Huntelaar finanziert sich selbst

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Klaas-Jan Huntelaar traf wieder doppelt

Gelsenkirchen - Tor-Phänomen Klaas-Jan Huntelaar könnte sich selbst finanzieren, wenn er Schalke 04 in die Champions League führt. Andererseits weckt er mit jedem Tor das Interesse weiterer Spitzenklubs.

Der „Hunter“ trifft auf seiner Rekordjagd weiter nach Belieben und bastelt selbst an seiner Zukunft bei Schalke 04. „Das Wichtigste ist, dass wir nächstes Jahr in der Champions League spielen können“, sagte Klaas-Jan Huntelaar nach seinem Doppelpack beim 2:0 (1:0) gegen Bayer Leverkusen und schloss sich selbst zumindest für die nächste Saison ein: „Ich habe noch Vertrag auf Schalke. Da sollte ich noch da sein.“

Mit jedem Tor, das der Niederländer erzielt, wird er für die Königsblauen zwar teurer. Er schafft damit aber auch eine wichtige Voraussetzung für sein Bleiben. „Natürlich will er lieber in der Champions League spielen, keine Frage“, sagte Manager Horst Heldt, der die Verhandlungen mit dem Torjäger über eine Vertragsverlängerung über 2013 hinaus eröffnet hat. Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies stellte Huntelaar bei Sport1 ein „Top-Angebot“ in Aussicht: „Wir wollen ihn behalten.“

Mit seinen Bundesliga-Toren Nummer 21 und 22 in dieser Saison, zwei Kopfball-Treffern in Weltklasse-Manier (18. und 86.), brachte Huntelaar die Gelsenkirchener nicht nur auf den dritten Tabellenplatz und damit auf den direkten Weg in die Königsklasse. Der 28-Jährige schrieb auch Schalker Vereinsgeschichte: Er holte den Dänen Ebbe Sand ein, der 2000/01 mit dem „Meister der Herzen“ letzter königsblauer Torschützenkönig geworden war. Nur noch die Schalker Legende Klaus Fischer hat in der Bundesliga häufiger getroffen als der „Hunter“ - 24-mal in der Spielzeit 1976/77 und 29-mal im Jahr davor.

Seinen eigenen Rekord hat der Niederländer schon fast erreicht. Zu den 41 Pflichtspieltoren aus der Saison 2005/06 fehlt nur noch ein Treffer. Ob die Bundesliga derzeit den besten Huntelaar aller Zeiten sieht, wollte er nicht beantworten. Eine Erklärung für seine unglaubliche Erfolgsquote hatte er aber doch: „In der letzten Saison wurde immer der lange Ball gespielt. Jetzt kombinieren wir mehr. Wir spielen mehr Fußball.“

Er fühle sich „auf Schalke superwohl“, betonte Huntelaar, der den Klub im Sommer für eine festgeschriebene Ablösesumme von angeblich 20 Millionen Euro verlassen kann, und Heldt nahm die Vorlage gerne auf. „Wir haben auch einiges zu bieten. Nicht jeder will nach Anschi oder Unschi des Geldes wegen“, sagte der Sportdirektor mit Blick auf den russischen Großeinkäufer Anschi Machatschkala, „und ich weiß auch nicht, ob man mit Shanghai in der nächsten Saison in der Champions League spielen kann.“

Bewegung kommt auch in die Verhandlungen mit Raul. Das zweite Treffen steht an, „erstmal auf Beraterebene“, so Heldt. Tönnies erklärte, Schalke habe „das Portmonee so weit aufgemacht, wie es der Konsolidierungskurs zulässt. Zunächst einmal sind wir stolz, dass Raul hier bei uns spielt. Ihm einen Zweijahresvertrag zu geben, halte ich aber nicht für sinnvoll. Ich sage es ganz deutlich: Wir wollen ihn gerne halten - und zwar für ein Jahr.“

Auch beim spanischen Weltstar, der auf geschätzte drei Millionen Euro im Jahr verzichten soll, dürfte die Champions League ein gutes Argument sein - könnte er doch seinen Torrekord in der Königsklasse weiter ausbauen.

Ein Gegentorrekord hat indes Bayer Leverkusen völlig aus der Bahn geworfen. Seit dem 1:7 gegen den FC Barcelona und Weltfußballer Lionel Messi hat der Vizemeister mit drei Bundesliga-Pleiten in Folge nicht nur die Chance auf eine Rückkehr in die Champions League verspielt, es droht mittlerweile sogar ein Jahr ohne internationalen Fußball. „Wir müssen aufpassen. Wir sind zwar noch Fünfter, aber wir müssen mehr tun“, warnte Sportdirektor Rudi Völler: „Wir müssen ein bisschen mehr Gas geben.“

Die Verfolger sitzen Bayer im Nacken. Sollte das Team von Trainer Robin Dutt weiter so leidenschaftslos wie auf Schalke spielen, wo es mit zwei Gegentoren noch sehr gut bedient war, könnte es am Saisonende ein böses Erwachen geben. Mit etwas mehr Wucht ging lediglich Simon Rolfes zur Sache - als er mit dem Ellbogen den Schalker Julian Daxler im Gesicht traf. „Das war keine Absicht, es tut mir leid“, sagte der Kapitän, dem noch ein Nachspiel droht. Denn Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte „die Szene überhaupt nicht gesehen. Was im Nachgang passiert, obliegt der Sportgerichtsbarkeit.“

sid

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

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