Interview mit Angerers erstem Trainer: Nadine spielte einst im Sturm

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Begann als Elfjährige im Angriff und macht heute ihr 100. Länderspiel als Torhüterin für Deutschland: Nadine Angerer.

Offenbach. Donnerstag, 30. Juni 2011, wird Nadine Angerer ihr 100. Länderspiel bestreiten. Angefangen hat alles 1989 am Rand des Spessarts, im unterfränkischen Gemünden.

Grafik: Mannschaftsaufstellung Deutschland gegen Nigeria

Bei der Allgemeinen Sportvereinigung (ASV) Hofstetten hat Nadine Angerer in einer von nur sieben Mädchenmannschaften in Unterfranken gespielt. Ihr erster Trainer war Paul-Ludwig Maiberger.

Herr Maiberger, wie alt war Nadine Angerer, als sie bei der ASV Hofstetten mit dem Fußball angefangen hat?

Maiberger: Elf Jahre, sie musste damals bei uns spielen, weil sie bei den Jungs nicht mehr mitspielen durfte.

War damals ihr Talent schon zu erkennen?

Zur Person

Paul-Ludwig Maiberger (66) ist inzwischen Pensionär, zuvor arbeitete er 45 Jahre bei der AOK. Noch immer trainiert er die U15 der Spielgemeinschaft TSV Neuhütten/Hofstetten.

Maiberger:
Ja, aber noch nicht als Torhüterin. Sie hat nicht im Tor angefangen, sondern im Sturm. Nadine hatte als Stürmerin großes Talent. Dabei war sie ziemlich eigensinnig. Ans Abgeben hat sie selten gedacht, aber sie hat fast alle Tore für uns geschossen. Sie ist als 14-Jährige nicht als Torhüterin, sondern als Stürmerin in die Unterfrankenauswahl eingeladen worden.

Wie kam sie dann ins Tor?

Maiberger: Bei einem Bezirksturnier in München hatte sich die Torhüterin verletzt, da hat sich Nadine ins Tor gestellt und wurde sofort in die Bayernauswahl berufen.

Und war seitdem nur noch Torhüterin?

Maiberger: Nein. Bei uns hat sie nur in der ersten Halbzeit im Tor gespielt und das 0:0 gehalten. In der Pause hat sie dann ihre kleine Nichte ins Tor gestellt und hat selbst vorne die Tore geschossen.

Wann hat sie die ASV Hofstetten verlassen?

Maiberger: Als sie 1995 aus der Jugend kam, war klar, dass sie wechseln muss. Sie ist in die 2. Liga zum 1. FC Nürnberg.

Gab es Ablöse?

Maiberger: Quatsch. Nadine hat auch nichts bekommen, nur die Zugfahrkarte von Gemünden nach Nürnberg. Ein Jahr später hat sie ihr erstes Länderspiel gemacht. Aber erst in Potsdam hat Turbine-Trainer Bernd Schröder sie auf Vordermann gebracht und richtig geformt.

War Nadine in jungen Jahren schwer zu trainieren?

Maiberger: Sagen wir mal so, sie war nicht die Zuverlässigste. Sie hat jemanden gebraucht, der sagt, so geht es und nicht anders. Aber sie war immer sehr trainingsfleißig. Schon als Mädchen hat sie viermal die Woche trainiert, zweimal bei uns, zweimal mit den Jungs.

Nicht weit von Gemünden, in Würzburg, wurde gestern Dirk Nowitzki groß empfangen. Ist in Gemünden nach der WM auch ein Empfang geplant?

Maiberger: Ich war gestern beim Bürgermeister, man hat so etwas vor - wenn die deutsche Mannschaft weit kommt.

Von Jochen Koch

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