Was sagen eigentlich die Regeln?

Huszti-Platzverweis nach Jubel: Das sagt der Schiri

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Deniz Aytekin zeigte Szabolcz Huszti Gelb-Rot

Hannover - Szabolcz Huszti wurde zum Matchwinner im Nord-Derby - und flog dann wegen seines Jubellaufs vom Platz. Bei vielen herrscht Unverständnis. Was sagt der Schiedsrichter?

Emotionen erwünscht, übertriebener Torjubel nicht. Trikotausziehen wird seit 1996 mit einer Gelben Karte geahndet wird. Das weiß auch Hannovers Profi Szabolcz Huszti, tat es nach seinem Siegtor gegen Werder Bremen dennoch. Zudem kletterte er am Zaun hoch, um mit den Fans zu jubeln. Dass auch diese Art des Feierns laut Paragraf 12 der Fußball-Regeln eine Verwarnung nach sich zieht, wusste der frühere ungarische Nationalspieler nicht.

„Das war doof von mir“, sagte Huszti. Schiedsrichter Deniz Aytekin erklärte ihm mit Worten und Gesten ausführlich die Regel, zeigte ihm zweimal gelb und schickte Huszti in der Nachspielzeit mit Gelb-Rot vom Platz. Angeblich regelkonform, wie selbst Kritiker des umstrittenen Unsportlichkeit-Paragrafen einräumten. „Das tat mir fast schon weh“, erklärte Aytekin. „Aber ich hatte die Szene gesehen. Da musste ich das als Exekutive durchziehen.“

Aber musste er das wirklich? Die Legislative hat nicht nur festgelegt, dass ein Spieler verwarnt wird, wenn er a) nach Meinung des Schiedsrichters mit provozierenden, höhnischen oder aufhetzenden Gesten jubelt, b) an einem Zaun hochklettert, um einen Treffer zu feiern, c) sein Hemd auszieht oder es über seinen Kopf stülpt oder d) Kopf oder Gesicht mit einer Maske oder Ähnlichem bedeckt.

Im Regeltext steht auch: „Von den Schiedsrichtern wird erwartet, dass sie in solchen Situationen präventiv auf die Spieler einwirken und bei der Beurteilung des Torjubels gesunden Menschenverstand walten lassen.“ Dieser Passus, den man auch als Fingerspitzengefühl bezeichnen kann, war dem Schiedsrichter wohl entfallen. Sonst hätte Aytekin es bei einer Gelbe Karte belassen können und hätte die Partie nicht sofort nach dem Platzverweis und dem Wiederanstoß abgepfiffen.

Unwissenheit schützt bekanntlich nicht vor Strafe. Einzig Teamkollege Jan Schlaudraff sah das Unheil für den kleinen Dribbler, der erst vor drei Wochen nachverpflichtet wurde, kommen: „Ich habe irgendwie geahnt, was passieren könnte. Aber ich konnte nichts machen und ihn nicht mehr zurückhalten.“

Und so durfte Huszti sich damit trösten, mit seinem Tor die Position der Niedersachsen als Nummer eins des Norden zementiert zu haben. Dennoch werden die „Roten“ ihren guten Bundesliga-Start ohne den spielfreudigen Huszti, der schon das Führungstor (6.) per Freistoß selbst erzielt und das 2:0 von Leon Andreasen (10.) per Flanke vorbereitet hatte, am nächsten Sonntag in Hoffenheim ausbauen müssen. 96-Trainer Mirko Slomka, erster Gratulant und Tröster von Huszti am Spielfeldrand, sah den Platzverweis mit gemischten Gefühlen: „Er war regelkonform. Andererseits wird es ja immer für gut erachtet, wenn die Spieler positive Emotionen rüberbringen.“

Die spektakuläre Aktion des 29-Jährigen war nur der krachende Schlussakkord einer spektakulären Partie, die Hannover mit 3:2 gewann, die aber keinen Verlierer verdient hatte. „Was für ein Klassespiel! Es war alles drin, es war alles da“, schwärmte Werder-Trainer Thomas Schaaf, auch die Analyse seines Kollegen Slomka fiel euphorisch aus: „Es war eine irre Partie und ein ziemliches Spektakel.“

dpa/sid

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