Fans blockieren Bus, Solbakken vor Rauswurf

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Kölner Fans blockieren am Samstagabend die Zufahrt zum Geißbockheim, um mit den Spielern des 1. FC Köln zu diskutieren.

Augsburg - Der spielerische Offenbarungseid bei der Pleite in Augsburg könnte Trainer Stale Solbakken den Job beim 1. FC Köln kosten. Fans blockierten mehrmals den Mannschaftsbus und stellten die Spieler wütend zur Rede.

Die Kölner Bankrotterklärung stürzte die Fans in Aufruhr und Trainer Stale Solbakken in Erklärungsnot. Beim 1:2 in Augsburg hatte sich der rheinländische Fußball-Bundesligist mit einer Null-Bock-Einstellung eindrucksvoll für den Abstieg beworben, hinterher wütete Geschäftsführer Claus Horstmann. “Ich kann das Gelaber der Spieler nicht mehr hören“, polterte der Kölner Boss, “das war ein Totalausfall der gesamten Mannschaft.“

Der beispiellose Offenbarungseid könnte schnelle Konsequenzen für Solbakken haben. Nach neun Monaten im Amt und dem Rutsch auf Relegationsplatz 16 steht der norwegische Coach vor dem Rauswurf. Horstmann betonte, “mit allen Kompetenzträgern die Situation zu besprechen“, um vor den restlichen sechs Spieltagen “die richtigen Entscheidungen zu treffen“. Nach dem öffentlichen Training um 11 Uhr waren diverse Krisengespräche angesetzt - mit offiziell offenem Ausgang. Am Sonntagvormittag aber deutete vieles auf ein Ende für Solbakken hin. “Es gilt nun, die definitiv richtige Entscheidung zu treffen“, analysierte Horstmann.

Der Coach selbst nahm den offenkundig lustlosen Auftritt seines Teams am Samstag mit blassem Gesichtsausdruck zur Kenntnis und fand klare Worte. “Ich habe nicht gesehen, dass alle wollen, dass wir in der 1. Bundesliga bleiben wollen“, monierte der 44-Jährige und nahm das Debakel auf seine Kappe: “Ich habe die Verantwortung für diese Leistung. Das war für mich nicht akzeptabel.“

Ähnlich sahen das die Kölner Anhänger. “Wir haben die Schnauze voll“, skandierten sie im Stadion, später machten Hunderte den Spielern die Heimreise zur Tortur. Auf dem Weg zum Flughafen stoppten sie den FC-Bus erstmals, später blockierten Anhänger verschiedener Fangruppen am Geißbockheim die Abfahrtswege, um die Spieler zur Rede zu stellen. Es kam zu Provokationen und Beschimpfungen, der tunesische Verteidiger Ammar Jemal bekam einen Schubser ab. Boss Horstmann machte seiner Wut im Mannschaftsbus weiter Luft. “Ihr seid keine Kerle. Das war eine Kapitulation“, giftete er nach Angaben der “Bild“-Zeitung in Richtung der enttäuschenden Spielerriege.

Für seinen womöglich letzten Lacher in Köln sorgte Solbakken noch am Samstagnachmittag, als während der Pressekonferenz das Handy klingelte. Seine Frau war dran. “Sie wollte wissen, ob ich morgen noch einen Job habe“, erzählte er - und konnte keine Antwort liefern.

Ohne Leidenschaft, Präsenz, Zweikampfhärte und Torchancen hatten sich die Rheinländer beim schwäbischen Aufsteiger FC Augsburg ihrem Schicksal ergeben. Die Partie hätte auch gut und gerne 4:1 oder 5:1 ausgehen können, stattdessen blieb es vor 30 660 Zuschauern in der ausverkauften Arena bei FCA-Treffern der starken Wolfsburger Leihgabe Ja-Cheol Koo (19.) und von Nando Rafael (45./Foulelfmeter).

“Augsburg hat uns vorgemacht, wie man sich präsentieren muss. Wir müssen uns was einfallen lassen“, meinte Torwart Michael Rensing. 25 Minuten nach Abpfiff stellte sich Lukas Podolski als erster Kölner in der Mixed-Zone, gefrustet meinte die Galionsfigur: “Wir kämpfen nicht!“ Dabei gehe es doch “um Existenzen im Verein“.

Ein ganzes Spiel lang blieben die Kölner Spieler bis auf das Strafstoß-Tor von Podolski (42.) zum 1:1 jegliches Bundesliga-Format schuldig. “Sie hatten heute die Möglichkeit, 90 Minuten auf dem Platz zu zeigen, dass sie alles tun, hier einen Punkt oder mehr zu holen. Aber das habe ich von überhaupt keinem Spieler gesehen, nur Michael Rensing hat ein paar hervorragende Paraden gezeigt“, sagte Horstmann. Nach dem Aus von Sportdirektor Volker Finke Mitte März tritt der Geschäftsführer verstärkt in Erscheinung.

“Unser Spiel war richtig schlecht und zeigt, dass einige nicht frei im Kopf sind“, monierte Mittelfeld-Abräumer Martin Lanig. Kapitän Geromel flüchtete sich derweil in Durchhalteparolen (“Wir müssen weitermachen und alles geben“). Ob die Mannschaft denn vielleicht gegen ihren Trainer gespielt habe, wurde der Brasilianer gefragt. Seine kleinlaute Antwort: “Nein, ich glaube nicht.“

Von Michael Brehme, dpa

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