Größzes englisches Torwarttalent

Jack Butland: Von der 4. Liga auf die EM-Bühne

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Jack Butland musste seinen Mexiko-Urlaub abbrechen.

Krakau - Er ist der Exot unter Stars: Der englische Torhüter Jack Butland spielte bislang nur in der vierten englischen Liga, dennoch wurde er ins EM-Aufgebot berufen.

Als am 14. April Cheltenham Town seinen Gegner Accrington Stanley mit 4:1 nach Hause geschickt hatte, ahnte keiner der 3217 Zuschauer, dass er gerade einen englischen EM-Teilnehmer gesehen hatte. Und das bei einem Viertligaspiel. Auch der erst 19 Jahre alte Torhüter Cheltenhams, Jack Butland, dürfte eher vom Aufstieg in die 3. Liga als von der großen Bühne geträumt haben. Doch für Butland kam es anders. Ganz anders.

Nach der Verletzung des für die EM eingeplanten John Ruddy nominierte der englische Teammanager Roy Hodgson völlig überraschend das Nachwuchstalent als dritten Schlussmann der „Three Lions“ nach. „Ich hoffe, sie verstehen das, ich habe nicht so viele Torhüter, unter denen ich auswählen kann“, sagte Hodgson. Butland brach seinen Urlaub in Mexiko ab und trainiert nun im englischen EM-Quartier in Krakau mit Stars wie Wayne Rooney, Steven Gerrard oder John Terry. Ein „kometenhafter Aufstieg“, schrieb der Telegraph - und sah sich wie viele englische Zeitungen genötigt, seinen Lesern den Exoten erst mal ausgiebig vorzustellen.

Wem jedoch wieder Witze über England und seine Torhüter auf der Zunge liegen, sollte kurz innehalten. Denn Butland fuhr mit einer Menge Vorschusslorbeeren nach Polen und in die Ukraine. Der in Bristol geborene Keeper gilt als das größte Torwarttalent im englischen Fußball. Er durchlief alle englischen Jugend-Auswahlmannschaften, auch wenn er es in der Profimannschaft des Zweitligisten Birmingham City nicht an Colin Doyle und Boaz Myhill vorbei schaffte. Er wurde nach Cheltenham ausgeliehen. Sage und schreibe 52 Scouts höherklassiger Teams, darunter auch Beobachter von Arsenal, Liverpool and Manchester City, saßen im April beim Spiel in Rotherham auf der Tribüne. Sein Team verlor zwar 0:1 - Butland hielt aber einen Elfmeter. Der FC Southampton soll angeblich bereit sein, 3,5 Millionen Pfund für ihn zu zahlen.

„Er macht es richtig gut. Ich bin ein großer Fan von ihm. Ich drücke die Daumen, dass er so weitermacht wie bisher“, sagte der englische Stammtorhüter Joe Hart - allerdings, bevor Butland zu seinem Konkurrenten aufgestiegen war. „Die letzten Monate sind weit über das hinaus gegangen, was ich mir vor der Saison vorgenommen hatte“, sagt Butland, ist mit 24 Viertliga-Einsätzen einer der unerfahrensten Spieler, die England je zu einem Großereignis geschickt hat. Nur vier Spieler, die noch nicht in den beiden höchsten Spielklassen aufgelaufen waren, kamen bisher zu einem Länderspieleinsatz - zuletzt die Wolverhampton-Legende Steve Bull, WM-Teilnehmer 1990.

Dabei war nicht nur der Weg zur EM für Butland kurios, auch sein Karrierestart zwischen den Pfosten im Alter von elf Jahren verlief alles andere als normal. „Ich war eigentlich Feldspieler, aber ich war immer so frustriert über unseren Torhüter, dass ich eines Tages gesagt habe, dass ich jetzt ins Tor gehe“, erinnert sich Butland: „Und seitdem bin ich drin.“ Später wechselte er an die Jugend-Akademie Birminghams, auch wenn er die knapp 130 Kilometer zwischen Bristol und der mittelenglischen Millionenstadt täglich per Zug zurücklegen musste. Den Durchbruch feierte er 2010, als er bei der U17-EM in Leichtenstein als Stammtorhüter den Titel gewann. 2012, das wohl aufregendste Jahr seiner Karriere, könnte einen weiteren Höhepunkt bereithalten: Butlands Nominierung für die Olympischen Spiele in London gilt als sicher. Dort könnte er einen prominenten Mitspieler haben - David Beckham. Wer hätte das gedacht?

sid

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