Kolleginnen springen Birgit Prinz zur Seite

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Zwei Stürmer-Generationen: Birgit Prinz (l.) und Alexandra Popp.

Frankfurt - Die deutschen Fußballerinnen und WM-Organisationschefin Steffi Jones sind Birgit Prinz zur Seite gesprungen und haben die 33-Jährige gegen die zuletzt aufgekommene Kritik verteidigt.

Nachdem zuletzt bereits Torhüterin Nadine Angerer die Rekord-Nationalspielerin in Schutz genommen hatte, betonten nun auch Mittelfeldspielerin Melanie Behringer und Jones, wie wichtig Prinz während der WM für die Mannschaft sei.

„Ich finde es schade, dass Birgit immer gleich niedergemacht wird, wenn sie nicht ihr Tor schießt. Sie reißt so viele Löcher, zieht so viele Gegenspieler auf sich und verteilt wunderbar die Bälle“, sagte Behringer dem kicker. Ähnlich deutlich äußerte sich Jones über Prinz. „Es steht keinem zu, sie in dieser Form zu kritisieren. Sie zieht immer zwei, drei Spielerinnen auf sich. Sie ist eine fabelhafte Fußballerin“, sagte Jones im ZDF-Morgenmagazin: „Sie soll sich keinen Kopf machen.“

Diesen Rat scheint Prinz, die vor dem zweiten WM-Spiel am Donnerstagabend in Frankfurt/Main gegen Afrikameister Nigeria in diesem Jahr noch keinen Treffer im deutschen Trikot erzielt hatte, zu befolgen. Die dreimalige Weltfußballerin, die ihre internationale Karriere nach der WM beenden wird, hält nichts von der Debatte über ihre gesunkene Torquote.

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„Es ist immer dieselbe Diskussion. Dabei kommt es gar nicht darauf an, wer die Tore schießt, nur dass sie eine schießt“, sagte Prinz, die vor dem Nigeria-Spiel 128 Tore in 213 Länderspielen erzielt hatte, der Süddeutschen Zeitung: „Meine Rolle ist es längst nicht mehr, ständig die Dinger reinzumachen.“

Prinz hatte zuletzt auch nicht mehr 90 Minuten Zeit für einen Treffer, da sie von Bundestrainerin Silvia Neid zumeist ausgewechselt wurde. „Natürlich will ich immer ein Spiel durchspielen. Aber wenn die Trainerin etwas anderes vorhat, wird sie schon wissen warum“, kommentierte die Offensivspielerin ihre Rolle als Teilzeitkraft.

Der frühere Bundesligatrainer Hans-Jürgen Tritschoks, unter dem Prinz lange Jahre beim 1. FFC Frankfurt spielte, machte Neid für die durchwachsene Leistung von Prinz beim WM-Auftakt gegen Kanada (2:1) mitverantwortlich. „Man muss sich doch mal die Frage stellen, warum das Spiel an Birgit vorbeilief. Aber so, wie die Trainerin aufgestellt hat, war es schon von vornherein klar, dass es für sie kein gutes Spiel wird“, sagte Tritschoks dem Kölner Express: „Sie ist keine Spielerin für die Sturmspitze. Da raube ich ihr die Fähigkeiten. Birgit braucht Raum für ihr Spiel, sie muss von hinten kommend Tempo aufnehmen.“

Auch Dauer-Kritiker Bernd Schröder griff Neid im Hinblick auf Prinz an. Laut des Potsdamer Meistertrainers „würde man ein Denkmal beschädigen“, wenn man Prinz nun nicht mehr von Beginn an auflaufen lassen würde. „Da hätte Neid eher handeln müssen. Sie hätte Birgit weit vor der WM darauf vorbereiten müssen, dass sie möglicherweise nur als Einwechselspielerin agiert. Das hätte Birgit auch verstanden. Jetzt kommt das zu spät“, schrieb Schröder in seiner kicker-Kolumne.

sid

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