Inter feiert "Talente-Mourinho"

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Andrea Stramaccioni (r.) jubelt mit Mauro Zarate

Mailand - Auch die für Torarmut berüchtigte Serie A bekam am Sonntag ihr Wahnsinnsspiel. Beim Debüt des neuen Trainers explodierte Inter Mailand förmlich.

Neun Tore, vier Elfmeter in 30 Minuten, zwei Platzverweise, Dramatik bis zur letzten Sekunde: Nicht nur die Fußball-Bundesliga hatte am Wochenende ihr „Wahnsinnsspiel“. In Italien ging es am Sonntag beim Einstand des Trainers Andrea Stramaccioni auf der Bank von Inter Mailand ähnlich wild zu. Inter, das in den acht Spielen zuvor unter Claudio Ranieri insgesamt nur vier Tore erzielt hatte, explodierte und siegte gegen den FC Genua 5:4 (3:1).

„Das neue Inter: Verrückt und erfolgreich“, schrieb sogleich die Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport. Mehrere Konkurrenzblätter erhoben Stramaccioni, einen promovierten Juristen aus Rom, bereits zum „Mourinho der Jungtalente“ - kurz vor seiner Beförderung hatte der ehemalige Abwehrspieler des FC Bologna mit dem Inter-Nachwuchs das hochkarätig besetzte Jugendturnier „NextGenSeries“ gewonnen.

Nun habe er, analysierte die Gazzetta euphorisch, die kriselnde A-Mannschaft des 18-maligen Meisters „in wenigen Tagen revolutioniert“, weiterhin habe der Debütant gleich im ersten Anlauf „San Siro erobert“. Stramaccioni, dem Humor und Bescheidenheit zugeschrieben werden, wird dies sogar ein wenig peinlich gewesen sein. „Der Präsident Massimo Moratti hatte mir gesagt, dass er viel Spaß haben wolle. Vielleicht haben wir dabei etwas übertrieben, doch am Ende war er begeistert“, sagte der 36-Jährige.

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Spaß hatten wohl fast alle Beteiligten, zumindest die Zuschauer und Inter-Spieler. Die Nerazzurri spielten sich (ähnlich wie Borussia Dortmund beim 4:4 gegen den VfB Stuttgart) zunächst eine vermeintlich sichere Führung heraus, doch nach dem 3:0 überschlugen sich die Ereignisse. Drei Elfmeter brachten Genua immer wieder zurück ins Spiel, ein weiterer Strafstoß für Inter sorgte kurz vor dem Ende für die Vorentscheidung. In der Schlussphase wurden zudem Inters Torhüter Julio Cesar und Genuas Fernando Belluschi vom Platz gestellt.

Seit zwei Monaten hatte Inter keinen Sieg mehr gefeiert. „Wir mussten endlich siegen. Der Coach ist jung, aber er hat klare Ideen, und er hat in diesen wenigen Tagen großartige Arbeit geleistet. Jetzt können wir das Blatt wenden und auf Neubeginn setzen“, sagte Kapitän Javier Zanetti, der übrigens zweieinhalb Jahre älter ist als sein Trainer. Stramaccioni soll seine Stärke bei der Talentsichtung voll einbringen: „Wir wollen verstärkt auf Nachwuchs setzen. Es geht um die richtige Mischung“, sagte Sportdirektor Marco Branca.

Erleichterung, ja, aber für übertriebenen Jubel gibt es im Inter-Lager keinen Anlass. Noch immer liegt der Champions-League-Sieger von 2010 vier Punkte hinter den Europapokalplätzen, demütigende 20 Punkte trennen Inter vom Tabellenführer und Erzrivalen AC Mailand, an den Rekordmeister Juventus Turin mit dem 3:0 (0:0) gegen den SSC Neapel bis auf zwei Punkte heranrückte.

Die Torfolge: 1:0 Diego Milito (13.), 2:0 Milito (27.), 3:0 Walter Samuel (38.), 3:1 Emiliano Moretti (45.), 3:2 Rodrigo Palacio (59., Elfmeter), 4:2 Mauro Zarate (74.), 4:3 Alberto Gilardino (80., Elfmeter), 5:3 Milito (85., Elfmeter), 5:4 Gilardino (90., Elfmeter). - Platzverweise: Julio Cesar (79.), Fernando Belluschi (84.).

sid

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