Italiens Fußballer streiken: Tifosi empört über "Idioten"

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Die Stadien blieben leer: Weder am Samstag noch am Sonntag wurde in der Topliga gespielt.

Rom - Zum Saisonstart in der italienischen Serie A ruhte der Ball. Die Fußball-Profis streiken. Die Tifosi sind stinksauer: „Wir werden nicht mehr Idioten mit Millionen unterstützen.“

Leere Stadien sowie wütende Tifosi und Klubchefs: Erstmals in der Geschichte des italienischen Fußball-Oberhauses wurde der geplante Meisterschaftsbeginn wegen eines Spielerstreiks verschoben. In der Serie A ruhte am Wochenende erzwungenermaßen der Ball, die Stadien von Mailand bis Palermo blieben leer. Die fußballverrückten Italiener mussten sich am Sonntag mit den Ergebnissen der Serie-B-Matches begnügen. Weder am Samstag noch am Sonntag wurde in der Topliga gespielt, weil die Liga den von den Spielern geforderten Rahmenvertrag nicht unterzeichnet hat. Die Tifosi, die laut einer Umfrage zu 73 Prozent die Streikgründe ihrer „Helden“ nicht befürworten, sind empört. „Jetzt streiken wir!“ lautet der Slogan enttäuschter Fans, die im Internet Protestaktionen gegen die Profifußballer planen.

„Wir werden nicht mehr Idioten mit Millionen unterstützen“, hieß es auf einem Spruchband, das vor dem Franchi-Stadion in Florenz ausgerollt wurde. Auf Facebook bildeten sich mehrere Gemeinschaften, die zum Protest gegen die hochbezahlten Fußball-Profis aufriefen. In dieser gespannten Atmosphäre ringen Spielergewerkschaften und Serie-A-Liga um eine Lösung. Bis zum nächsten Spieltag am 10. September bleiben noch zwei Wochen.

Verbandspräsident Gianluigi Abete setzt sich als Vermittler ein, um eine Lösung im Streit um den Grundlagenvertrag zu finden. Am Montag trifft er getrennt Liga-Präsidenten Maurizio Beretta und den Chef der Spielergewerkschaft AIC, Damiano Tommasi.

Diskutiert wird über einen Vorschlag von AC Mailands Geschäftsführer Adriano Galliani. Er ruft die Profifußballer auf, ohne Kontrakt die Meisterschaft zu beginnen. „Wir können dann im Laufe der nächsten Monate über einen neuen Rahmenvertrag verhandeln, der auch tiefgreifende Reformen im Fußball beinhalten kann“, sagte Galliani. Dagegen wehren sich jedoch einige Vereinschef.

Die Fronten sind auch in der Liga gespalten. Einige Klubpräsidenten bezeichnen den Streik offen als gravierenden Fauxpas. „Dieser Streik ist ein Fehler von uns allen. Der Meisterschaftsbeginn ist immer ein Fest. Die Saison hätte nach Plan beginnen sollen“, sagte Inter-Boss Massimo Moratti. Einige Vereinspräsidenten warfen Liga-Chef Beretta Unfähigkeit vor und forderten seinen Rücktritt.

Der Streik könnte jetzt den Fußballern teuer zu stehen kommen. Der AC Florenz kündigte an, dass der Klub seinen Spielern wegen des Streiks das Gehalt reduzieren werde. Dagegen wehren sich jedoch die Fußballer heftig. Sie behaupten, dass nicht sie, sondern die Spielergewerkschaft den Arbeitsausstand beschlossen habe. Daher dürfte ihnen das Gehalt nicht reduziert werden.

sid

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