Huntelaar: Botschafter der simplen Weisheiten

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Klaas-Jan Huntelaar

Gelsenkirchen - Klaas-Jan Huntelaar trifft für Schalke 04 derzeit, wie er will. Das war nicht immer so. Die Phase in der vergangenen Saison, in der der Niederländer mehr als 1000 Minuten lang das Tor nicht traf, scheint Lichtjahre entfernt.

Als Klaas-Jan Huntelaar vor zwei Jahren für ein Lehrfilmchen der UEFA das Geheimnis seiner Tore erklären sollte, sprach er, wie er auf dem Platz spielt: schnörkellos, unkompliziert, geradlinig. „Ich beobachte meinen Gegenspieler und platziere mich hinter ihm, wenn der Ball über den Flügel kommt“, sagt Huntelaar etwas hölzern in die Kamera, „dann schaue ich auf den Torwart, wähle eine Ecke und konzentriere mich darauf, den Ball vernünftig zu treffen.“ So einfach ist das.

2005/2006 wurde er auf diese Art Welttorjäger, für Ajax Amsterdam erzielte er damals 51 Treffer in einer Saison. Derzeit ist „The Hunter“, der Jäger, für Schalke 04 wieder auf Rekordjagd. 21 Tore in 18 Pflichtspielen für die Königsblauen stehen zu Buche - und zwar vor dem Europa-League-Spiel am Donnerstagabend gegen den krassen Außenseiter AEK Larnaka, der schon das Hinspiel auf Zypern 0:5 verloren hatte. Huntelaar traf dort zweimal.

Derzeit trifft er fast immer, wie er will, und Schalkes Sportdirektor Horst Heldt hat dafür eine einfache Erklärung. „In der Box“, sagt der Ex-Profi und meint den Strafraum, „ist er weltklasse.“ Auch Huntelaars Mitspieler neigen dazu, die Vorzüge des niederländischen Botschafters der simplen Fußball-Weisheiten nicht zu kompliziert zu beschreiben. „Wir müssen nur die Bälle in den Strafraum schlagen, er bringt die schon irgendwie im Tor unter“, sagt Julian Draxler.

Der 18-Jährige, mittlerweile eine feste Größe im Schalker Spiel und auf der linken Seite wichtiger Vorlagengeber für den Top-Stürmer, hat in der vergangenen Saison meist von der Ersatzbank aus erlebt, dass es auch bei Huntelaar anders laufen kann. Zwischenzeitlich wartete der Niederländer mehr als 1000 Minuten auf einen Torerfolg im königsblauen Trikot. Der teuerste Einkauf der Schalker Klubgeschichte, im Sommer 2010 für 14 Millionen Euro vom AC Mailand gekommen, drohte als Fehleinkauf abgestempelt und abgeschoben zu werden. Erst ein paar Monate ist das her. Es wirkt wie eine böse Episode aus grauer Vorzeit.

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

Allerdings hat sich seitdem auf Schalke tatsächlich viel verändert. Nach Felix Magath und Ralf Rangnick hat nun Huub Stevens das Sagen. Huntelaar meint, er wisse, wie sein Landsmann tickt, obwohl er vorher nie unter ihm trainiert hat. Doch seine Torflaute endete schon vorher, allein am Trainerwechsel kann es also nicht gelegen haben. Wahrscheinlich weiß der 28-Jährige selbst nicht so genau, warum die einfachen Dinge im Strafraum, die er eigentlich wie im Schlaf beherrscht, vorübergehend Hexenwerk waren.

Wobei auch dies nicht so ganz stimmt. In der Nationalmannschaft hat Huntelaar immer zuverlässig getroffen, mit zwölf Toren war er erfolgreichster Schütze der EM-Qualifikation. Entsprechend schien das Problem ein rein königsblaues zu sein.

Auf Schalke begannen sie also vorsichtig, an Stellschrauben zu drehen, um den teuren Torjäger wieder in die Spur zu bringen. Vielleicht war es neben Rangnicks und Stevens' Fingerspitzengefühl nur eine Nuance, die den Erfolg zurückbrachte.

Einst legte Huntelaar die Wegstrecke zwischen seiner Heimat Angerlo, einem 1400-Seelen-Ort in der Gemeinde Zevenaar im Gelderland, und der Arena selbst zurück. Gut 100 Kilometer liegen zwischen Freundin Maddy, den Söhnen Axel (3 Monate) und Seb (2 Jahre) und der Arena. Nun, auf sanften Druck des Klubs, spielt Huntelaars Vater Dirk-Jan den Chauffeuer. „Da kann ich mich voll auf Fußball konzentrieren“, sagt der Hunter. Und bevor er frisch auf die Jagd geht, verrät er noch ein Tor-Geheimnis: „Du musst immer besonders clever sein.“

sid

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