"Können uns noch nicht mit Spanien messen"

Stuttgart - Joachim Löw zeigte sich zufrieden mit dem Testspiel-Sieg gegen Brasilien. Im Interview spricht er über ein Luxus-Problem in der Offensive und darüber, wie er das Team zur EM weiterentwickeln will.

Fragen an Bundestrainer Joachim Löw nach dem 3:2-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Stuttgart gegen Brasilien:

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Nach 18 Jahren hat Deutschland wieder gegen Brasilien gewonnen. Wie bewerten Sie die Leistung ihrer Mannschaft?
Löw: “Es war so, dass in einem Freundschaftsspiel, vor dem viel diskutiert und kritisiert worden ist, eine gute Einstellung erforderlich war, um das Spiel zu gewinnen. Ich muss schon sagen, dass unsere Mannschaft viel Lust und Freude, Engagement und Dynamik gezeigt hat. In vielen Aktionen wurde das Tempo hochgefahren, und es wurden schöne Tore erzielt.“

Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Löw: “Es war ein Freundschaftsspiel auf hohem Niveau, gegen einen Gegner, der eine hohe Klasse hat. Es war taktisch eine gute Leistung. Wir haben Brasilien früh gestört, haben hoch gestanden und Mut gehabt.“

Gibt es denn überhaupt etwas zu bemängeln?
Löw: “Ganz, ganz früh zu attackieren, das müssen wir noch besser machen. Aber das war heute schon sehr gut. Insgesamt war der Sieg verdient.“

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

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In Mesut Özil und Sami Khedira waren zwei Stammkräfte nicht dabei. Wird es für Sie irgendwann zum Problem, zu viele gute Spieler zu haben?

Löw: “Es war mein Ziel, dass der Kader in der Breite an Qualität gewinnt. Die Ausbildung ist gut geworden, aber es ist immer noch ein Unterschied zwischen Bundesliga und einem Turnier. Es ist unsere Zielsetzung, junge Spieler permanent heranzuführen und sie in diesen Spielen zu sehen. Ich bin froh, dass wir einen gesunden, guten Konkurrenzkampf haben. Das ist ein gutes Gefühl.“

Sie haben Spanien als Fußball-Nonplusultra bezeichnet. Reicht die Leistung von heute schon, um den großen Rivalen zu bezwingen? Löw: “Spanien ist Europameister und Weltmeister. Die Spanier zu attackieren, da arbeiten wir dran. Ob man Spanien erreicht, muss man sehen. Da muss man sich noch entwickeln. Wir waren in den letzten Jahren sehr konstant, aber das heißt noch nicht, dass wir uns mit dem Weltmeister messen können. Wir müssen weiter konzentriert arbeiten.“
Wenn Mesut Özil zurückkehrt, was machen sie dann mit dem überragenden Mario Götze?
Löw: “Das sind solche Wenn-Dann-Fragen. Mesut Özil spielt auf einem Weltklasse-Niveau, und es ist auch denkbar, dass beide zusammenspielen. Ich habe Toni Kroos und Mario Götze ganz bewusst offensiv aufgestellt. Die Variationsmöglichkeiten sind gut.“
Lukas Podolski fiel im Vergleich zu den Kollegen ab. Ist er ein Verlierer des Abends?
Löw: “Ich möchte nicht auf einzelne Positionen eingehen. Ich bin froh, wenn ich 20 Topleute habe. Es ist gut, wenn schon die Jungen die Jungen unter Druck setzen. Alle müssen sich beweisen. Wir haben eine ganz, ganz junge Mannschaft. Es ist nicht so einfach, da rein zu kommen. Spanien konnte seine Spieler immer ersetzen. Ich bin froh über den Konkurrenzkampf.“

Brasiliens Trainer lobte das deutsche Team in den höchsten Tönen. Hat Deutschland Brasilien den Rang abgelaufen?
Löw: “Die Wertschätzung in Brasilien ist enorm groß. Natürlich freut mich das. Aber wenn es Brasilien schafft, als Mannschaft gut zu sein und nicht nur individuell, dann ist Brasilien Weltklasse.“

dpa

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