Hummels und Badstuber: Die Bruchlandung

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Mats Hummels (l.) und  Holger Badstuber nach Abpfiff auf der Bank

Warschau - Bis zum Halbfinale war Mats Hummels einer der Gewinner in der Nationalelf. Zusammen mit Holger Badstuber hatte er die Abwehr souverän organisiert. Die Niederlage gegen Italien trübte jedoch den guten Eindruck.

Mats Hummels ist 1,92 m groß, Holger Badstuber 1, 90 m. Aber als die hünenhaften Abwehrspieler nach dem 1:2 gegen Italien nebeneinander auf dem Rasen standen und gestikulierten, wirkten sie sehr klein. Nichts mehr war übrig gewesen von ihrer Souveränität und Klasse, die beide vier Spiele lang in der deutschen Innenverteidigung ausgestrahlt hatten. Ausgerechnet im Halbfinale der EM, ausgerechnet in dem Moment, in dem es darauf ankam, erwischten der Dortmunder Hummels und der Münchner Badstuber einen schwarzen Abend.

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Besonders Hummels war als Aufsteiger gefeiert worden, und es zeichnete ihn aus, dass er nach der Niederlage gegen Italien (1:2) äußerst selbstkritisch war. „Vor dem 0:1 bekomme ich den Ball nicht, und Cassano kann flanken. Holger und ich haben die entscheidenden Zweikämpfe verloren“, gestand der 23-Jährige kleinlaut ein. Bundestrainer Joachim Löw sah das genauso, nahm Hummels aber in Schutz: „Er hat sicher einen Fehler gemacht, aber es war seine erste EM. Insgesamt war er überragend.“

Einen Fehler, das war gnädig geurteilt. Denn BVB-Star Hummels hatte in seiner Analyse verschwiegen, dass er sich von Antonio Cassano auf engstem Raum hatte regelrecht vorführen, düpieren lassen. Der Italiener drehte sich um Hummels herum wie um eine Slalomstange, flankte ungehindert, Mario Balotelli köpfte in der Mitte ein. Badstuber? Kam zu spät.

Für Löw war das 0:1 in der 20. Minute der Knackpunkt. „In der ersten Halbzeit ist unser Spiel nach dem ersten Gegentor, das zu vermeiden gewesen wäre, in Unordnung geraten“, monierte er. Überhaupt sei sein Team in der Abwehr zweimal unaufmerksam gewesen, „das ist brutal bestraft worden“.

Das zweite Mal war in der 36. Minute. Nach einem eigenen Eckball waren Hummels und sein gleichaltriger Partner Badstuber weit aufgerückt, Riccardo Montolivo nutzte die Lücke mit einem genialen Pass auf Balotelli, der zum 2:0 einschmetterte. Dass Kapitän Philipp Lahm falsch postiert und auch noch leicht ins Straucheln geraten war, passte ins Bild. Routinier Miroslav Klose sprach offen von „dummen Fehlern“.

Diesmal gaben Hummels und Badstuber der Defensive also nicht den nötigen Halt. Zu sehr waren sie mit Cassano und Balotelli, vor allem aber mit sich selbst beschäftigt. Immer wieder brachten sie sich mit zögerlichem Zweikampfverhalten oder unkonzentrierten Aktionen in Schwierigkeiten. Dass Badstuber auch noch einige Male ausrutschte, verbesserte den Gesamteindruck nicht.

Hatte Löw bis zum Viertelfinale wohl gedacht, seine künftige Innenverteidigung auch mit Blick auf die WM 2014 in Brasilien gefunden zu haben, so dürfte er am Donnerstagabend wohl wieder ins Grübeln geraten sein. Wie schon in der Vorbereitung präsentierte sich die Abwehr auch im entscheidenden Moment gegen Italien als Schwachpunkt.

Allerdings sind die Alternativen für Löw nicht allzu groß. Per Mertesacker muss nach langer Verletzungspause erst wieder beweisen, dass er international konkurrenzfähig ist. Ansonsten könnten noch Jerome Boateng und Benedikt Höwedes in der Innenverteidigung spielen. Boateng wird aber auf der rechten Außenbahn gebraucht.

Was letztendlich blieb, war die Erkenntnis von Badstuber, „dass wir noch sehr jung sind und nicht so clever wie die Italiener“. Denn die seien einfach erfahrener. „Wir nehmen vieles mit“, sagte Badstuber noch. Aber wieder keinen Titel.

sid

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