Kleines Land, große Krise: Neuling Äquatorialguinea startet ins Turnier

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Ein beschwertes Lächeln: Äquatorialguineas Genoveva Anomna muss sich immer wieder Fragen zu ihrem Geschlecht gefallen lassen.

Augsburg. WM-Neuling Äquatorialguinea steigt zwar erst am heutigen Mittwoch gegen Norwegen (15 Uhr/ZDF und Eurosport) ins Turnier ein, sorgte aber schon vor dem Auftakt für reichlich Schlagzeilen.

Eine Spielerin wurde bereits von der Fifa suspendiert, außerdem halten sich Gerüchte, dass der Star des afrikanischen Teams, Genoveva Anonma, gar keine Frau, sondern ein Mann ist. Das ist Äquatorialguinea:

DAS LAND

Die afrikanische Republik ist mit etwa 28.000 Quadratkilometern nur so groß wie Brandenburg, hat mit 700.000 Menschen aber nicht mal ein Drittel der Einwohner des deutschen Bundeslandes. Erdöl- und Erdgasvorkommen bestimmen die Wirtschaft. Nach der Unabhängigkeit 1968 von Spanien übte Francisco Macias Nguema eine blutige Terrorherrschaft aus. Seit 1979 ist der Neffe des Diktators an der Macht. Menschenrechtsgruppen kritisieren willkürliche Festnahmen, unfaire Gerichtsverfahren und Folter. Auch das Auswärtige Amt protestierte zuletzt gegen die Beschlagnahmung und Zerstörung von ZDF-Drehmaterial.

DER FUSSBALL

Professionelle Strukturen gibt es in Äquatorialguinea nicht. Überhaupt sind nur 500 Fußballerinnen im Land registriert. Eine einzige Frauen-Liga gibt es. Die Nationalmannschaft existiert erst seit 2002, Bilanz: 25 Spiele, 13 Siege, neun Niederlagen und drei Unentschieden. Größter Erfolg: Gewinn der Afrikameisterschaft 2008.

DIE SKANDALE

Trotz der erfolgreichen WM-Qualifikation wurde der kongolesische Trainer Paul Mpila durch den Brasilianer Marcelo Frigerio ersetzt. Und genau wie der neue Coach sollen sieben Akteurinnen des äquatorialguianischen Kaders vom Zuckerhut stammen. Es bestehen Zweifel, ob die Einbürgerung der Südamerikanerinnen den Fifa-Regeln entsprechend abgelaufen ist. In einem Fall hat der Fußball-Weltverband bereits gehandelt. Spielerin Jade Boho wurde suspendiert, weil sie offenbar bereits Länderspiele für Spanien absolviert hat. Der Star des Teams ist Genoveva Anonma, die bislang für Jena spielte und in der kommenden Saison nach Potsdam wechselt. Seit mittlerweile fünf Jahren muss die 21-Jährige mit Anschuldigungen leben, sie sei keine Frau, sondern ein Mann. Vor allem Nigeria wirft dem afrikanischen Neuling vor, er habe sich die Teilnahme mit unlauteren Mitteln erschlichen.

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