Trotz durchwachsene Leistungen

Klopp verkauft Hinrunde als Erfolg

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Jürgen Klopp ist mit der Hinrunde der Dortmunder zufrieden.

Sinsheim - Doublegewinner Borussia Dortmund hat zum Ende der mäßigen Hinrunde einen versöhnlichen Abschluss geschafft. Dennoch ist die Titelverteidigung schon jetzt nahezu ausgeschlossen.

Um einen Spruch war Jürgen Klopp mal wieder nicht verlegen. „Kommt noch jemand“, fragte der Trainer von Borussia Dortmund den TV-Moderator, der ihn nach dem 3:1 (1:1) am letzten Hinrunden-Spieltag der Bundesliga bei 1899 Hoffenheim etwas großspurig als „Mann des Jahres“ angekündigt hatte. Wie der Mann des Jahres sah Klopp, der den Erfolg im Kraichgau vor allem dem überragenden Mario Götze zu verdanken hatte, auch nicht aus. Die durchwachsene erste Saisonhälfte, nach der eine erfolgreiche Titelverteidigung in weite Ferne gerückt ist, hat beim Meistertrainer ihre Spuren hinterlassen.

Zugeben wollte das Klopp, der sich während der Partie einmal mehr heiser geschrien hatte und bei der Pressekonferenz mehrfach mit der Hand in den müden Augen rieb, natürlich nicht. Der 45-Jährige verkaufte die 30 Punkte auf dem Konto des Tabellendritten, die 12 Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München bedeuten, als Erfolg.

„Die Mannschaft hat eine sehr erfolgreiche Hinrunde gespielt. Sicher haben wir in der Liga ein paar Punkte liegen lassen. Aber das geht auch anderen so“, sagte Klopp: „Die drei Punkte gegen Hoffenheim verbessern unsere Situation dramatisch. Im letzten Jahr hatten wir 34 Zähler - das waren auch nicht so wahnsinnig viel mehr. Wir haben eine gute Basis.“

Vor dem Achtelfinale im DFB-Pokal zum Jahresabschluss gegen Hannover 96 am Mittwoch schlugen Klopps Vorgesetzte in die gleiche Kerbe. „Wir haben unsere Position in der Spitzengruppe gefestigt“, sagte Sportdirektor Michael Zorc: „Der dritte Platz bietet alle Möglichkeiten für die Rückrunde.“

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach sogar von einer historischen Leistung des Doublegewinners - musste dafür allerdings das ganze Jahr als Argument ins Feld führen. „Sollten wir gegen Hannover gewinnen, haben wir ein Jahr hinter uns gebracht, wie man es in Dortmund noch nicht oft erlebt hat. Von dem wird man noch in 50 Jahren sprechen“, sagte Watzke. Der 53-Jährige gab aber auch zu, dass er mit der Hinrunde „nicht überglücklich“ sei, „aber wir liegen in unserem Zielkorridor.“

Überraschenderweise zeigten sich die Profis, die im Gegensatz zur Liga in der Champions League mit überragenden Leistungen brillierten, selbstkritischer als die Verantwortlichen. „Wir haben acht bis zehn Punkte verschenkt. Wir müssen uns in der Rückrunde steigern“, sagte Geburtstagskind Mats Hummels (24). Auch Marco Reus war mit der Zwischenbilanz nicht zufrieden: „Wir sind etwas anderes gewöhnt.“

An einen anderen Torjäger müssen sich die Dortmunder wahrscheinlich schon in einem halben Jahr gewöhnen. Laut des Nachrichtenmagazins Focus ist der Abschied des polnischen Nationalstürmers Robert Lewandowski, der auch am Sonntag traf (66. ), nach Saisonende bereits beschlossene Sache - trotz eines Vertrages bis 2014. Watzke erklärte zwar, dass es „keine neue Faktenlage“ gebe, dennoch muss der BVB zukünftig wohl ohne seinen aktuellen Topscorer auskommen.

Nur wenn Lewandowski im Sommer geht, können die Westfalen noch eine Ablöse in Höhe von rund 20 Millionen Euro einstreichen. Interessenten (Manchester City, Inter Mailand, Juventus Turin) gibt es genug. Auch über einen möglichen Ersatz (Edin Dzeko oder der französische Nationalspieler Kevin Gameiro) wird bereits spekuliert.

Auf dem Foto, das Götze nach dem Sieg in Sinsheim auf Facebook gepostet hat, ist Lewandowski jedenfalls noch im Kreis seiner Teamkollegen abgelichtet. Wenn Götze zukünftig weiter so spielt wie am Sonntag vor 30.150 Zuschauern in der ausverkauften Rhein-Neckar-Arena, dürfte es allerdings fast egal sein, wer seine Vorlagen verwertet.

Der Nationalspieler, der selbst traf (26.) und das Tor von Kevin Großkreutz (58.) vorbereitete, erhielt unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw bei seiner Auswechslung in der 89. Minute sogar Beifall der 1899-Fans, die sich ansonsten nur über den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Sven Schipplock (35.) freuen konnten.

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sid

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