Krawall-"Fans" noch vor Abpfiff geflüchtet

Bobic: "Man muss sie wegsperren"

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"20 bis 30 Idioten schaffen es, den Fußball in Verruf zu bringen", schimpfte Fredi Bobic

Kopenhagen - Der VfB Stuttgart hat das Weiterkommen in der Europa League wieder selbst in der Hand. Ein paar Krawallmacher trübten das Bild. Dem Bundesligisten droht eine saftige Strafe durch die UEFA.

Die erste Zigarette danach im langen Schatten des nagelneuen Mannschaftsbusses hatte sich Fredi Bobic durchaus verdient. Denn dass der VfB Stuttgart mit einem hart erkämpften 2:0 (0:0)-Sieg beim FC Kopenhagen seine Chancen auf das Überwintern in der Europa League wahrte, war auch dem couragierten Einsatz des VfB-Sportdirektors zu verdanken.

Unerschrocken trat der Ex-Nationalspieler kurz vor Ende der ersten Halbzeit randalierenden Fans entgegen und verhinderte im Zusammenwirken mit Trainer Bruno Labbadia und Mannschaftskapitän Serdar Tasci einen durchaus möglichen Spielabbruch. So aber pfiff Schiedsrichter Craig Thomson aus Schottland die Partie nach vierminütiger Zwangspause wieder an, es flogen keine Pyros und Böller mehr.

„In Eins-gegen-Eins-Situationen traue ich mir immer noch alles zu“, sagte der mittlerweile 41-Jährige mit einem Augenzwinkern, doch eigentlich war Bobic gar nicht zu Scherzen aufgelegt: „Das waren aggressive Vermummte, die bei uns längst Stadionverbot haben. Aber sie sind das eine Prozent, das die 99 Prozent, die uns friedlich unterstützen, in Misskredit bringt.“ Die Europäische Fußball-Union (UEFA) wird wohl ein Ermittlungsverfahren einleiten. Am Freitagmittag teilte der Verband auf SID-Anfrage mit, man werte noch Bilder aus.

„20 bis 30 Idioten schaffen es, den Fußball in Verruf zu bringen“, schimpfte Bobic. „Wir werden das genau aufarbeiten, unabhängig vom Urteil der UEFA.“

Nicht einmal die VfB-Fanbeauftragten kannten die Krawallmacher, die sogar von anderen Anhängern entschieden zum Aufhören aufgefordert und attackiert wurden. Noch vor dem Abpfiff verschwanden die Hooligans. „Das ist nur eine Minderheit“, meinte Labbadia, der von ansonst „fantastischen Fans“ sprach. Er, Bobic und Kapitän Serdar Tasci seien während der Unterbrechung zum VfB-Block gegangen, weil „wir Bedenken hatten, dass da was passieren kann“.

Die 2000 mitgereisten Anhänger der Schwaben dürfen nach dem ersten Sieg im vierten Spiel der Vorrundengruppe E darauf hoffen, dass die Europatournee des Bundesliga-Zehnten nicht schon im Dezember zu Ende geht. „Wir sind jetzt Tabellenzweiter und haben zum Glück alles wieder selbst in der Hand“, sagte Mittelfeldspieler Christian Gentner.

Der verdiente Erfolg beim dänischen Pokalsieger war zwar schon das siebte Pflichtspiel nacheinander ohne Niederlage, dennoch hatten die Gäste vor 24.681 Zuschauern im „Parken“ insbesondere in ersten Halbzeit so manche kritische Situation zu überstehen. Labbadia: „Wir haben nicht viel zugelassen, aber was dann aufs Tor kam, war brandgefährlich.“

Doch Torhüter Sven Ulreich hielt sein Team mehrfach mit guten Reflexen im Spiel, in der Schlussphase zahlte dann die Offensivabteilung der Stuttgarter mit Toren zurück. In der 76. Minute nickte Torjäger Vedad Ibisevic eine Flanke des zwölf Minuten zuvor eingewechselten Arthur Boka schulmäßig ein. Der Österreicher Martin Harnik schloss in der Nachspielzeit eine Einzelaktionen mit einem sehenswerten Schuss in den Torwinkel ab.

„Wir haben hier überlebt, und das muss man erst mal schaffen“, sagte William Kvist. Wohl niemand hätte dieses Resultat besser einordnen können als der Däne, der sieben Jahre lang das Trikot der Skandinavier trug und der vor Spielbeginn trotz seines Wechsels in die Bundesliga im vergangenen Jahr von den Kopenhagener Zuschauern mit stürmischem Beifall gefeiert wurde. Ganz ohne Pyros und Böller übrigens.

Bobic will gegen die Chaoten unter den eigenen Fans rigoros vorgehen. „Man muss sie gnadenlos bekämpfen und aus dem Verkehr ziehen“, sagte er am Freitag. „Man muss sie wegsperren.“ Bobic sieht jedoch nur eine eingeschränkte Handhabe gegen die Randalierer: „Du kommst kaum an die ran.“ Sie seien nur schwer zu identifizieren.

Der VfB-Sportdirektor warnte zugleich vor übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen: „Wenn es soweit kommt wie am Flughafen, dass wir durch Schleusen laufen müssen, dann hat der Fußball verloren.“

dpa/sid

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