ausgleich, dann erzielte Raul Meireles nach einem Freistoß den Führungstreffer für den 18-maligen türkischen Meister.

„Auf diesem Niveau darf man diese Fehler nicht machen. Wir bezahlen das teuer“, meinte Favre, der in elf Pflichtspielen zehn verschiedene Startformationen präsentierte und am Donnerstag in Thorben Marx und Peniel Mlapa zwei Saison-Debütanten einsetzte. Nach der 3:1-Führung durch Dirk Kuijt war die Partie gelaufen, auch wenn Igor de Camargo noch der Anschlusstreffer gelang (74.). Erneut Cristian machte den ersten Sieg Fenerbahces gegen eine deutsche Mannschaft perfekt.

Ein Weiterkommen in der Gruppe C ist damit für den Bundesligaclub in weite Ferne gerückt. Olympique Marseille, nächster Heimspielgegner der Gladbacher, und Fenerbahce sind mit vier Punkten auf Kurs. Borussia steht mit nur einem Zähler hintendran. „Jetzt müssen wir in der Liga wieder in die Spur kommen und mal wieder zu Null spielen“, forderte Stranzl.

Gegen den bislang noch unbesiegten Aufsteiger Eintracht Frankfurt dürfen sich die Gladbacher am Sonntag keinen weiteren Ausrutscher leisten, sonst droht am Ende des Spieltags sogar ein Abstiegsplatz. „Es läuft im Moment sehr gut bei Frankfurt. Aber es ist ein anderer Wettbewerb und wird deshalb auch ein ganz anderes Spiel“, meinte Favre. Auf die Frage, ob seine Mannschaft in einer Krise sei, sagte der Borussen-Coach: „Die Sonne scheint im Moment nicht“.

dpa

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