"Bessere Mannschaft hat verloren"

Mourinho: Überraschende Aussage nach Real-Sieg

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José Mourinho

Madrid/Manchester - Real Madrids Trainer José Mourinho hat sich nach dem Einzug ins Viertelfinale der Fußball-Champions League von einer ungewohnten Seite gezeigt.

Hackentrick von Mesut Özil auf Gonzalo Higuaín, Flachpass vor das Tor von Manchester United, Siegtreffer durch Cristiano Ronaldo: Mit seinem Kabinettstückchen im Strafraum von ManUnited leitete der deutsche Fußballnationalspieler den Spielzug ein, der Real Madrid zum 2:1-Sieg in Manchester und zum Einzug ins Viertelfinale der Champions League verhalf. „Dieses kleine fußballerische Juwel wird in Old Trafford immer in Erinnerung bleiben“, schwärmte die Zeitung „El Mundo“.

Real überstand mit Glanz und Gloria eine Schicksalswoche, die für das Team von Trainer José Mourinho zu einem Desaster zu werden drohte. Auf den Einzug ins spanische Pokalfinale mit einem 3:1-Erfolg beim FC Barcelona folgte ein 2:1-Punktspielsieg über Barça und dann der Triumph im Achtelfinal-Rückspiel in Manchester (Hinspiel 1:1) . „Drei Siege - was für eine Woche!“, freute sich Özil bei Twitter.

Aber nicht der Deutsche und auch nicht der Torschütze Ronaldo, der mit seinem Treffer das Aus seines früheren Vereins besiegelte, waren die gefeierten Helden bei den Madrilenen. Dies war vielmehr Luka Modric. Dem Kroaten gelang nach seiner Einwechselung, was weder Kaká noch Özil vergönnt war: Er übernahm die Regie im Mittelfeld, brachte das bis dahin unterlegene Real ins Spiel und schoss in der 66. Minute das Ausgleichstor für die Madrilenen. United war durch ein Eigentor von Sergio Ramos (48.) in Führung gegangen.

Dabei war Modric, der im Sommer für 35 Millionen Euro von Tottenham nach Madrid gewechselt war, fast schon als Fehleinkauf abgeschrieben worden. „Er ist für die Madrilenen nun von unschätzbarem Wert und rechtfertigte seine Verpflichtung“, meinte das Sportblatt „Marca“. Allerdings räumte die spanische Presse auch ein, dass der umstrittene Platzverweis des United-Stürmers Nani maßgeblich dazu beitragen hatte, dass die „Königlichen“ das Spiel noch drehen konnnten. „Referee Cuney Cakir beging einen historischen Fehler“, schrieb das Sportblatt „As“.

Mourinho: Überraschende Aussage

Mourinho zeigte sich von einer ungewohnten Seite. Der Portugiese lobte den Gegner und übte Kritik an der eigenen Elf. „Die bessere Mannschaft hat verloren“, sagte er. „Mich frustriert, dass wir es nicht geschafft haben, das Spiel zu kontrollieren, obwohl wir in der Überzahl waren.“ Seinem Landsmann Nani klopfte Mourinho nach dessen Platzverweis tröstend auf die Schulter. Zur Entscheidung des Schiedsrichters wollte er sich nicht äußern. „Wenn jemand Grund hat zu weinen, bin ich das“, sagte er. „Denn normalerweise ist es meine Mannschaft, die mit zehn Mann spielen muss.“

Reals Angriffswirbel währte nur zehn Minuten. Nach Ronaldos Tor zum 2:1 (69.) wechselte Mourinho Özil aus und schickte den Verteidiger Pepe aufs Feld. „Die Auswechselung erwies sich als unheilvoll“, meinte „Marca“. „Von da an gerieten die Madrilenen in die Defensive, als wären sie es, die in Unterzahl spielten.“ Real-Torwart Diego López verhinderte mit mehreren Glanzparaden, dass das Weiterkommen noch in Gefahr geriet. „In dieser Phase rettete er unseren Sieg“, lobte Mourinho den Keeper.

