BVB vertagt die rote Titelfeier

"Keiner musste nicht auf die Massagebank"

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Michael Zorc

Stuttgart - Titelverteidiger Borussia Dortmund schiebt die Meisterfeier des FC Bayern auf. Nach dem 2:1 beim VfB Stuttgart ist das aber kein Thema - die Westfalen schimpfen auf die harte Gangart der Schwaben.

Nein, wie ein Sieger sah Jürgen Klopp nicht aus. Und viele Spieler von Borussia Dortmund auch nicht. Marcel Schmelzer war längst mit einem Nasenbeinbruch im Krankenhaus, Kevin Großkreutz humpelte zum Bus. „Es gibt keinen“, berichtete Sportdirektor Michael Zorc, „der nicht auf die Massagebank musste“. Kurzum: Die Dortmunder hörten sich nach dem schwer erkämpften 2:1 (1:0) beim VfB Stuttgart an, als seien sie da unvermittelt in eine Massenschlägerei geraten, obwohl sie doch zum Fußball spielen gekommen waren.

Er habe sich - wohl besonders mit Blick auf das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr/Sky und ZDF) beim FC Malaga - mehrmals Sorgen um die Gesundheit seine Spieler gemacht, sagte Klopp nach einem Spiel, das mit seiner Bezeichnung „super intensiv“ noch harmlos umschrieben war. In der Kabine musste er „Beulen am Kopf, Risswunden am Fuß und Prellungen an den Rippen“ bei seinen Spielern feststellen. Später, als er sich ein wenig beruhigt hatte, sagte er diplomatisch: „Mir waren einige Zweikämpfe zu hart.“ Umso deutlicher spürbar war allerdings seine Genugtuung: „Solche Siege fühlen sich am lohnendsten an.“

In der Tat ging es ziemlich zur Sache, Schiedsrichter Deniz Aytekin (Oberasbach) war nicht zu beneiden in seinem Bestreben, die Emotionen halbwegs unter Kontrolle zu halten. Am Ende gab es einen Platzverweis, der ansonsten gute Georg Niedermeier sah Gelb-Rot für sein übles Foul an Mario Götze (69.), das zumindest den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung erfüllte. Sven Ulreich, Torhüter des VfB, tat das ziemlich lapidar ab: „Fußball ist ein Männersport, da geht es auch mal zur Sache.“

Es war nicht zu übersehen, dass die Stuttgarter außerordentlich motiviert waren, endlich ihr viertes Heimspiel in dieser Saison zu gewinnen und sich mit dem Publikum zu versöhnen. Die Mittel, mit denen sie zu Werke gingen und die zunehmend ungesund für den Gegner wurden, hätten sie allerdings nicht mal nötig gehabt. „Meine Mannschaft hat sehr gut gespielt“, betonte Trainer Bruno Labbadia. Damit hatte er recht, was unter anderem am jungen Rumänen Alexandru Maxim lag, der den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte (63.).

Es war schließlich ein Foul, das die harte, aber auch stets unterhaltsame und abwechslungsreiche Begegnung entschied: Martin Harnik traf Schmelzer mit der Fußspitze im Gesicht, „unglücklich“, wie selbst Klopp gerne zugab. Und so kam in der 24. Minute Lukasz Piszczek auf das Spielfeld. Der Pole hätte eigentlich für das Spiel in Malaga geschont werden sollen. So aber erzielte er das 1:0 (29. ), das 2:1 durch Robert Lewandowksi (82.) legte er auf.

Mit seinem bereits 20. Saisontor verbesserte Lewandowski seinen Vereinsrekord - er hat jetzt neun Spiele nacheinander getroffen. Der Pole war auch einer, der das Vorgehen der Stuttgarter mit einem Lächeln abtat. „Ich denke, das war heute eine gute Vorbereitung auf das Spiel gegen Malaga“, sagte er. Nicht etwa, weil er dort ähnliche Härten erwartet, eher schon, weil die Borussia zeigte, dass sie auch unter ziemlich widrigen Umständen wie in Stuttgart die Ruhe bewahrt, ihr Spiel durchzieht - und gewinnt.

"Die Bayern sind doch eh Meister"

So sah es wohl auch der Trainer. „Ein guter Tag für uns“, sagte Klopp vor dem raschen Heimflug Richtung Dortmund, „wenn man mal von der Verletzung von Marcel Schmelzer absieht.“ Aber Schmelzer werden sie bis Mittwoch wohl eine Maske verpasst haben, „all die anderen Wehwehchen“, ergänzte Klopp, „werden wir bis dahin hoffentlich auch in den Griff bekommen.“ Und der FC Bayern? Nicht mehr der Rede wert. „Die sind doch eh Meister", sagte Zorc. Aber wenigstens nicht, weil ihnen der BVB den Titel zu Ostern geschenkt hat.

sid

 

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