Kehl will den Titel - Kloppo reicht Rang 2

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Sebastian Kehl (li.) will sich offenbar im Gegensatz zu Coach Klopp nicht lächerlich machen.

Dortmund - Das Versteckspiel ist beendet. BVB-Kapitän Sebastian Kehl redet offen vom Titel. Trainer Jürgen Klopp stapelt wie gewohnt tief.

Jürgen Klopp kraulte seinen Drei-Tage-Bart und mied wie gewohnt das verbotene Wort, als läge ein Fluch darauf. Doch Sebastian Kehl hatte offensichtlich keine Lust mehr auf Versteckspielchen. „Wenn wir jetzt behaupten, wir seien kein ernsthafter Titelanwärter, sage ich: Wir machen uns lächerlich!“, sagte der Kapitän von Borussia Dortmund nach dem 1:0 (1:0) gegen Werder Bremen - und strich Meisterschaft vom vereinsinternen Index. „Bitte, bei aller Bescheidenheit! Wir haben 59 Punkte und sind souverän ganz oben. Und dort wollen wir natürlich bleiben.“

Seit 20 Ligaspielen ist der BVB jetzt ungeschlagen, ein Novum in der Klubgeschichte. Klopp juckte das nicht sonderlich. Der Trainer ging breit lächelnd durch den Kabinengang, klatschte mit einem Betreuer ab, zeigte sich dann wieder als wahrer Meister in einer Disziplin, die von den Vertretern des einzigen Verfolgers Bayern München (fünf Punkte Rückstand) nur noch spöttisch „Super-Understatement“ genannt wird.

Er wäre „mit Platz zwei nicht unzufrieden“, sagte Klopp, dann wand er sich mal wieder mit einer Satzschlange um die Schale herum: „Sollte sich allerdings irgendwann für uns herausstellen, dass Platz eins möglich ist, wollen wir den natürlich auch haben.“

Über die komfortable Tabellensituation acht Spiele vor dem Saisonende verlor er kein Wort. Was aber, das sei entlastend erwähnt, auch daran lag, dass die Bayern ihr Spiel Stunden nach dem Meister zelebrierten. Am 11. April kommt der Rekordmeister noch in den Signal-Iduna-Park. So blieb die Videotexttabelle im Hintergrund, die den BVB mit acht Punkten Vorsprung auswies, eine Momentaufnahme - andernfalls hätte wohl auch Klopp die größte Mühe gehabt, dies nicht als Vorentscheidung zu deuten.

Am Sonntagmorgen wurde Klopp konkreter: „Wir sind doch nicht bescheuert, wir können doch die Tabelle lesen.“ Glücklicherweise hatte Sebastian Kehl schon am Tag zuvor vorgebaut und seine für Dortmunder Verhältnisse doch recht offensiven Worte gleich relativiert. Seine Ansage sei „kein großes Ding“, alle Sticheleien aus München nehme der BVB ganz gelassen: „Wir erledigen das auf dem Platz, nicht mit Parolen.“

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Seine Kollegen hätten das Duell mit Werder zu einer Gala erheben können, aber auch auf dem Platz waren die allermeisten Dortmunder Spieler einigermaßen zurückhaltend geblieben. Der BVB siegte trotz vieler bester Gelegenheiten nicht mit einem Torfestival Münchner Art, sondern beschaulich mit 1:0. „Wir haben das Spiel zu lange offen gelassen“, monierte Klopp, „waren aber hier super lebendig und extremst diszipliniert.“

Pfosten, Latte, ein Fehlschuss aufs leere Tor - letztlich überwand nur Shinji Kagawa den Werder-Torhüter Sebastian Mielitz und versüßte sich damit seinen 23. Geburtstag (7.). Der Japaner, angeblich von Manchester United und dem FC Arsenal umworben, ziert sich noch, seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag zu setzen. Dabei ist er mit der besten Mannschaft Deutschlands auf dem Weg zu zwei Titeln.

Vor dem ersten Double der Vereinsgeschichte wartet zunächst einmal im Pokal-Halbfinale am Dienstag (20.30 Uhr/ZDF und Sky) ein dicker Brocken. Die SpVgg Greuther Fürth ist in der 2. Liga Tabellenführer und in bestechender Form. Ilkay Gündogan sprach daher vor der Reise nach Franken von einem „enorm wichtigen“ Spiel, „für alle, den gesamten Verein, die Fans und uns“. Kehl dachte in Erinnerung an die heißen Duelle mit wenig Vorfreude an ein Wiedersehen mit Gerald Asamoah: „Der trägt ja bestimmt wieder ein Schalke-Trikot drunter...“

Nicht sonderlich zu Scherzen aufgelegt waren alle, die die grün-weiße Werder-Raute trugen. „Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir unsere Ziele nicht verfehlen“, sagte Abwehrspieler Clemens Fritz. Geschäftsführer Klaus Allofs schwankte zwischen „Zufriedenheit, dass wir nur 1:0 verloren haben, und der Unzufriedenheit, dass wir nicht mehr mitgenommen haben. Die Wahrheit liegt in der Mitte.“

In Dortmund wird die Wahrheit seit Samstagabend offen ausgesprochen. Zumindest vom Kapitän.

SID

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