Khedira findet Diskussion über ihn "respektlos"

Köln - Nationalspieler Sami Khedira vom spanischen Rekordmeister Real Madrid hat sich in einem Interview zur Diskussion über den möglichen Verlust seines Stammplatzes in der Löw-Truppe geäußert.

„Ich fand die Diskussion in Deutschland zuletzt sehr interessant. Es wurde angefangen, über mich zu sprechen. Über einen, der gar nicht mitwirken konnte. Über einen, der seit Jahren in der Nationalmannschaft nonstop gespielt hat, und das auch noch ziemlich gut. Über einen, der bei Real Madrid Stammspieler ist“, sagte Khedira der Sport Bild im Vorfeld des EM-Qualifikationsspiels am Freitag in Istanbul (20.30 Uhr/ARD) gegen die Türkei.

“Aus dem Nix“ habe eine Diskussion um seine Position in der DFB-Auswahl stattgefunden, monierte der Mittelfeldspieler am Mittwoch in Mainz vor der Abreise. Im vergangenen halben Jahr war der 20-malige Nationalspieler aus Verletzungs- und Schonungsgründen lediglich beim 2:1-Sieg in Österreich für 68 Minuten zum Einsatz gekommen - seine Abwesenheit nutzte der Münchner Toni Kroos, um sich neben Mesut Özil und Bastian Schweinsteiger im zentralen Mittelfeld zu profilieren.

“Ich bin ein sehr kritikfähiger Mensch, aber ich kann nicht akzeptieren, wenn etwas unfair abläuft. Ich war sehr, sehr lange ruhig, aber irgendwann ist auch mal gut“, klagte Khedira. Kroos habe “definitiv sehr gut gespielt“, aber seine Verdienste dürften dabei nicht vergessen werden: “Ich habe die letzten Jahre Leistung gebracht, da ist das nicht korrekt. Ich will fair behandelt werden.“

Mehr Gelassenheit empfahl am Mittwoch DFB-Teammanager Oliver Bierhoff, der als Profi selbst viele Jahre im Ausland spielte: “Miro Klose erlebt gerade die positive Seite der Nachrichten, die aus Italien kommen, Sami Khedira die negative. Ich hoffe und wünsche, dass Sami mit der Kritik entspannt umgeht“, erklärte Bierhoff und ergänzte aus Erfahrung: “Entscheidend ist, was der Trainer denkt.“

Khedira ist einer der Lieblingsspieler von Joachim Löw. Und der Bundestrainer informiert sich über ihn und auch seinen Real-Kollegen Mesut Özil lieber direkt bei deren Vereinscoach. “José Mourinho ist sehr angetan von dem Spieler Khedira“, versicherte Löw.

Für das Türkei-Spiel hat sich Khedira mit seinem Lamento selbst unter Druck gesetzt. “Ich bin froh, dass ich wieder zum Kader gehöre und fit bin. In der Türkei zu spielen ist etwas Schönes“, erklärte er angriffslustig. Das Duell mit dem in Istanbul wegen Grippe fehlenden Kroos hat er acht Monate vor dem EM-Turnier selbst angeheizt. “Wir haben speziell im Mittelfeld eine große Breite an Qualität. Jeder muss sich neu beweisen“, sagte Khedira - und plötzlich verkehrte sich das Schmollen wieder in das gewohnte Selbstbewusstsein: “Ich vertraue in meine Stärke.“

Diese Deutschen spielten bei Real Madrid

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In einem Interview auf team.dfb.de hat der 20-malige Nationalspieler zudem mit jeglichen Wechselgerüchten aufgeräumt: „Real Madrid ist für mich der größte Verein der Welt und ich habe einen Trainer, der hinter mir steht. Ich bin sehr, sehr glücklich und wenn ich spiele, bringe ich meine Leistung. Deshalb gibt es in der Hinsicht überhaupt nichts mehr zu sagen. Alles andere sind nur Gerüchte, die die Öffentlichkeit antreibt - nicht von meiner Person, nicht von meinem Trainer und nicht von meinem Verein.“

Er habe keine Probleme bei Real, es gebe keinen Streit mit Trainer José Mourinho, auch nicht nach dem jüngsten Platzverweis bei der Niederlage in Levante (0:1), den er selbst als “dumm“ bezeichnete. Auch Wechselspekulationen entbehrten jeglicher Grundlage. “Die Frage stellt sich nicht“, schilderte Khedira seine Sicht der Dinge.

Zuletzt war der 24-Jährige in der internationalen Presse mit mehreren Topklubs wie dem FC Chelsea in Verbindung gebracht worden.

Er habe “überhaupt keinen Streit mit irgendjemandem im Verein. Ich bin akzeptiert in der Mannschaft und beim Trainer. Ich bin auf einem guten Weg, wieder auf hundert Prozent zu kommen“, betonte Khedira. “Der Schritt ins Ausland, speziell zu Real Madrid, hat mir sehr gut getan. Ich habe mein Spiel verfeinert, ich spiele intelligenter“, versicherte der ehemalige Stuttgarter, der nach der WM 2010 für 14 Millionen Euro zum spanischen Rekordmeister wechselte und in Madrid einen Millionenvertrag bis 2015 unterschrieb.

dpa/sid

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