Bundestrainer im Interview

Löw: Die Bayern sind wieder in der Spur

München - Nach dem etwas ernüchternden Sieg gegen Israel stellt sich Bundestrainer Joachim Löw den Fragen. Er ist nicht unzufrieden und glaubt an die FC-Bayern-Stars.

Wie ordnen Sie die EM-Generalprobe gegen Israel ein?

Löw: “Das war eine gute, ordentliche Abschlussprüfung. Was wir unbedingt tun wollten, uns Rückenwind zu verschaffen mit einem Sieg, mit einer ordentlichen Leistung, ist gelungen. Wir können mit einem guten Gefühl und einer gewissen Sicherheit in die nächste Woche gehen. Wir sind auf einen sehr defensiven, aufsässigen, rustikalen und gut organisierten Gegner getroffen. Es war gut, dass wir uns in der zweiten Halbzeit vermehrt Chancen herausgespielt haben. Da waren unsere Kombinationen flüssiger. In manchen Situation sind wir nicht mehr, aber besser gelaufen.“

Aber es gibt noch genügend Steigerungsmöglichkeiten?

Löw: “Auf jeden Fall ist eine Steigerung drin, keine Frage. Man weiß, wie es vor Turnieren ist. Ich kenne das ja als Trainer. Manchmal ist das in der Vorbereitung ein bisschen holprig. Noch ist nicht diese Frische da, die nächste Woche da sein wird. Das Spiel gegen Portugal wird in einem ganz anderen Tempo ablaufen. Es wird für uns auch mehr Räume geben, weil Portugal klasse nach vorne spielt.“

Wie viel EM-Elf haben wir gegen Israel schon gesehen?

Löw: “Einiges auf jeden Fall. Es gibt einige Dinge, die ich noch beobachten muss. Zuerst: Spielt Philipp Lahm rechts oder links, das wird man Anfang der Woche festlegen. In der Innenverteidigung hat Per Mertesacker einfach noch mal ein Spiel gemacht. Weil es nicht darum geht, jetzt nach dem Spiel alles festzuzurren, sondern alle Spielern möglichst auf ein gutes EM-Niveau zu bringen. Wann immer sie auch gebraucht werden.“

Wann entscheiden Sie?

Löw: “Spätestens Freitag wird aktuell entschieden, wer ist in einer guten Verfassung. Wer kann das erste Spiel mit Elan und absoluter Power bestreiten. Wenn einer noch ein Defizit hat, müssen wir schauen, dass wir weiter arbeiten und was wir danach machen. Letztlich zählt nur Portugal. Und da müssen alle, die auflaufen wollen, schmerzfrei und in einer guten Verfassung sein.“

EM-Testspiel: DFB-Elf siegt schwach gegen Israel

EM-Testspiel: DFB-Elf siegt schwach gegen Israel

Sie haben gleich sieben Bayern in die Startelf gestellt. Dabei hatte es nach den verpassten Titeln der Münchner viele Diskussionen gegeben. Wie zufrieden waren Sie mit ihnen?

Löw: “Das war sicherlich gut. Man hat ihnen schon zuvor angemerkt, dass sie wieder Freude in der Nationalmannschaft haben, dass sie das Champions-League-Finale verarbeitet haben. Das Finale war gar kein Thema mehr. Natürlich war es eine kurze Zeit, nur zwei, drei Tage in Frankreich. Dafür war es okay. Die Bayern-Spieler sind wieder in der Spur.“

Und wie sieht es mit der Innenverteidigung aus, die nach dem 3:5 gegen die Schweiz auch viel Kritik einstecken musste?

Löw: “Es war ordentlich, die ganze Abwehr war in diesem Maße nicht ganz so gefordert, war aber auch nicht so offen. Von daher muss man das richtig einordnen. Das Mittelfeld war strukturierter in der Defensive. Da war mehr Ordnung. Das Gefühl, die Vorbereitung mit einem Sieg abzuschließen ist gut.“

Sie klingen zufrieden. Gibt es gar keine Sorgen mehr?

Löw: “Die Situation vor diesen Turnieren ist schwer zu beschreiben. Man ist nicht völlig zufrieden, aber auch nicht in Sorge. Ich bin irgendwie im Gleichgewicht. Ich kann viele Dinge einordnen. Ich weiß, dass es in der Vorbereitung auch eine Handbremse gibt, die dann gelöst wird. Dass dann die Hochspannung herrscht im Land. Ich bin weder in Sorge, noch kann ich mich völlig zurücklehnen.“

Dürfen sich die Spieler in den nächsten Tagen zurücklehnen? Oder gibt es Hausaufgaben für die freien Tage?

Löw: “Die Spieler müssen logischerweise auch was tun. Jeder bekommt von unseren Trainern ein Programm mit. Das ist unterschiedlich: Einem Philipp Lahm reicht es aus, wenn er sich einmal bewegt und aktiv regeneriert. Götze, Klose und andere müssen mehr tun. In den zwei Tagen ist aktive Erholung angesagt für die einen, Belastung für die anderen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare