Rotation - aber wie?

"Werde nicht Lose aus dem Zylinder ziehen"

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Spielt Franck Ribéry? Das ist wohl auch von seiner Fitness abhängig. Ansonsten hat Jupp Heynckes die Qual der Wahl

München - Jupp Heynckes ist derzeit ein glücklicher Trainer. Der 67-Jährige kann beinahe blind jeden Spieler bringen, den er will: es funktioniert. Und am Samstag?

Bayern München hat jedes Pflichtspiel gewonnen und steht seinem Selbstverständnis entsprechend in der Liga auf dem ersten Platz. Doch am Samstag wartet nun im Bundesliga-Spitzenspiel bei Schalke 04 (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) die erste wirkliche Kraftprobe. „Wir sind gut in die Schluppen gekommen“, sagte Heynckes am Freitag, „aber Schalke wird sicher die bis dato schwierigste Aufgabe - ein richtiger Prüfstein.“

Dazu passt, dass Vorstandsboss Karl-Heinz Rummennige nach dem Auftakt in die Champions League gegen den FC Valencia (2:1) gar nicht bayern-like davon sprach, der FC Bayern fahre nach Gelsenkirchen, „um nicht zu verlieren“. Auch an der Säbener Straße ist also aufgefallen, dass die Königsblauen im Vergleich zum Vorjahr Stabilität, Struktur und Selbstvertrauen gewonnen haben. „Schalke harmoniert gut, hat sehr gute Typen und ist mutig. Ganz anders als die letzten zwei Jahre“, findet Heynckes. Will sagen - Schalke ist ein ernster Titelanwärter.

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Doch bei allem Respekt treten die Bayern keinesfalls ehrfürchtig an. Denn beim Rekordmeister zeichnet sich in der Breite eine beeindruckende Qualität ab, obwohl derzeit David Alaba und Mario Gomez noch verletzt fehlen. Heynckes gefällt diese Situation. Er lächelte, als er sagte, dass seine Mannschaft „im positiven Sinne unberechenbar“ sei und „viele Optionen“ biete. „Ich habe die Garantie, Wechsel vornehmen zu können, auch wenn es ein gewisses Risiko beinhaltet.“

So fanden sich gegen Valencia der laut Heynckes derzeit überragende Thomas Müller und der ebenfalls starke Mario Mandzukic unerwartet auf der Bank wieder. Auf Schalke schließt der Trainer Ähnliches nicht aus, zumal ein Einsatz von Franck Ribery noch fraglich ist. Doch seien die Wechsel jedes Mal wohl durchdacht. „Ich werde nicht Lose aus einem Zylinder ziehen“, sagte Heynckes.

Auch die Egoismen der ja gerne mal sensibel auf Degradierungen reagierenden Bayern-Stars ließen sich mit dieser Strategie vereinen. „Sie wissen, ich will damit für die Mannschaft Erfolg haben“, sagte Heynckes. München gleicht demnach gerade trotz zweier Jahre ohne Titel einer Art Wohlfühloase, mit einem vom Trainer als äußerst positiv bezeichneten Binnenklima.

Auf Schalke ist die Laune nicht weniger gut. Die Mannschaft von Huub Stevens ist ebenso unbesiegt wie der FC Bayern und möchte am liebsten die zweite Rückkehr von Nationaltorhüter Manuel Neuer in seine Heimat zu einer königsblauen Gala werden lassen. Schalke will im Vergleich zum letzten Jahr, als beide Duelle 0:2 ausgingen, „ein anderes Gesicht zeigen. Wir müssen mutiger agieren, dürfen aber den Kopf nicht verlieren“, sagte Sportdirektor Horst Heldt. „Wir lechzen danach, gegen die mal wieder einen Sieg einzufahren“, fügte Benedikt Höwedes hinzu.

Für Trainer Stevens, der im Angriff womöglich den erkälteten Torjäger Klaas-Jan Huntelaar und im Mittelfeld Jermaine Jones (Sprunggelenk) ersetzen muss, wird nach dem Spiel auch der Maßstab für sein Team stehen. „Ob wir an Bayern herangerückt sind, das werden wir sehen. Wir haben Selbstvertrauen und wissen um unsere Qualitäten“, sagte der Niederländer. Die Bayern jedoch auch.

sid

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