Klinsmann: "Auf Augenhöhe mit einer Weltmacht"

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Jürgen Klinsmann und das US-Team werden nach dem Sieg gegen Italien von der amerikanischen Presse gefeiert.

Genua - Jürgen Klinsmann ist eine dicke Überraschung gelungen: Der ehemalige Bundestrainer führte die USA zu einem historischen Sieg gegen Italien.

Nach dem historischen Triumph ließ sich auch Jürgen Klinsmann von der Euphorie anstecken. „Ich denke, meine Mannschaft hat einen großartigen Job gemacht“, sagte der ehemalige Bundestrainer, nachdem er die USA zum ersten Sieg über Italien (1: 0) überhaupt geführt hatte: „Das war ein großer Schritt für meine Jungs, weil wir 90 Minuten unter Alarmbereitschaft standen.“

Clint Dempsey vom FC Fulham sorgte in Klinsmanns alter sportlicher Heimat Genua mit seinem Tor in der 55. Minute für die dicke Überraschung. Es war der vierte Sieg in Serie für die USA, die fast ausschließlich mit Europa-Legionären angetreten waren.

Klinsmann setzte gegen die italienischen Stars auf eine gut organisierte Abwehr und schnelle Ballgewinne im Mittelfeld, um dann über die flinken Dempsey und Jozy Altidore (AZ Alkmaar) immer wieder gefährliche Konter zu fahren. „Meine Spieler werden eine Menge aus der Partie mitnehmen. Nicht nur, weil sie gewonnen, sondern weiter Erfahrung gesammelt haben“, sagte Klinsmann, „wir wollen gegen die größten Teams spielen, um uns weiter zu verbessern.

Und tatsächlich wirkte seine Mannschaft engagierter und zudem taktisch disziplinierter als zuletzt. Allerdings hätte sich Klinsmann auch nicht beschweren dürfen, wenn die Italiener eine ihrer zahlreichen Möglichkeiten zum Ausgleich genutzt hätten. Doch am Ende hielt Torwart Tim Howard vom FC Everton den völlig unerwarteten Sieg fest.

Entsprechend euphorisch reagierte auch die US-Presse, die mit Klinsmann zu Beginn seiner Amtszeit noch wenig zimperlich umgegangen war. Fox Sports schrieb von einem Team, das „auf Augenhöhe mit einer Weltmacht“ spielte. Zwar habe Klinsmann das „Rad nicht neu erfunden“, aber die Stärken der Mannschaft wiederbelebt: „Eine Kompakte Defensive und mannschaftliche Geschlossenheit“. Die New York Times schrieb von einem „unvergesslichen Sieg“, ESPN sieht das Team „auf dem richtigen Weg“.

Klinsmann freute sich besonders über die Leistungen seiner Youngster wie Fabian Johnson (24) von 1899 Hoffenheim. „Er ist ein großes Talent und wächst mit jedem Spiel“, sagte Klinsmann, der von zehn Spielen als US-Trainer nur eines verloren hat. „Als Trainer ist es schön zu sehen, wenn solch junge Spieler gegen die großartigen, erfahrenen Italiener, die 2006 Weltmeister wurden, bestehen können.“ Neben Johnson bekamen auch Brek Shea (22, FC Dallas) und Daniel Williams (22, Hoffenheim) ein Extralob ab.

Auch die italienischen Zeitungen zollten den US-Kickern Respekt, um gleichzeitig die Squadra Azurra zu kritisieren. „Klinsmann schreibt in Genua Geschichte. Seine mittelmäßigen, aber zähen Jungs siegen mit einem Tor von Dempsey“, schrieb die Gazzetta dello Sport. Und der Corriere dello Sport meinte: „Klinsmann entblößt die Grenzen der Azzurri. Alarm im italienischen Lager wegen der zweiten Pleite in Serie. Tuttosport sah sogar ein „schäbiges Italien“.

Klinsmann war es egal. Er lächelte und freute sich über einen historischen Triumph.

SID

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