Mourinho bei Ballacks Abschiedsspiel dabei

Mourinho wird Michael Ballack bei dessen Abschiedsspiel die Ehre erweisen. „Ich bin auf Ballacks Feier im Juni mit dabei. Er hat mich eingeladen, und ich habe schon zugesagt“, sagte der Portugiese dem Pay-TV-Sender Sky. Mourinho war 2006 und 2007 beim FC Chelsea in der englischen Premier League Trainer des früheren deutschen Nationalmannschaftskapitäns. Der gebürtige Sachse Ballack, der 98 Länderspiele bestritten hat, will sich am 5. Juni in der Leipziger WM-Arena mit Prominenz aus dem In- und Ausland nachträglich vom Profisport verabschieden.

Pressestimmen zu Manchester United - Real Madrid

ITALIEN:

„Gazzetta dello Sport“: „Mourinho weiter mit einem Geschenk. Real im Viertelfinale, aber beim Stand von 1:0 für United liegt der Schiedsrichter daneben und verweist Nani des Feldes. Dann drehen Ronaldo und Modric das Spiel.“

„Corriere dello Sport“: „Coup für Mourinho, dank des Schiedsrichters.“

„Tuttosport“: „Der türkische Schiedsrichter ist eine Katastrophe: Und Real schlägt United.“

„La Repubblica“: „United zu zehnt wegen einer absurden Roten Karte. Real kommt zurück und fliegt ins Viertelfinale.“

„La Stampa“: „Heldentat von Real. Mourinho bedankt sich bei Ronaldo (und dem Schiedsrichter).“ FRANKREICH:

„L'Équipe“: „Ronaldo schießt das rettende Tor. Auch an ihren schlechten Abenden bleiben die Superstars oft die entscheidenden Spieler.“

„Le Parisien“: „Umwerfendes Real Madrid! Der Platzverweis von Nani scheint ein Befreiungsschlag für die von da an zahlenmäßig überlegenen Spanier gewesen zu sein. Anschließend gab es Fußball zu sehen: Den echten, den schönen.“

„El País“: „Ein kurzer Augenblick ebnet Real Madrid den Weg in die Zukunft. Die Rote Karte für Nani und die Einwechselung von Modric erlauben den Madrilenen, ein Spiel zu gewinnen, in dem sie nicht die bessere Mannschaft waren.“

„El Mundo“: „In Old Trafford eröffnen sich Real Madrid neue Perspektiven. Mit Modric verfügt das Team nun über zusätzliche Varianten. Der Platzverweis von Nani war zu hart.“

„El Periódico“: Real Madrid zieht mit einer Hilfestellung ins Viertelfinale ein.“

„Marca“: „Real mit dem Herzen eines Champions: Die Madrilenen nehmen Kurs auf ihren zehnten Europacupsieg.“

„As“: „Eine große Woche für Real Madrid! Nach dem FC Barcelona kam Manchester an die Reihe. Real musste bis zum Platzverweis von Nani leiden. Die Einwechslung von Modric drehte das Spiel.“

ENGLAND:

„The Times“: „Ferguson fehlen die Worte nach Uniteds kontroversem Aus. (...) Der United-Trainer stürmte nach dem Vorfall von seinem Platz im Unterstand auf (Referee) Çakir zu, um ihn zu geißeln. Beim Schlusspfiff sah man ihn, wütend auf den türkischen Offiziellen zeigen. Er machte keinen Versuch, seinen Ärger zu verbergen - über eine Entscheidung, die das Spiel zu Reals Gunsten drehte.“

„The Guardian“: „Cristiano Ronaldos Heimkehr stellt Wayne Rooney klar in den Schatten. Die siegreiche Rückkehr des Real-Madrid-Stars unterstrich, wie weit er seinen früheren Kollegen in den letzten Jahren hinter sich gelassen hat.“

„Daily Mirror“: „Der wutentbrannte Sir Alex Ferguson war zu wütend, um zu reden, nachdem Manchester Uniteds Triple-Traum von einer kontroversen Roten Karte zerstört wurde.“

„The Sun“: „Erschüttert. Fergie verzweifelt nach Platzverweis für Nani. Boss Fergie, der mit der Versetzung Wayne Rooneys auf die Bank eine Bombe hatte platzen lassen, raste vor Wut.“

„The Daily Mail“: „Unter dem Strich ist es so: Nur weil dein zu Unrecht beschuldigter Flügelspieler vom Platz fliegt, musst du in den nächsten 12 Minuten nicht zwei Tore kassieren.“

RUSSLAND:

„Sport Express“: „Das Theater der Träume wechselt den Regisseur aus.“

dpa

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