Signal an die Mannschaft fehlte

Löw: "Daraus lerne auch ich"

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Bundestrainer Joachim Löw gibt sich nach dem Remis gegen Schweden selbstkritisch

München- Bundestrainer Joachim Löw hat knapp eine Woche nach dem historischen 4:4 in der WM-Qualifikation gegen Schweden erstmals Fehler eingeräumt.

Seine Grippe hat Joachim Löw weitgehend auskuriert, das historische 4:4 gegen Schweden wirkt aber noch immer heftig nach. „Ich konnte auch nicht glauben, dass das Spiel kippt. Ich hätte in der Schlussphase mit einer Auswechslung ein Signal an die Mannschaft senden und noch etwas stoppen können“, sagte der Fußball-Bundestrainer im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Löw räumte damit knapp eine Woche nach dem herben Dämpfer in der WM-Qualifikation erstmals Fehler ein: „So etwas habe ich in 20 Jahren auch noch nicht erlebt. Daraus lerne auch ich.“

Deutschland hatte zum ersten Mal in der langen DFB-Historie einen 4:0-Vorsprung verspielt, Löw musste sich anschließend von vielen Seiten Vorwürfe anhören. Von seinem Weg zur WM 2014 in Brasilien will er sich aber trotz der heftigen Kritik nicht abbringen lassen. Auch den Vorwurf, möglicherweise nicht mehr die nötige Kraft und Motivation für die Aufgabe aufzubringen, wies der 52-Jährige klar zurück.

„Das ist eine unglaublich spannende Aufgabe mit diesen hervorragenden Spielern mit charakterlicher Klasse. Deswegen freue ich mich wahnsinnig, dass ich mit solchen Spielern arbeiten kann“, sagte Löw.

DFB-Elf verschenkt 4:0-Führung gegen Schweden

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Seinen Führungsstil wird der Bundestrainer auch in Zukunft nicht ändern. „Ich halte nichts von einem Ton wie auf dem Kasernenhof. Wir setzen auf Kommunikation, natürlich geben wir die Richtung vor. Das haben wir die letzten Jahre auch kompromisslos gemacht, wenn es um die sportlichen Dinge ging. Daher bin ich von diesem Weg weiter überzeugt, den wir weiter gehen wollen, ohne blind für Verbesserungen zu sein. Festzuhalten bleibt: Diese Mannschaft hat sich trotz allem hervorragend entwickelt“, unterstrich der DFB-Coach.

Seine Führungsspieler nahm er bei aller Kritik in Schutz, auch wenn sich Löw in den letzten 30 Minuten des Schweden-Spiels gewünscht hätte, „dass wir genau dann, wenn die spielerische Ausrichtung nicht mehr so stimmt, auch ein positives, aggressives, dominantes Auftreten unter Druck zeigen. Wir hätten diesem Druck standhalten können. Wir alle.“ Es gelte nun, „daran zu arbeiten“.

Grundsätzlich verfüge die DFB-Auswahl aber über „genügend Spieler, die eine Dominanz ausstrahlen. Wir haben gute Führungsspieler. Da gehört ein großes Können und eine Akzeptanz bei den Mitspielern dazu. Wenn man meint, dass uns derjenige fehlt, der dazwischenhaut, auf Freund und Feind einschlägt, um etwas zu bewegen, den haben wir nicht. Darüber bin ich aber auch nicht böse, weil solche Spielertypen können auch mal viel kaputt machen. Da ist dann der Schaden größer.“

Überhaupt stehe er „zu dieser Generation mit all den Stärken und Schwächen, die wir im Moment haben. Das Potenzial ist hervorragend. ` Die derzeitige Situation würde aber helfen, sagte Löw weiter, `die Weichen jetzt nochmals richtig zu stellen. Insofern hat es vielleicht auch etwas Positives. Das ist mir lieber, als wenn wir im Herbst 2013 feststellen müssen, dass wir in so eine negative Situation rutschen. Grundsätzlich wird die Mannschaft an so einer Situation auch wachsen. Das wird uns jetzt nicht mehr so passieren, da bin ich mir sicher.“

Die Nationalelf habe zwar „ein unglaubliches Kreativ- und Offensivpotenzial wie vielleicht seit Jahrzehnten nicht mehr. Aber diese Gegentore und Defesivschwächen kann auch ich nicht akzeptieren und will ich auch nicht akzeptieren. Wichtig wird sein, dass wir daran weiter arbeiten“, betonte er.

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Löw sprach von gewissen Automatismen: „Wenn das Spiel zu kippen droht, dann müssen wir von außen, aber auch von innen Schlüsselpunkte hart einfordern: hinter den Ball, Grundordnung nicht verlassen, einzelne Aktionen wieder gewinnen, die Zweikämpfe wieder gewinnen - und das zum richtigen Zeitpunkt.“ Künftig erwarte er, „da muss ich mir auch an die eigene Nase fassen, dass wir an Lösungen arbeiten, dass wir nicht mehr in solche Situationen kommen“.

Gegen Schweden hätten sich seine Spieler „im Gefühl des sicheren Sieges so eine zugespitzte Situation nicht mehr vorstellen können. Und dann haben wir zu untauglichen Mitteln gegriffen, um das Ruder noch herumzureißen. Wenn man aus so einer Euphorie kommt und eine sportliche Katastrophe verhindern will, dann muss man auch mal die einfachen Dinge wieder tun, die uns stark machen.“

SID

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