Jogi Löw: Experimente mit Gomez und Klose

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Jogi Löw (l.) will Mario Gomez (M.) und Miro Klose nebeneinander stürmen lassen

Frankfurt/Main - Bei den Länderspielen gegen die Ukraine und die Niederlande wird bei der Nationalmannschaft noch einmal an Taktik und Personal gefeilt. So experimentiert Jogi Löw:

Zeit für Experimente: Bundestrainer Joachim Löw nutzt die abschließenden Länderspiele des Jahres gegen EM-Co-Gastgeber Ukraine in Kiew am Freitag (20.45/ARD) und Vize-Weltmeister Niederlande vier Tage später in Hamburg (20. 45/ZDF), um mit Blick auf die „Titel-Mission“ bei der EURO 2012 vor allem taktisch noch einige Varianten auszuprobieren. „Die Zeitspanne bis zum Beginn der direkten EM-Vorbereitung ist noch relativ lang. Wir haben aber nur noch drei Spiele. Wir werden sicher personell und taktisch experimentieren, aber gewisse Automatismen sitzen bereits so gut wie ein paar bequeme Schuhe“, sagte der 51-Jährige vor dem Treffen der deutschen Nationalmannschaft am Dienstag in Hamburg.

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Vor allem in der Offensive wird Löw noch einmal experimentieren. So wird das Zauber-Duo Mario Götze und Mesut Özil im offensiven Mittelfeld erstmals Seite an Seite wirbeln, im Sturm sollen die Torjäger Miroslav Klose und Mario Gomez ihre Treffsicherheit nun auch gemeinsam unter Beweis stellen. Zuletzt hatte Löw vor zwei Jahren beim 2:2 gegen die Elfenbeinküste in Gelsenkirchen mit zwei Angreifern gespielt. Damals hieß das Sturm-Duo noch Stefan Kießling und Lukas Podolski.

„Bei allem Ehrgeiz, was gute Ergebnisse betrifft, sind mir Erkenntnisse sehr wichtig. Ich plane in einem der Spiele eine Systemänderung auf 4-4-2“, sagte der Bundestrainer hinsichtlich der taktischen Änderung in der Offensive. In den vergangenen zwei Jahren und bei der WM 2010 hatte Löw immer die Taktik mit nur einer Spitze bevorzugt, weshalb für Klose oder Gomez jeweils kein Platz war. Oft war jedoch einer der beiden Angreifer verletzt ausgefallen, sodass Löw nicht häufig die Qual der Wahl hatte.

Im Tor wird Ron-Robert Zieler vom Bundesligisten Hannover 96 sein Debüt absolvieren. Bereits am Freitag gegen die Ukraine soll Zieler in Abwesenheit von Manuel Neuer, der erst gegen die Niederlande zum Kader stoßen wird, mindestens eine Halbzeit spielen. Ob Zieler in der Startformation steht oder für den Bremer Tim Wiese eingewechselt wird, ließ Löw allerdings noch offen.

Der Bundestrainer reist am Dienstag wohl ganz entspannt in die Hansestadt, denn Absagen lagen bis Montagmittag noch keine vor. Auf einen weiteren Einsatz darf sich deshalb auch der Gladbacher Marco Reus freuen: „Er hat sehr darunter gelitten, dass er so lange auf sein erstes Spiel warten musste. Jetzt hat er diese Blockade gelöst“, sagte Löw.

Grundsätzlich betonte Löw, dass „Selbstzufriedenheit oder gar Größenwahn“ trotz der glanzvollen Qualifikation für die EURO 2012 mit zehn Siegen nicht angebracht sind. Auch Fußball-Lichtgestalt Franz Beckenbauer warnte davor, die deutsche Nationalelf als beste aller Zeiten darzustellen. „Das halte ich für übertrieben. Es ist die beste Ländermannschaft seit langem. Sie hat einen neuen Stil kreiert, tritt spielerisch anders auf“, sagte Beckenbauer dem kicker.

Mit mit voller Konzentration gehen die Nationalspieler selbst in die Spiele gegen die Ukraine und die Niederlande. „Für uns gibt es keine Freundschaftsspiele, deshalb wollen wir auch beide Spiele gewinnen. Nur weil wir die EM-Qualifikation geschafft haben, heißt das nicht, dass wir jetzt locker lassen“, äußerte Toni Kroos.

Der Mittelfeldspieler von Bayern München wird nach dem Ausfall seines Teamkollegen Bastian Schweinsteiger (Schlüsselbeinbruch) in Kiew möglicherweise als einziger defensiver Mittelfeldspieler agieren. Für den geschonten DFB-Kapitän Philipp Lahm stehen Marcel Schmelzer von Borussia Dortmund sowie Dennis Aogo vom Hamburger SV bereit. Beide sollen sich für einen Platz im 23-köpfigen EM-Kader empfehlen. „Sie haben nun eine gute Gelegenheit, die Situation zu nutzen. Beide haben große Möglichkeiten, die noch nicht ganz ausgeschöpft sind“, sagte Löw.

Lahm selbst begründete seine Nicht-Berücksichtigung für die beiden EM-Tests mit der Dauer-Doppelbelastung der vergangenen Jahre. „Ich spiele seit sechs Jahren durch - in der Nationalmannschaft und beim DFB. Ich komme im Schnitt auf über 50 Spiele in der Saison, da ist es richtig, dass man auch mal pausiert“, sagte der leicht erkältete Abwehrspieler.

Löw hatte Lahm nach einem Telefonat nicht für das Aufgebot für die beiden letzten Länderspiele des Jahres nominiert und dafür ähnliche Argumente angeführt. Dankbar zeigte sich auch Münchens Trainer Jupp Heynckes, der zudem damit rechnen kann, dass auch Thomas Müller in mindestens einem der beiden Spiele eine Pause bekommt. „Ich denke, dass Joachim Löw die Chance nutzt zu experimentieren. Und das wäre aus meiner Sicht auch wünschenswert“, sagte Heynckes. Schließlich steht für die Bayern nach den beiden Länderspielen das Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund auf dem Programm.

sid

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