Huntelaar soll EM-Aus verhindern - Ronaldo unter Druck

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Sollen Ihre Teams ins Viertelfinale der EURO 2012 schießen: Portugals Cristiano Ronaldo (l.) und Hollands Klaas-Jan Huntelaar.

Charkow - Stemmen gegen das Aus: Gegen Portugal kann Hollands Klaas-Jan Huntelaar beweisen, dass er bislang zu Unrecht auf der Bank schmorte. Portugal setzt weiter auf Ronaldo.

Mit geballter Hilfe aus Deutschland wollen die Niederlande das erste Vorrunden-Aus bei einer EM seit 32 Jahren doch noch verhindern. In Charkow soll Bundesliga-Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar am Sonntag (20.45 Uhr) mit seinen Treffern für den nötigen Zwei-Tore-Sieg gegen Portugal sorgen, im rund 1000 Kilometer entfernten Lwiw die DFB-Elf im Parallelspiel Dänemark bezwingen. Nur bei dieser Konstellation hat der Vize-Weltmeister noch eine Möglichkeit auf das Weiterkommen.

"Wir werden unsere letzte Chance mit aller Macht ergreifen", kündigte Huntelaar an. Der Schalker wird im Alles-oder-Nichts-Spiel erstmals bei dieser Fußball-Europameisterschaft von Beginn an auflaufen. "Wir haben zweimal verloren. Daher werde ich etwas ändern", kündigte der umstrittene Bondscoach Bert van Marwijk an. Alles deutet darauf hin, dass van Marwijk erstmals Huntelaar und Premier-League-Star Robin van Persie gemeinsam aufbieten wird, so wie von Fans und Experten seit langem gefordert.

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Van Persie soll hinter Huntelaar als "Schattenspitze" agieren, Spielmacher Wesley Sneijder rückt dafür auf die linke Seite, Arjen Robben besetzt weiter den rechten Flügel. Auch der Bayern-Profi ist heiß auf das Duell mit dem Angstgegner aus Portugal, gegen den die Elftal erst einmal gewinnen konnte. "Ich bin ein Gewinnertyp und will mit dieser Mannschaft etwas erreichen", sagte Robben. "Darum beschäftige ich mich auch noch nicht mit dem Ausscheiden, sondern nur mit dem, was wir noch schaffen können."

Robben wurde von van Marwijk nach der Niederlage gegen Deutschland zwar wie sein Flügelpartner Ibrahim Afellay heftig kritisiert, dennoch wird der Münchner eine neue Chance erhalten. Für Kapitän und Schwiegersohn Mark van Bommel hat van Marwijk dagegen zunächst keinen Platz mehr. Der 35-Jährige muss wohl Rafael van der Vaart weichen, von dem sich der ehemalige Dortmund-Trainer mehr kreative Impulse aus dem defensiven Mittelfeld heraus verspricht.

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Van Bommel wird seine Reserverolle akzeptieren, der frühere Münchner wehrte sich aber gegen den Vorwurf, er sei zu alt für die Nationalmannschaft. "Das ist Blödsinn", sagte der Routinier. "Wenn die Räume auf dem Feld so groß sind, wie bei uns gegen Deutschland, dann kann sie niemand zulaufen. Da spielt das Alter keine Rolle."

Van Bommel hat jedoch an Einfluss verloren, heimlicher Kapitän im Oranje-Team ist längst Wesley Sneijder. Der Edeltechniker von Inter Mailand gibt auf dem Platz die Kommandos und soll auch entscheidend dazu beigetragen haben, dass van Marwijk nach zwei Pleiten endlich über seinen Schatten springt und die Aufstellung ändert. "Vor zwei Jahren standen wir noch im WM-Finale. Und jetzt soll nach der Vorrunde Schluss sein? Das darf nicht sein", sagte Sneijder. "Wir müssen die Portugiesen von der ersten Minute an unter Druck setzen, jetzt heißt es nur noch Alles oder Nichts."

Doch die Portugiesen wollen selbst ihre Chance nutzen und in die K.o.-Runde einziehen. Mut macht ihnen besonders ein Blick in die Statistik. Von zehn Duellen mit den Niederlanden verlor Portugal nur ein einziges. Wenn es um etwas ging, hatten die Südeuropäer stets das bessere Ende für sich: Im Achtelfinale der WM 2006 in Deutschland und zwei Jahre zuvor im Halbfinale der EM in Portugal kam für das Oranje-Team gegen die Portugiesen ebenso das Aus wie in der Qualifikation zur WM 2002 in Japan und Südkorea.

Auch von der Dauer-Hysterie um den formschwachen Cristiano Ronaldo wollen sich die Portugiesen nicht von ihrem Weg abbringen lassen. "Aus unserer Sicht hat er zwei gute Spiele gemacht. Alle von uns freuen sich nun auf Holland", sagte Trainer Paulo Bento. Der heftig kritisierte Star von Real Madrid versucht, gelassen zu bleiben. "Wenn ich keine Tore schieße und das Team gewinnt, dann bin ich voll zufrieden", sagte er nach dem 3:2 über Dänemark.

Von Lars Reinefeld und Sebastian Stiekel, dpa

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