Jentzsch: "Vor zweieinhalb Jahren war ich schon tot"

+
Simon Jentzsch hat dem FCA einen Punkt gerettet

Augsburg - Simon Jentzsch feiert beim FC Augsburg seine Auferstehung und rettet das Remis gegen Werder Bremen. Der Oldie war "vor zweieinhalb Jahren eigentlich schon tot".

“Simon, Simon, Simon“ hallte es nach dem Schlusspfiff durch die Augsburger Arena. Trotz eines angebrochenen Ringfingers hatte Simon Jentzsch das 1:1 (0:0) des FC Augsburg gegen Werder Bremen gerettet und war der gefeierte Held des Abends. “Er hat uns den Punkt gerettet und die Bremer zur Verzweiflung gebracht“, sagte Trainer Jos Luhukay über seinen Torwart.

Unvergessene Torwart-Legenden

Unvergessene Torwart-Legenden

Dass der 35-Jährige dabei das 150. Bundesliga-Tor von Claudio Pizarro verhinderte, war ihm herzlich egal. “Dafür stehe ich nach diesem Spiel in den Geschichtsbüchern“, sagte er voller Zufriedenheit über seine Leistung. Noch vor einer Woche sah es für den gebürtigen Düsseldorfer eher nach einem Platz auf der Tribüne als in den Annalen aus. Er hatte sich beim 1:0 in Mainz, dem ersten Augsburger Bundesliga-Sieg der Vereinsgeschichte, den Ringfinger angebrochen. Doch er wollte nicht pausieren.

Am Mittwoch signalisierten ihm die Ärzte, dass ein Einsatz gegen Bremen möglich sei. Zwei Tage später sicherte er den Augsburgern einen Punkt und sich den Heldenstatus. “Gegen die Schmerzen habe ich mir vor dem Spiel eine Spritze geben lassen, daher konnte ich voll hingehen“, sagte er. Wenn die Wirkung nachlasse, sei aber die ein oder andere schlaflose Nacht denkbar. “Ich hoffe, dass er nicht so viele Nachwirkungen hat“, sagte Luhukay.

“Ein unglaublich starker Rückhalt“

Jentzsch konnte zwar nicht verhindern, dass Pizarro sein 149. Bundesliga-Tor schoss und mit dem 1:1 (68.) die Augsbuger Mini-Serie von zwei Partien ohne Gegentor durchbrach. Doch “er war ein unglaublich starker Rückhalt“, betonte Luhukay.

Der Torwart ist in seiner dritten Saison beim FCA Leitwolf, Leistungsträger und Publikumsliebling. Dabei schien seine Karriere vor zweieinhalb Jahren schon beendet. Beim VfL Wolfsburg ausgemustert, bei anderen Vereinen nicht gefragt, stand er 2009 rund zwei Monate ohne Vertrag da. “Vor zweieinhalb Jahren war ich eigentlich schon tot“, sagte Jentzsch. Dann erhielt er eine Chance in der zweiten Liga - beim FCA. Im Spätherbst seiner Karriere begann sein dritter Frühling. So erreichte er mit den Schwaben gleich in seiner zweiten Spielzeit den Aufstieg und wurde zum besten Torwart der zweiten Liga gewählt.

Die deutsche Nationalmannschaft hatte er da schon längst abgehakt. Seine bislang größte Chance auf einen Einsatz war 2004 verstrichen, als er während der Asien-Reise des Nationalteams zwar im Kader stand, aber nicht zum Einsatz kam. Bei modernen Keepern wie Manuel Neuer oder Bernd Leno sei das Thema für ihn mittlerweile eh abgehakt: “Ich bin eher ein konservativer Torwart.“

“Nicht nur ich bin auf der Bank verrückt geworden“

Gegen Bremen stand konservativ in seinem Fall für keine großen Akzente bei der Spieleröffnung, aber herausragende Reflexe auf der Linie. “Die Bundesliga sorgt für so viel Adrenalin, dass man über sich hinauswächst“, erklärte er. Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs trieben die Paraden von Jentzsch zur Verzweiflung: “Nicht nur ich bin auf der Bank verrückt geworden. Unsere Chancen waren so klar und so gut, dass wir hätten gewinnen müssen.“

Für die Hanseaten war es zwar der erste Punkt nach zwei Niederlagen in Serie. So richtig freuen konnte sich im Team von Trainer Thomas Schaaf aber niemand über den Auswärtszähler, zumal Bremen zum 14. Mal in Folge auswärts nicht zu Null gespielt hatte.

Augsburg wertete den Punktgewinn durch das Tor von Axel Bellinghausen (49.) dagegen als Erfolg und plant am Dienstag (19 Uhr) im DFB-Pokal bei RB Leipzig gleich den nächsten Triumph. Dass der Viertligist vor der Partie 5.000 Badelatschen mit der Aufschrift “Offizielle Augsburger Pokalschlappe“ verteilt hat, interessiert Bellinghausen nicht: “Die können ihre Schlappen behalten.“ Schließlich steht in seinem Team ein Held im Tor.

dapd

Kommentare