Über Gerüchte und den Elfer: Jetzt spricht Dante!

Mönchengladbach - Dante war der tragische Held bei Borussia Mönchengladbachs Pokal-K.o. gegen den FC Bayern. Der Brasilianer hat sich zu seinem verschossenen Elfer und zu den Transfer-Gerüchten geäußert.

Ein entsetzter Aufschrei aus 50.000 Kehlen, dann rollt ein Name wie Donnerhall durch die Zuschauerreihen: „Matthäus!“ Das kollektive Fußball-Gedächtnis fügte innerhalb von Sekunden für immer zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört. Dante Bonfim Costa Santos und Lothar Herbert Matthäus sind ab sofort Brüder. Brüder im Geiste.

Für beide waren die 2,44 m zwischen Rasen und Unterkante der Querlatte nicht hoch genug, um gegen ihren künftigen Arbeitgeber aus elf Metern den Ball darunter zu versenken. Deshalb gewann Bayern München 1984 das Pokalfinale gegen Borussia Mönchengladbach. Und deshalb steht der Rekordmeister auch 2012 wieder im Endspiel.

„Ich hätte ihn nicht schießen lassen. Es war nicht sehr klug, ihn schießen zu lassen. Er stand sicher unter einem besonderen Druck. Viele um mich herum haben von Matthäus gesprochen“, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach dem 4:2-Sieg nach Elfmeterschießen im Pokal-Halbfinale im Borussia-Park. Ausgerechnet Hoeneß. Er weiß selbst am besten, wie es sich anfühlt, den entscheidenden Elfmeter in den Nachthimmel zu jagen. Damals, 1976 in Belgrad, im EM-Endspiel gegen die CSSR.

Ins Endspiel wollte auch Borussias Abwehrchef Dante, „wir hätten es uns verdient gehabt“. Doch nach einer erneuten Top-Leistung gegen die Münchner Torfabrik versagten dem 28-Jährigen im Elfmeterschießen als dritter Schütze die Nerven: „Ich war ganz ruhig. Ich habe gesehen, dass Neuer nach links gegangen ist“, beschrieb Dante die entscheidenden Sekunden. Mit seinem starken linken Fuß schlenzte der Lockenkopf die Kugel über den Torwinkel.

„Den habe ich rausgeguckt“, freute sich Nationaltorhüter Manuel Neuer. Ganz ohne Häme. Schließlich sieht alles danach aus, dass Neuer und Dante ab Sommer gemeinsam dafür sorgen werden, dass die Null steht beim FC Bayern. Seit Wochen halten sich die Gerüchte, dass Dante sich bereits mit München einig ist und die Borussia trotz seines bis 2014 laufenden Vertrages für eine festgeschriebene Ablösesumme von 4,7 Millionen Euro verlassen wird. „Seit langer Zeit wird spekuliert. Aber ich habe keine Zeit, mir das anzuhören. Ich konzentriere mich lieber auf die Borussia. Was die Leute sagen, interessiert mich nicht“, sagte Dante.

Er sei „stark im Kopf, immer positiv“, unterstrich Dante und machte deutlich, dass ein möglicher Wechsel nichts mit dem verschossen Elfmeter zu tun hat. Ähnlich reagierten seine Mannschaftskameraden. „Das ist totaler Nonsens, absoluter Schwachsinn. Damit hat das überhaupt nichts zu tun. Sollte das so passieren, dann ist das seine persönliche Entscheidung. Das muss man akzeptieren. Ich wäre der Letzte, der ihm nicht gratuliert“, sagte U21-Nationalspieler Tony Jantschke, der gegen Franck Ribery eine überragende Vorstellung zeigte.

Dem ansonsten immer gut gelaunten Dante stand noch Stunden nach dem Pokal-K.o. die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, doch der Brasilianer gab schon die Parole für die nächsten Wochen aus: „Noch mehr Gas geben und den Champions-League-Platz erreichen. Mir müssen positiv bleiben, wenn wir das schaffen, ist es geil.“

Es wäre ein kleiner Trost für den fünfmaligen deutschen Meister, der seit dem Pokal-Erfolg von 1995 keinen Titel mehr gewonnen hat. Ein bisschen trösten könnte Dante vielleicht auch die Tatsache, dass er wie Matthäus 1984 gar nicht den entscheidenden Elfmeter verschossen hat. Das war Havard Nordtveit. Vor 28 Jahren hieß der Unglücksrabe Norbert Ringels. Im Fußball-Gedächtnis hängen geblieben ist aber nur Matthäus. Zumindest ist der deutsche Rekordnationalspieler (150 Einsätze) seit dem Abend seines 51. Geburtstages nicht mehr allein.

sid

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