Klose demütig: Der Bomber bleibt einmalig

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Miro Klose.

Dublin - Miroslav Klose wird wahrscheinlich den lange Zeit als unerreichbar geltenden Tor-Rekord des großen Gerd Müller knacken. Erstaunlicherweise muss er sich vor seinem 125. Länderspiel dafür rechtfertigen.

Woanders würde man Miroslav Klose wahrscheinlich ein Denkmal setzen. In Italien sind sie schon nah dran: Da küsste selbst ein Briefträger „Grande Miro“ nach dem Derby-Sieg mit Lazio Rom gegen den Rivalen AS ergeben die Füße. Für Deutschland dagegen hat der „ewige“ Torjäger Klose 64 Länderspieltore erzielt, er wird in Kürze wahrscheinlich den Rekord des großen Gerd Müller knacken - aber er muss sich rechtfertigen. Auch vor seinem 125. Länderspiel.

„Klose hat 80 Prozent seiner Tore gegen Liechtenstein und Co. erzielt, mindestens!“, ätzte Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß zuletzt in einem Spiegel-Interview, er meinte: Gerd Müller, Bomber der Nation, Weltmeister von 1974, Europameister 1972, wird auf ewig unerreichbar sein.

Oliver Bierhoff („abfällig“, „nicht gut“), Manager der Nationalmannschaft, sprang Klose vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland in Dublin am Freitag (20.45 Uhr MESZ/ZDF) dann auch gleich hilfreich zur Seite. Lustigerweise wäre das überhaupt nicht nötig gewesen. Denn nichts anderes als Uli Hoeneß hat der Angreifer immer erzählt. „Ich habe dem Bomber persönlich gesagt, dass ich mir nie anmaßen würde, an seiner Marke zu kratzen“, sagte Klose, „diese Marke wird immer die Nummer eins sein.“

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Ohnehin ist Miroslav Klose, der Müllers 68 Tore in nur 62 Länderspielen „magisch“ nennt, keiner der Menschen, denen Rekorde übermäßig viel bedeuten. Dafür ist er zu bodenständig, unaufgeregt, abgeklärt. Manchmal erscheint er fast langweilig. Viele können ihn vielleicht nicht mehr sehen. Aber er trifft, egal wo, und wenn mal eine längere Ladehemmung dabei ist, die gab es durchaus, trifft er anschließend wieder.

Es war der 24. März 2001, als Kloses Stern in der Nationalmannschaft zu leuchten begann, im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien erzielte er per Flugkopfball das Tor zum 2:1-Sieg. Drei Jahre zuvor hatte er noch für den pfälzischen Bezirksligisten SG Blaubach-Diedelkopf gekickt. Ein kleines Wunder. Und 2012, nach 123 weiteren Länderspielen, „schleppe ich meinen Kadaver immer noch durch“, wie er bei der EM sagte. Lukas Podolski hofft, dass „seine Knochen noch bis 2014 durchhalten“.

Das wäre auch gut so. Denn da Mario Gomez wegen einer Sprunggelenksverletzung seit dem 7. August außer Gefecht gesetzt ist, steht Bundestrainer Joachim Löw auch für den Quali-Doppelpack gegen Irland und Schweden genau ein gelernter Stürmer zur Verfügung - Miroslav Klose, inzwischen 34 Jahre alt.

„Ich selbst habe ja auch eine Entwicklung durchgemacht“, sagt Klose im Rückblick bescheiden. Er hätte ein Vergessener aus einer Zeit des Rumpelfußballs werden können, doch er hat stetig gelernt, immer wieder Konkurrenten ausgestochen. Bei der EM in Polen und der Ukraine fiel die Wahl selbst dann auf Klose, als Mario Gomez gerade mit zwei Toren die Niederländer abgeschossen hatte.

Zudem hat Klose die Lockerheit entdeckt, in Italien lernte er eine neue Lebensart kennen. La Dolce Vita, das süße Leben, tut ihm gut. „Wenn um 9.30 Uhr Abfahrt ist, regt sich niemand auf, wenn ein Spieler um 9.40 Uhr kommt. Für mich ist es gut zu erfahren, dass es auch anders geht“, sagt er.

In Italien wird er spätestens verehrt, seit er vor zwei Wochen den Schiedsrichter sein Tor gegen den SSC Neapel annullieren ließ. Klose hatte den Ball mit der Hand gespielt. „Große Meister erkennt man an Gesten“, schrieb die Gazzetta dello Sport, „es müssen nicht unbedingt unvergessliche Tore sein.“

„Il monumento“, das Denkmal, nennen sie Klose in Rom ohnehin schon.

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