Zehn Real-Spieler im Halbfinale

Mourinho - heimlicher Gewinner der EM

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José Mourinho.

Kiew - Die meisten Spieler, die meisten Tore - die Fußball-EM wird zur Domäne der „Königlichen“ aus Madrid. Immerhin zehn Real-Profis stehen in der Runde der letzten vier Teams. Das halten viele für ein Verdienst von Vereinstrainer José Mourinho.

Er saß während der EM auf keiner Trainerbank, sondern nur auf der Tribüne. Und doch gilt Fußball-Lehrer José Mourinho als einer der großen Gewinner des Turniers. Beachtliche zehn Spieler seines Vereins Real Madrid kämpfen am Mittwoch und Donnerstag um den Einzug ins Endspiel. Mit Ausnahme von Italien können alle Halbfinalisten auf Stars des spanischen Rekordmeisters zählen. Nutznießer dieser „Real-Connection“ sind auch die Deutschen. Via SMS und E-Mail wünschten Mesut Özil und Sami Khedira ihren Madrider Vereinskollegen Glück für den EM-Showdown. „Aber wir haben keine Wette laufen“, kommentierte Mittelfeldspieler Khedira schmunzelnd.

Vor allem das erste Halbfinale am Mittwoch in Donezk (20.45) wird zum Stelldichein der „Königlichen“. Sowohl die Portugiesen Cristiano Ronaldo, Pepe und Fabio Coentrão als auch die Spanier Iker Casillas, Sergio Ramos, Xabi Alonso, Alvaro Arbeloa und Raúl Albiol verdienen ihr Geld in Madrid. Beim Klassiker am Donnerstag in Warschau (20.45 Uhr) zwischen Deutschland und Italien kann sich Mourinho ein Bild von den Fortschritten seiner Profis Özil und Khedira machen.

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Der bisherige Turnierverlauf ist ganz nach dem Geschmack des Real-Trainers, der bei der EM - wie er gerade Lust hat - als Experte des arabischen TV-Senders Al Jazeera auftritt. Kein Verein ist mit mehr Spielern im Halbfinale vertreten, kein Club hat dank Cristiano Ronaldo (3), Xabi Alonso (2), Khedira und Pepe eine höhere EM-Trefferquote zu bieten. „Wir Real-Spieler sind stolz“, sagte Özil am Montag, wollte dieser Dominanz aber ansonsten keine große Bedeutung beimessen. „Das war es dann aber auch.“

Doch ein Narziss wie Mourinho wird die prächtigen EM-Auftritte der Madrider Profis auch als seinen Verdienst auslegen. Bei aller Kritik an seiner mitunter überbordenden Selbstgefälligkeit liegt der Portugiese damit gar nicht so falsch. Unter seiner Regie sind Khedira und Özil zu Führungspersönlichkeiten gereift - nicht nur im Verein.

Zudem ist es ihm gelungen, Alleinunterhalter Ronaldo zumindest ansatzweise eine Idee von Mannschaftsdienlichkeit zu vermitteln. Wohl auch deshalb kann sich der Angreifer Hoffnungen machen, bei der Wahl zum Weltfußballer erstmals seit vier Jahren wieder vor Lionel Messi vom Erzrivalen aus Barcelona zu liegen. Bei weiteren EM-Treffern und dem Einzug ins Finale wäre Ronaldo diesem Ziel näher.

In der Öffentlichkeit ist der erfolgreichste Trainer des vergangenen Jahrzehnts als „Reizfigur“ umstritten. Die Hybris, mit der er seiner Arbeit nachgeht, ist vielen Außenstehenden suspekt. Doch bei seinen Spielern und vielen Kollegen genießt Mourinho höchste Wertschätzung. Selbst Bundestrainer Joachim Löw pflegt einen intensiven Austausch mit ihm.

Beim EM-Auftakt der Deutschen am 9. Juni in Lwiw war Mourinho im Stadion - als Fan der portugiesischen Mannschaft. Das legt die Vermutung nahe, dass er seinem Kollegen und Landsmann Paulo Bento Tipps für das Duell mit Spanien geben könnte. Wahrscheinlich ist das aber nicht: Beiden Fußball-Lehrern wird ein schlechtes Verhältnis nachgesagt. Schließlich hat Mourinho schon häufig erklärt, eines Tages Nationaltrainer werden zu wollen. Zudem steht er in der Gunst seiner Landsleute höher als der aktuelle Coach der Landesauswahl.

Statt mit Bento telefoniert „the special one“ oft mit Pepe. Die Empfehlung seines Vereinstrainers machte dem Abwehrspieler Mut. Stolz erzählte der Real-Profi, dass Mourinho die Portugiesen nicht länger als Außenseiter sieht: „Wenn ihr Disziplin habt, kann Portugal den Titel holen.“

dpa

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