Klopp im Interview

"Auch mit einer angemessenen Menge Alkohol"

+
Jürgen Klopp

Madrid - Jürgen Klopp gab nach dem BVB-Einzug ins CL-Finale die Feiererlaubnis "mit einer angemessenen Menge Alkohol" und ließ durchblicken, die Partie gegen Bayern am Wochenende nicht ganz so bierernst zu nehmen.

Jürgen Klopp, haben Sie nach dem 4:1 im Hinspiel mit solch einer Gegenwehr gerechnet?

Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund): Wir haben keinen Schrecken bekommen. Das war genau so, wie wir es erwartet haben. Wir haben nur nicht mit so gutem Fußball reagiert, wie wir können - hatten aber trotzdem in allen Phasen des Spiels unsere Möglichkeiten. Es ist, wie es ist - unglaublich. Ich bin unheimlich stolz auf mein Team.

Ihr Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke soll es in der Schlussphase ja nicht mehr auf der Tribüne ausgehalten haben...

Klopp: Ja, ich habe auch ein- bis zweimal nachgedacht. Ich habe in dem Moment gedacht: Wenn Gott will, kommen wir ins Finale. Und die Mannschaft hat sich reingeworfen. Wir brauchten in dieser Schlussphase eigentlich gar nicht so viel Glück - wir hätten einfach einen Konter setzen sollen, es waren ja genügend da. Da haben wir es echt ein bisschen spannend gemacht. Aber diese Mannschaft macht einfach nur All-inclusive-Fußball. Michael Zorc hat mir gesagt, dass die 97er-Mannschaft mehr Glück gebraucht hat, um ins Finale zu kommen. Damit ist für mich alles in Ordnung.

Madrid hat oft am Rande des Erlaubten gespielt, Ihre Spieler reihenweise mit teils ungeahndeten Fouls zu Fall gebracht.

Klopp: Reals Spieler haben von der ersten Minute an versucht, den Schiedsrichter auf ihre Seite zu bringen. Sergio Ramos konnte mit Robert Lewandowski machen, was er will. Wenn es zum Gesamtpaket dazu gehört, alles und jeden immer zu beeinflussen - wir sind zwar auch emotional, aber das geht mir echt auf den Sack. Howard Webb hat gegen Ramos viel zu wenig gepfiffen. Das waren sieben Gelbe Karten, aber es gab keine. Aber anscheinend ist das normal, wenn es um alles geht. Wir sind bis zum Schluss blitzsauber geblieben und das macht uns zu den verdienten Gewinnern - Schluss.

Hätten Sie vor den Halbfinal-Spielen mit diesem Ausgang gerechnet?

Klopp: Dass Real Madrid Fußball spielen kann, war uns bekannt. Dass Real der größere Klub ist, ist sicher, und dass die Mannschaft die bessere ist, ist wahrscheinlich. Aber das war uns egal, wir wollten weiterkommen. Wir haben 4:3 in zwei Spielen gewonnen, und das ist die außergewöhnlichste Leistung, von der ich seit langen, langen Jahren im Sport gehört habe.

Am kommenden Wochenende spielen Sie in der Bundesliga ausgerechnet gegen Bayern München...

Klopp: Wir haben einen Tag länger Regenerationszeit, in dem sich die Mannschaft in den Zustand feiert, in dem die Bayern am Abend sind. Wir wollen da ja keine Vorteile haben. Die Jungs haben genug Erfahrung darin, zu wissen, dass es auch mit einer angemessenen Menge Alkohol geht. Es wäre krank, wenn wir die Situation jetzt nicht genießen würden. Wenn Bayern München dann gegen uns gewinnt, werden sich wahrscheinlich so wenig Leute in Dortmund darüber aufregen wie noch nie. Aber wir werden trotzdem versuchen, ihnen Probleme zu bereiten.

Aufgezeichnet von Jan Mies in der Pressekonferenz (SID)

Dortmund kämpft sich nach Wembley - Bilder aus Madrid

Dortmund kämpft sich nach Wembley - Bilder aus Madrid

Auch bei Sky äußerte sich Klopp ausführlich.

Jürgen Klopp bei Sky …

…über das Spiel: „2:0 - Es gibt Borussia Dortmund nur all inclusive, da ist alles dabei. Ich habe eben mit Michael Zorc gesprochen, die 97er sind glücklicher ins Endspiel gekommen. Also dementsprechend alles in Ordnung. Es waren lange Minuten. Das ist Wahnsinn, ehrlich gesagt. Ich werde keine Videoanalyse dieses Spiels machen, so von wegen: Da können wir noch ein bisschen besser. Wir wollen das einfach genießen.“

…über die Leistung von Robert Lewandowski: „Ihm wurde ständig ins Gesicht geschlagen. Wer da ruhig bleibt, ist ja fast ein Übermensch.“

…über den Abend und das Bundesliga-Spiel gegen die Bayern: „Wir wollen nicht päpstlicher sein als der Papst. Wir haben einen Tag länger als die Bayern, den werden wir nutzen. Keine Ahnung, was die Burschen machen, ich werde gemütlich ein Bierchen im Hotel trinken. Wenn ich der Mannschaft jetzt nicht gestatte, auszugehen, bin ich ja ein Vollhorst. Bis Samstag werden wir sicher wieder in der Reihe sein. Wir werden sowieso umstellen müssen, vielleicht kriegen wir von Bayern auch Haue. Aber das wird die glücklichste Niederlage gegen Bayern jemals in der Bundesliga.“

Kommentare