Die Taktik-Analyse

So ist Italien zu knacken

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Italiens Schlüsselspieler: Andrea Pirlo

Warschau - Im EM-Halbfinale gegen Italien wird es darauf ankommen, wie Deutschland mit Andrea Pirlo und dem mittlerweile ungewöhnlichen 4-4-2-System zurechtkommt: die Taktik-Analyse.

Aufgrund des deutschen 4-3-2-1-Systems ist anzunehmen, dass Italien wieder mit einer Viererkette und zwei Spitzen antreten wird. Regisseur Andrea Pirlo, zwei sogenannte „Achter“ auf den Halbpositionen und ein zentraler Akteur komplettieren die Aufstellung, die für italienische Verhältnisse ungewöhnlich offensiv ist.

Die daraus enstehende Spielweise bei Ballbesitz ist relativ einfach: Insbesondere Pirlo versucht meistens, den Ball möglichst schnell vertikal in die zweifach besetzte Spitze zu spielen. Anschließend schiebt sich das Mittelfeld weit nach vorne, um sich mögliche „zweite Bälle“ zu sichern. Auch die Außenverteidiger, die für die Breite im italienischen Spiel zuständig sind, rücken teilweise mit auf, um die Variabilität im Angriff zu erhöhen. Bedient werden sie dann häufig von Pirlo - mit Diagonalbällen. Italien spielte bisher derart erfolgreich und attraktiv, weil es keinem Gegner gelang, den meist tief agierenden Spielmacher Pirlo in den Griff zu bekommen. Immer wieder spielte er seine variablen Pässe, häufig dribbelte er sogar durchs Zentrum, beispielsweise vor dem Führungstreffer gegen Spanien. Um Zugriff auf ihn sowie auf den zweiten Antreiber Daniele de Rossi zu bekommen, sollte die DFB-Elf möglichst häufig hoch pressen.

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Allen voran Mesut Özil wird gefordert sein, die kurzen Anspiele auf Pirlo zu verhindern. Zudem muss Deutschlands sogenannter „Box-to-Box-Spieler“, Sami Khedira, ebenfalls frühzeitig Kontakt mit Italiens Kreativzentrale aufnehmen, um die vertikalen Pässe zu unterbinden. Außerdem wird wichtig sein, dass Deutschlands Außenverteidiger, die diesmal keine direkten Gegenspieler haben werden, situativ die richtigen Entscheidungen treffen: Innenverteidiger unterstützen oder Räume im Mittelfeld schließen.

Anfällig ist die Squadra Azzurra vor allem auf den Flügeln. Die Außenverteidiger haben kein europäisches Topniveau, zudem agiert Italien ohne klassische Flügelspieler, sondern mit „Achtern“ auf den Halbpositionen. Durch ein konsequentes Aufrücken von Jerome Boateng und Philipp Lahm entstünden im Zusammenspiel mit Özil lokale Überzahlsituationen im Angriffsdrittel, die Deutschland in den bisherigen Spielen wie kein anderes Team zu nutzen wusste.

sid

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