Glückwünsche von Papst und Staatschef

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Papst Benedikt XVI.

Rom - Italien aus dem Häuschen: Nach dem EM-Halbfinalsieg über die Deutschen entlädt sich von Nord bis Süd im Stiefelstaat die Freude über das erfolgreiche „Unternehmen Italien“. Auch vom Papst kamen Glückwünsche.

Lärmende Autokorsos von Mailand bis Palermo. Unermüdlich schwenken die Tifosi die Trikolore, zünden Nebelkerzen wie im Stadion, machen Prosecco-Flaschen auf.

Auf den historischen Plätzen der italienischen Großstädte springen Fans in dieser so langen und tropischen Nacht in die Brunnen, um sich ein wenig abzukühlen. Das hatte es gebraucht, wieder gegen die Deutschen zu gewinnen - ein Glücksmoment mitten in Depression und Finanzkrise. Im Chor singen sie die Nationalhymne. Durch die historischen Gassen hallt so, was das Torhüteridol Gianluigi Buffon inbrünstig bei jeder Partie vorsingt.

„Es ist immer eine Freude, die Deutschen zu schlagen.“ So macht ein Transparent auf der römischen Piazza del Popolo klar, was sich Fans von Buffon und Co. wünschten: An diesem Donnerstagabend im Juni schreiben die Azzurri ein weiteres Kapitel Fußballgeschichte.

Hunderttausende sind schon beim Public Viewing auf den zentralen Plätzen, oder es hält sie nach dem Schlusspfiff nichts mehr daheim auf dem Sofa: Vom Mailänder Domplatz, der Piazza Vittorio Veneto in Turin oder dem Popolo-Platz in Rom - in den Hochburgen des italienischen Fußballs ging nachts die Post ab. Neapel, Palermo, Cagliari, überall, so auch im Mezzogiorno, das gleiche Bild: Überschäumendes Temperament in vollster Aktion.

„Auf Wiedersehen!“ Auf Deutsch verabschieden so drei sexy Damen in ganzseitigen Anzeigen am Freitag die Löw-Truppe. Die italienische Werbung zeigt sie in Bikinis in den Trikolore-Farben grün-weiß-rot. Derweil ist an den Tresen der Bars beim frühen Cappuccino oder auch am Zeitungskiosk der Blick schon auf das Finale gerichtet. „Ja, wir waren die Besseren“, empfängt Zeitungsverkäufer Enrico den deutschen Kunden. Jetzt sei im Finale Spanien an der Reihe, von den Azzurri doch bereits in der Vorrunde an den Rand einer Niederlage gebracht. Was dem Deutschen der Stammtisch, das ist für den Italiener der Edicola, das eckige Häuschen, wo er Zeitungen kauft.

Italiens Staatsoberhaupt Giorgio Napolitano.

Und noch einer ist begeistert in diesem fußballverrückten Land: Die Azzurri waren noch in der Warschauer Kabine, als wieder der Anruf von Staatspräsident Giorgio Napolitano kam: „Mir fehlen die Worte, um Euch zu sagen, wie großartig ihr gespielt habt“, sagte der Staatschef. Er weiß noch besser als alle anderen, wie sehr das unter Steuer- und Schuldenlast leidende Land Erfolge und etwas Stolz braucht. Dazu passt: Der politische „Super Mario“ Italiens, der untypisch gelassene Regierungschef Monti, will zum Finale nach Kiew reisen, wenn dort der andere, der sportliche „Super Mario“ aufläuft.

An diesem heißen Sommerabend seien ihr Zinslast, Eurobonds und Steuerdruck schnurzpiepegal, hatte eine Italienerin auf der Mailänder Piazza auf einem Plakat erklärt: „Ich habe heute nur "mein" Italien im Herzen.“ Kein Wunder, dass das Freudengeheul dann riesengroß war.

Und auch der Papst meldete sich. Benedikt XVI. gratulierte Napolitano zum 87. Geburtstag und beglückwünschte ihn dabei auch zu dem EM-Sieg der „Squadra Azzurra“. Als der Bischof von Rom habe er an der Freude seiner Gläubigen teil, ließ Benedikt dem Staatspräsidenten über seinen Staatssekretär Tarcisio Bertone ausrichten.

Die Autohupen wurden schon in der ersten Halbzeit gedrückt, als Mario Balotelli mit dem Doppelpack die Geschichte fortschrieb, dass das große Deutschland bei solchen Turnieren nicht gegen die Azzurri siegen kann. Nach Mesut Özils Elfmetertor hielt das ganze Land aber nochmal kurz den Atem an. „Eine perfekte Partie, die magische Nacht des Super Mario“, schrieb „La Repubblica“ später. „Ganz Italien feiert“, bilanzierte die „Gazzetta dello Sport“.

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dpa

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