Palermo überlegt sich's anders

Der irrste Trainerwechsel der Saison?

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Giuseppe Sannino darf wieder Palermo trainieren

Palermo - "Was stört uns unser Handeln von gestern?" Nach dieser Devise ist jetzt der italienische Erstligist US Palermo verfahren - und hat für den vielleicht irrsten Trainerwechsel der Saison gesorgt.

Für die jüngste Runde im Trainerkarussell hat sich der italianische Fußball-Erstligist US Palermo endgültig das Prädikat besonders irrwitzig verdient. Nur einen Tag nachdem sich der abstiegsbedrohte sizilianische Club zum zweiten Mal in dieser Saison von Gian Piero Gasperini getrennt hatte, gab Palermo die Rückkehr von Giuseppe Sannino bekannt. Jener Sannino, der zu Saisonbeginn nach zwei Serie-A-Niederlagen und einem Unentschieden im Amt entlassen worden war.

Insgesamt wurde der Trainerstuhl zum sage und schreibe fünften Mal in dieser Saison neu, bzw. umbesetzt. Denn Palermo verschleißt seine Trainer nicht nur in atemraubendem Tempo. Der Club gibt ihnen auch fast genauso schnell wieder eine zweite Chance.

Und so fing es an: Zur laufenden Saison wurde im vergangenen Sommer Sannino verpflichtet. Nach drei Spieltagen war Schluss. Gasperini, einst bei Inter Mailand, seit September 2011 aber ohne Job, durfte für rund drei Monate ran - eine kleine Ewigkeit in der Zeitrechnung des Vereins unter dem zaudernden Präsidenten Maurizio Zamparini. Für Gasperini kam Alberto Malesani. Drei Wochen, mehr nicht, Ende Februar kehrte Gasperini auf den Chefposten zurück.

„Ich haben nicht zweimal überlegt, wenn der Präsident ruft“, gab er damals zu Protokoll. Zwei Wochen später durfte, besser musste Gasperini den Platz wieder räumen. Nicht mal 24 Stunden später teilte Palermo am Dienstag mit, dass Sannino die Leitung beim Tabellenvorletzten wieder übernimmt.

Und als wäre die Aufgabe am kommenden Sonntag beim AC Mailand nicht schon schwer genug, verbreitete Club-Chef Zamparini schon vor dem erneuten Engagement des gebürtigen Neapolitaners ungebremsten Pessimismus. „Wir können uns nicht mehr retten, es ist Wahnsinn zu glauben, wir könnten es noch schaffen“, wurde er in italienischen Medien zitiert. Er legte in Richtung der Mannschaft, die fünf Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz in den letzten zehn Saisonpartien aufholen muss, noch nach: „Wir brauchen viel Glück und unsere Spieler müssen wieder wie Männer auftreten anstatt wie Memmen.“

Klar, am besten so resolut wie er selbst sich in Sachen Trainern schon immer zeigte: In einem Vierteljahrhundert bei Venedig und Palermo feuerte er 35 Mal den Coach, insgesamt verschliss er 43 Übungsleiter. Dafür gibt es kein Prädikat mehr.

dpa

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