Italien bangt um Regisseur Pirlo

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Andrea Pirlo ist der Vielspieler bei den Italienern.

Krakau - Andrea Pirlo ist der Superstar der Italiener. Der geniale Regisseur soll mit seinen Pässen und Freistößen England das Fürchten lehren. Aber reichen die Kräfte des Mittelfeldstars?

Italien sorgt sich vor dem Viertelfinale gegen England um seinen genialen Regisseur Andrea Pirlo. Der begnadete Fußball-Künstler der Squadra Azzurra ist nämlich auch der größte Malocher im Team: 53 Spiele mit insgesamt 4722 Minuten hat der Weltklassefußballer in dieser Saison in den Beinen. Schon beim 2:0 gegen Irland hatte der Mittelfeldstar von Juventus Turin einen kleinen Durchhänger. Geht Marathon-Mann Pirlo jetzt ausgerechnet vor dem Viertelfinale am Sonntag in Kiew die Luft aus?

„Alles darf passieren, nur das nicht!“, flehen sie im Lager der Azzurri. Der 33-Jährige ist unersetzbar. Wer soll Englands Abwehr aushebeln. „Andrea ist einer der größten Mittelfeldspieler in der Geschichte des italienischen Fußballs“, schwärmt Teamkollege Daniele De Rossi. Beim AS Rom spielt De Rossi zwar selbst auf der Pirlo-Position, für die Nationalelf wünscht er sich dennoch nichts sehnlicher, als dass Pirlos Kräfte halten.

Trainer Cesare Prandelli schont seinen Superstar deshalb im Training. Im schwülheißen Krakau muss der Weltmeister von 2006 nichts mehr beweisen. Andrea Pirlos Namen könnten die Italiener auch gleich vorweg auf ihre Aufstellungsformulare drucken lassen.

Bei Juve ist das nicht anders: 41 Spiele hat Pirlo für die Turiner in dieser Saison bestritten. Immer stand er in der Anfangsformation. Nur zweimal ging er vorzeitig vom Platz. Einmal in der 80., einmal in der 87. Minute. Für Juve-Coach Antonio Conte ist Pirlo genauso unverzichtbar wie für Prandelli. „Pirlo ist mehr als die halbe Nationalelf“, schrieb die Gazzetta dello Sport.

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Tatsächlich hat Pirlo Italien fast im Alleingang ins Viertelfinale gebracht. An drei von vier Toren war er maßgeblich beteiligt: Beim 1:1 gegen Spanien legte er mit einem seiner millimetergenauen Pässe zum Tor von Antonio Di Natale auf. Italiens Treffer beim 1:1 gegen Kroatien besorgte er per Zauberfreistoß gleich selbst. Und beim 2:0 gegen Giovanni Trapattonis Iren lieferte er erneut die Vorlage zum befreienden Führungstreffer durch Antonio Cassano.

Spaniens Abwehrchef Gerard Piqué hat ganz recht, wenn er sagt: „Pirlo ist einer, der die Titel holt.“ Um Pirlos Klasse zu begreifen, empfiehlt De Rossi einen Blick in die Statistik: Mit acht Pokalen ist der Juve-Star der erfolgreichste Titelsammler der Italiener: Neben der WM in Deutschland gewann er zweimal die Champions League, wurde Club-Weltmeister, dreimal Meister und je einmal italienischer Pokalsieger und Supercup-Sieger.

Seine zuweilen fast schon apathisch wirkende Ruhe, ein brillantes Auge, gefährliche Freistöße und diese überraschenden Pässe machen den Lombarden einzigartig. „Ich bin in der Form meines Lebens“, sagte Pirlo zum Start der EM.

Dass Trainer Massimiliano Allegri ihn beim AC Mailand nach der Meister-Saison 2011 ausmusterte, hat den 1,77 Meter großen Mittelfeldspieler zusätzlich motiviert. In Turin blühte er wieder auf und führte Juve zum Titel.

Jetzt muss er bei der EM nur noch mit seinen Kräften haushalten, um sein ganz großes Ziel zu erreichen: Sollte Italien mit Siegen gegen England und in einem denkbaren Halbfinale gegen Deutschland das EM-Finale von Kiew erreichen, wäre dies Pirlos 100. Länderspiel.

dpa

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