Nur Mourinho bleibt Größenwahn treu

Krise trifft auch spanische Liga

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Wenigstens Jose Mourinho ist der Alte

Madrid/Frankfurt - Sparen statt Protzen: Wenn am Samstag die neue Saison in Spanien angepfiffen wird, dann beginnt so etwas wie eine neue Zeitrechnung.

Die Vereine der Primera Division drückt ein Schuldenberg von insgesamt 3,5 Milliarden Euro. Die europäische Wirtschaftskrise macht auch vor dem liebsten Kind der fußballverrückten Iberer nicht halt. Allein mit 750 Millionen Euro stehen die Klubs bei der Steuerbehörde in der Kreide.

Kein Wunder, dass selbst Rekordmeister und Titelverteidiger Real Madrid sowie Herausforderer FC Barcelona mit Neuzugängen geizten. Kein Geld mehr für Königstransfers. Zumindest Jose Mourinho scheint dem Größenwahn aber auch nach dem Ende der goldenen Investitionszeiten treu zu bleiben.

Der Startrainer von Real will fortan „The Only One“ (der Einzigartige) und nicht mehr bloß „The Special One“ (der Besondere) genannt werden. „Ihr könnt mich mögen oder nicht, aber ich bin der Einzige, der den Titel in den drei wichtigsten Ligen gewonnen hat“, begründete Mourinho seinen Wunsch nach Veränderung. Vor dem Meisterstück mit den Königlichen um Mesut Özil und Sami Khedira hatte der 49-jährige Portugiese bereits Inter Mailand in der Serie A und den FC Chelsea in der Premier League nach ganz oben geführt.

Und Nationalspieler Özil ist vor seiner dritten Saison in Madrid optimistisch, dass der Siegeszug unter Mourinho anhält - auch ohne frisches namhaftes Blut. „Die Meisterschaft hat uns noch stärker gemacht. Und wir sind auch noch besser eingespielt“, sagte der 23-Jährige der Sport Bild und schickte eine Kampfansage an den Erzrivalen Barca hinterher: „Das Ziel bei Real Madrid ist immer gleich: Möglichst viele Titel zu gewinnen. Ein Team mit unseren Ansprüchen kann nicht Platz zwei als Ziel ausgeben.“ Der große Traum bleibt der Triumph in der Champions League.

Mourinho setzt dabei besonders auf Özils Nationalmannschafts-Kollegen Khedira. „Es gibt auf seiner Position keinen Besseren auf der Welt“, lobte der Real-Coach den Ex-Stuttgarter, der mit seiner Mannschaft am Sonntagabend mit einem Heimspiel gegen den FC Valencia in die Saison startet. Der Klub von der Mittelmeerküste, der unter anderem den ehemaligen Bundesligaprofi Nelson Valdez verpflichtete, gilt als „best of the rest“ hinter dem unangefochtenen Duo aus Madrid und Barcelona. Valencia war in den vergangenen drei Jahren jeweils Dritter geworden.

Schlechter Verlierer: Die Skandale und Eskapaden des José Mourinho

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Barcelona mit Weltfußballer Lionel Messi will nach der Demütigung der vergangenen Runde, als die Katalanen mit einem Neun-Punkt-Rückstand auf Real nur „Vize“ wurden, angreifen. Erfolgsgarant soll neben der argentinischen Tormaschine der neue Trainer Tito Vilanova werden. Der 43-Jährige hat Erfolgscoach Josep Guardiola abgelöst, dem er bis dato als Assistent zur Seite gestanden hatte.

Im direkten Vergleich mit Mourinho feierte Vilanova jüngst schon einen moralischen Sieg. Mit einjähriger Verspätung entschuldigte sich der Portugiese für seine Augenstecher-Attacke. Er hatte den damaligen Barca-Co Vilanova bei der 2:3-Niederlage im Supercup-Rückspiel am 17. August 2011 in Barcelona am Spielfeldrand seinen Finger ins Auge gebohrt. Vilanova hatte sich damals mit einem Schlag an Mourinhos Hinterkopf revanchiert.

Aufgeheizt ist die Stimmung auch an anderen Front. Erst kurz vor dem Saisonstart konnte ein Streik abgewendet werden. 13 Klubs, zu denen neben Europa-League-Gewinner Atletico Madrid auch Athletic Bilbao, Espanyol Barcelona oder der FC Sevilla gehörten, hatten wegen Dissonanzen über die TV-Vermarktung sowie die Anstoßzeiten mit einem Boykott gedroht.

Die Vereine hatten in puncto Spielplan eine Bevorzugung der Spitzenklubs beklagt. Dass Spiele in der Primera Division fortan auch um 23.00 Uhr angepfiffen werden, sorgt jetzt für Zündstoff. „Das ist zu spät, auch für die Fans“, sagte der Ex-Hamburger Piotr Trochowski (FC Sevilla) dem kicker.

sid

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