Klopp: "Wir werden trotzdem weitermachen"

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Jürgen Klopp ärgerte sich sehr über die Niederlage.

Hamburg - Das hätte man nicht für möglich gehalten: Meister Dortmund verliert ausgerechnet beim bisherigen Null-Punkte-HSV. Die Serie ohne Niederlage ist gerissen, die Spieler sind sauer.

Die Meister-Kicker von Borussia Dortmund waren allesamt so sauer, dass sie zunächst gar nichts mehr sagen wollten. Schnurstracks flüchteten sie nach der 2:3-Niederlage beim Hamburger SV in die Kabine und ließen die Fragenden - ohne eines Blickes zu würdigen - stehen. 31-mal hatten sie in Serie gewonnen und waren auf dem Weg zum Bundesliga-Rekord des Hamburger SV, der vor 30 Jahren in 36 Spielen ungeschlagen geblieben war. Ausgerechnet beim Null-Punkte-HSV, der in vier Pflichtspielen zuvor nichts auf die Reihe bekommen hatte, passierte das Malheur. „Unsere Serie ist gerissen“, stellte auch Trainer Jürgen Klopp bedröppelt fest, um dann anzukündigen: „Wir werden trotzdem weitermachen.“

Der BVB hätte die Partie gegen den erstaunlich couragierten und diesmal kompakt spielenden HSV allerdings nicht verlieren dürfen. „Bei 26:6 Torschüssen müssen wir das Spiel gewinnen. Diese Niederlage ist beschissen“, befand Klopp. Lediglich Ivan Perisic traf zweimal (46., 60. Minute). Doppeltorschütze bei den Hamburgern war Son Heung-Min (2., 59.), einmal war Ivo Ilicevic (56.) erfolgreich.

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„Das ungute Gefühl, dass wir mal ein Spiel verlieren, hatte ich schon seit Wochen. Wenn es denn schon passiert: Der HSV ist ein sympathischer Verein“, sagte Vorsitzender Hans-Joachim Watzke am Sonntag in der TV-Sendung „Doppelpass“ von Sport1. Nach pomadigem Beginn, der den HSV durch eine gefühlvolle Flanke von Rafael van der Vaart auf den Kopf des Südkoreaners Son Heung-Min nach nur 101 Sekunden auch noch in Führung brachte, kamen die Dortmunder nur schwerfällig auf Touren. Klopp bezeichnete den Auftakt als „sehr schlechten Anfang von uns“.

Was sich in den letzten 30 Minuten abspielte, war dann allerdings eine einzige Belagerung des HSV-Tores. „Wir dominieren das Spiel komplett und spielen fast allein“, erregte sich der defensive Mittelfeldakteur Sebastian Kehl. Michael Zorc schüttele immer wieder den Kopf. „Wir haben ein Jahr lang nicht verloren und dann das hier“, meinte der Sportdirektor. Für Nationalspieler Mats Hummels, der nicht seinen besten Tag erwischt hatte, stand fest: „Wir mussten sehr viel falsch machen, um das Spiel zu verlieren.“

So ist die Tabellenkonstellation aus Dortmunder Sicht alles anderes als erfreulich. „Das ist mir relativ wurscht und auch das kleinste Problem, das ich habe“, sagte Klopp. Bereits fünf Punkte Differenz weist seine Mannschaft auf Tabellenführer Bayern München und die erstaunlich gut gestartete Frankfurter Eintracht auf. Am Dienstag treten die Dortmunder bei den ungeschlagenen Hessen an und müssen aufpassen, nicht weiteren Boden zu verlieren. Allerdings: In der vergangenen Saison hatte der BVB nach sechs Spieltagen bereits acht Punkte Rückstand auf Tabellenführer Bayern. Und wer wurde am Ende Meister? „Es geht weiter“, lautete folglich der Marschbefehl von Hummels.

HSV-Trainer Thorsten Fink, der sich diebisch über den ersten Punktedreier in der laufenden Saison freute, hatte sich Dortmund genauso ausgerechnet. „Wir haben sie nach der Champions League auf dem falschen Fuß erwischt“, sagte Fink. Vier Tage zuvor hatte der Meister Körner in der Königsklasse beim Sieg über Ajax Amsterdam (1:0) gelassen. HSV-Neuzugang van der Vaart riss seine Nebenleute mit und gab Vorlagen zu zwei Toren. Fink: „Wir wissen, was wir an ihm haben.“

Dank zuhauf heimste auch HSV-Torwart René Adler ein. Der zu Saisonbeginn ablösefrei zum Hamburger SV gewechselte Schlussmann nähert sich immer mehr seiner Verfassung, die ihn zu Deutschlands Nummer eins gemacht hatte. Mit zahlreichen Paraden hielt Adler den Sieg fest. „Wo keiner einen Pfifferling auf uns gesetzt hat, haben wir Klasse-Fußball geboten“, kommentierte der Torhüter. „Wir müssen jeden Gegner mit dieser Leidenschaft auffressen.“

Gegen den Double-Gewinner der vergangenen Saison ging die Rechnung auf - wenn auch am Ende mit reichlich Glück. Einige Hundert der angereisten 7000 Dortmunder Fans bekamen das vergebliche Anrennen ihrer Mannschaft und die überraschende Niederlage gar nicht mit. Sie hatten das Stadion unmittelbar nach Anpfiff aus Protest gegen die Kartenpreise in Hamburg verlassen. Für einen Stehplatzticket mit Topspiel-Zulage müssen 19 Euro plus Vorverkaufsgebühr berappt werden. „Kein Zwanni für 'nen Steher“, heißt die Aktion. Im Dortmunder Stadion kostet ein vergleichbares Ticket 15,30 Euro.

dpa

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