EM-Ansage: Vize-Bayern bleiben Chefs

+
Mats Hummels

Tourettes - Joachim Löw will die Bilder vom verzweifelten Schweinsteiger schnell vergessen. Er braucht die Bayern-Verlierer weiter als Chefs bei der EM. Das akzeptieren auch die Dortmunder Doppelsieger.

Die titellosen Bayern bleiben die Chefs für die deutsche EM-Titelmission. Nicht einmal die Dortmunder Double-Gewinner kratzen nach den bitteren Münchner Finalniederlagen in DFB-Pokal und Champions League an der herausragenden Position von Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Co. in der Nationalmannschaft.

Das ist Jogis vorläufiger EM-Kader

Das ist Jogis EM-Kader!

“Nein, auf keinen Fall“, erklärte BVB-Meisterspieler Mats Hummels am Montag zu möglichen neuen Führungsansprüchen der Borussen-Akteure im DFB-Team. “Sie werden natürlich auch hier die Führungsrolle wieder übernehmen aufgrund ihre Stellung und ihrer Länderspiele“, sagte der 23 Jahre alte Hummels zu den acht Münchner EM-Kandidaten, die erst an diesem Freitag im Trainingslager in Südfrankreich erwartet werden.

Auch für Joachim Löw bleiben die Bayern seine wichtigste Fraktion auf dem Weg zum angestrebten Titelgewinn am 1. Juli in Kiew. Behutsam will der Bundestrainer die Münchner mental aufrichten und für die nächste große Aufgabe motivieren. “Die Bayern haben die Meisterschaft nicht gewonnen, Pokal und Champions-League-Endspiel im eigenen Stadion verloren - das zehrt an Nerven und Psyche. Wichtig ist jetzt, einfach mal etwas anderes zu tun und nicht an Fußball denken zu müssen“, erklärte der 52 Jahre alte DFB-Chefcoach in Südfrankreich.

Löw ist nicht nur als Psychologe, sondern auch als Stratege gefragt. Er muss zwar Köpfe und Körper der niedergeschlagenen Münchner, allen voran von Vizekapitän Schweinsteiger, innerhalb kürzester Zeit fit machen für den Angriff auf den ersten deutschen Titelgewinn seit 16 Jahren. Andererseits braucht er auch einen gesunden Konkurrenzkampf - erst um die 23 endgültigen Kaderplätze, dann um die Stammpositionen im Team.

Die Dortmunder halten sich mit Kampfansagen zurück. “Für uns geht es darum reinzukommen, für zwei, drei Leute darum, hier zu spielen“, bemerkte Hummels: “Führungsrolle? Diesen Anspruch haben wir noch gar nicht.“ Der beim FC Bayern ausgebildete Abwehrmann hat die besten Aussichten der fünf Dortmunder auf einen Startplatz: “Im Moment sieht es so aus, dass für mich die Chance da ist zu spielen.“

Zudem könnte sich für Marcel Schmelzer auf der linken Abwehrseite eine Position in der EM-Elf auftun, falls Löw Kapitän Lahm doch nach rechts beordert. Der junge Mario Götze (19) sieht Löws Entscheidungen ohne jede Vereinsabhängigkeit: “Ob einer Spieler von Dortmund oder Bayern ist, spielt keine Rolle. Es wird nach Leistung entschieden.“

Baumeister Löw weiß natürlich um Vorzüge und Gefahren der Bayern-Dominanz in seinem Kader. Schweinsteigers Chef-Qualitäten sind nach 90 Länderspielen unumstritten, doch auch der 27-Jährige braucht für die EM wieder sein maximales Leistungsniveau. “Er wird sich wieder seiner Fähigkeiten erinnern. Wir brauchen ihn, er ist ein Führungsspieler, und er wird diese Anforderung erfüllen“, unterstrich Löw. Dazu will er vom Hochgefühl der Dortmunder sowie der Real-Profis Mesut Özil und Sami Khedira profitieren, die am Montag bei Dauerregen in Tourrettes in die EM-Vorbereitung eingestiegen sind.

“Es hilft, dass wir Spieler haben, die große Erfolge und Selbstbewusstsein mitbringen. Özil und Khedira haben Großes geleistet für Real. Sie sind in dem vergangenen Jahr als Persönlichkeiten gewachsen“, urteilte Teammanager Oliver Bierhoff. Das Duo kann als spanischer Meister mit stolz geschwellter Brust angreifen. “Meister vor Barcelona, das heißt schon was, und das noch mit so einer Punktzahl“, schwärmte der Bundestrainer. Für Khedira ist die bisherige Saison “sensationell mit der 100-Punkte-Marke und Mesut Özil in der spanischen Elf des Jahres“.

Deutschlands Fan-Liebling Özil traut sich und dem deutschen Team beim Turnier in Polen und der Ukraine alles zu: “Jetzt wollen wir die Europameisterschaft holen. Und ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können.“ Die Sportliche Leitung kann froh sein über dieses Anspruchsdenken, mit dem andere mitgerissen werden sollen. “Es hilft natürlich, wenn die Bayern kommen und müssen nicht alle anderen Spieler mitziehen“, erklärte Bierhoff.

dpa

Kommentare