Jarolims unerwartete Entwicklung

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David Jarolim (r.) ist wieder gefragt

Hamburg - Vom Bankdrücker zum unverzichtbaren Mittelfeldmotor - David Jarolim hat sich nie hängen lassen und auf seine Chance gewartet. Nun könnte es eine Belohnung geben.

Thorsten Fink ist nicht gerade ein Fan von David Jarolim, aber er schätzt ihn. Der Tscheche spielt auch nicht den modernen Fußball, den der Trainer seinem Hamburger SV nach und nach vermitteln will. Der emsige Mittelfeld-Renner verlangsamt eher das Spiel - aber Verlass ist auf den 32-Jährigen immer. Jarolim klagt selten und sagt nie ein böses Wort über seinen Club, auch wenn er noch so gefrustet war wie zuletzt über sein monatelanges Reservisten-Dasein beim HSV.

“Ich weiß, was er kann und er hat einen tollen Charakter“, betont Fink und stellt dem Routinier sogar eine Verlängerung seines Arbeitsvertrages über den Sommer hinaus in Aussicht. Für die Jungen im Kader ist der ehemalige Kapitän ein stetes Vorbild in Sachen Trainingsfleiß. “David hat sich aufgedrängt, er bringt einfach Top-Leistungen. Ich konnte nicht an ihm vorbei“, erzählt der Coach, der allerdings nur in der Not auf den verlässlichen Arbeiter mit dem durchtrainierten Waschbrettbauch zurückgriff. Denn weder Gojko Kacar, noch Robert Tesche brachten auf der wichtigen Position vor der Abwehr stabile Leistungen.

So durfte der erfahrene Jarolim in der Rückrunde noch einmal zeigen, warum er jahrelang zum HSV-Stamm gehörte. Beim 1:0 in Köln am Wochenende war er plötzlich sogar der von allen Gefeierte. “Jeder kennt seine Stärken und Schwächen. Wir sind froh, ihn zu haben“, sagt der Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow.

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In 307 Bundesliga-Spielen brachte Jarolim manchen Gegenspieler in Rage und machte sich etliche Trainer der Gegner zu Feinden. Denn keiner holt so viele Freistöße heraus wie der 1,72 Meter kleine, unermüdliche Mittelfeldmotor. Nur Tore schießen kann er nicht. 17 Treffer in Deutschland seit seinem Start bei Bayern München 1997 verdeutlichen die Abschlussschwäche des 29-maligen tschechischen Nationalspielers.

Fast wäre er im Winter sogar schon weg gewesen - die zweitklassigen Angebote aus Saudi-Arabien und Osteuropa wollte er dann doch nicht annehmen. “Ich freue mich, dass ich noch einmal helfen kann“, sagt der Tscheche bescheiden, “der Trainer hat mir nie etwas versprochen, aber er auch nie gesagt, ich hätte keine Chance“. Möglicherweise darf er noch ein weiteres Jahr mit der Raute auf dem Trikot auflaufen. Wenn nicht, liebäugelt er mit einem Wechsel nach Italien - um nach dem Ende seiner Karriere als Nachwuchstrainer nach Hamburg zurückzukehren. Das hat der HSV-Vorstand ihm fest versprochen.

dpa

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